Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Facebook könnte beim Sammeln von Nutzerdaten das Gesetz gebrochen haben, sagen Experten

Business Insider Deutschland-Logo Business Insider Deutschland 19.04.2019 Rob Price
© Bereitgestellt von Business Insider Inc


Bei Facebook häufen sich die schlechten Nachrichten. Das soziale Netzwerk hat die E-Mail-Kontaktdaten von 1,5 Millionen Nutzern ohne deren Einwilligung gesammelt. Nach Ansicht von Experten könnte das Tech-Unternehmen dabei gegen die Gesetze der USA und der Europäischen Union verstoßen haben.

Am Mittwoch berichtete Business Insider, dass Facebook seit Mai 2016 die E-Mail-Adressbücher einiger neuer Benutzer durchsucht hat, nachdem das soziale Netzwerk nach ihren E-Mail-Passwörtern gefragt hatte, um ihre Konten zu „verifizieren“. Bei etwa 1,5 Millionen Nutzern wurden die Daten letztendlich ohne Erlaubnis genommen. Facebook teilte mit, dass dies „unabsichtlich“ geschehen sei und löscht jetzt die Daten.

Experten, die am Donnerstag mit Business Insider gesprochen haben, sind der Meinung, dass Facebook damit möglicherweise gegen mehrere Gesetze verstoßen habe, darunter denen der amerikanischen Verbraucherschutzbehörde US Federal Trade Commission (FTC), mit der Facebook 2011 eine Einwilligungserklärung zum Schutz von Nutzerdaten vereinbart hat, die EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) sowie andere Datenschutzregeln der Europäischen Union.

Die Top-Themen der MSN-Leser:

5G-Netzausbau: Huawei bietet Deutschland „No-Spy-Abkommen“ an

Ankündigung: Google ändert mit AMP-Update die Funktionsweise des Webs

Gericht: Google und Apple verbannen TikTok in Indien

Experte: Vorfall „verdient eine Untersuchung“

Wenn dies zutrifft und die Behörden entscheiden, gegen Facebook vorzugehen, könnte dies die rechtlichen Probleme des Unternehmens weiter verschärfen. Das soziale Netzwerk hat in den vergangenen Jahren mehrere Skandale erlebt, wie die Weitergabe von Daten an Cambridge Analytica oder die Rolle des Unternehmens in der Verbreitung von Hassbotschaften. 

Ein Facebook-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab.

Ashkan Soltani, der frühere Technologie-Chef der US-Verbraucherschutzbehörde FTC, sagte, er gehe davon aus, dass Facebooks Aktivitäten mit den E-Mail-Kontakten der Nutzer möglicherweise die Bedingungen der Einwilligungserklärung verletzt hätten, wenn das Unternehmen die Daten verwendet habe. „Meines Erachtens wäre Facebooks Sammlung und Verwendung von Adressbüchern der Nutzer ein weiterer klarer Verstoß gegen die Einwilligungserklärung und verdient eine Untersuchung“.

Es ist jedoch noch nicht klar, ob die FTC letztendlich versuchen wird, gegen Facebook in dieser Angelegenheit vorzugehen. Ein Sprecher der Organisation hat auf die Bitte um eine Stellungnahme nicht geantwortet.

„Es gibt zu diesem Zeitpunkt so viele verschiedene potenzielle Verstöße, dass ich nicht weiß, ob die FTC diese neuesten Erkenntnisse untersuchen wird ... vor allem, weil der Druck wegen Cambridge Analytica groß ist“, sagte Sally Hubbard, Direktorin der Durchsetzungsstrategie des Open Markets Institute, einer Forschungs- und Interessengruppe, die sich mit Fragen rund um die Macht von Unternehmen befasst.

Auch in Europa droht Ärger für Facebook

Seit Mai 2018 gilt in der Europäischen Union die DSGVO, die strenge, neue Datenschutzgesetzgebung. Facebook hat noch nicht bekannt gegeben, ob sich einer der betroffenen Nutzer nach diesem Datum in Europa angemeldet hat, aber es ist höchst wahrscheinlich — in diesem Fall glauben einige, dass Facebook gegen die DSGVO verstoßen haben könnte.

„Es ist besonders problematisch, weil nicht nur Daten des Nutzers ... überprüft wurden, sondern auch die persönlichen Daten ihrer Kontakte“, schreibt Michael Veale, ein in London ansässiger Datenschutzforscher, in einer E-Mail. „Es waren vielleicht nur 1,5 Millionen Nutzer, die direkt betroffen waren. Angesichts der Anzahl der gesammelten E-Mails und der damit verknüpften Netzwerkinformationen, die dabei gesammelt wurden, sind insgesamt wahrscheinlich hunderte Millionen Menschen betroffen“, fügt er hinzu.

Er weist darauf hin, dass es möglicherweise mehrere Verstöße gegen das Gesetz gab, einschließlich das Nicht-Informieren der Nutzer und der Verarbeitung der Daten von Personen zu Werbezwecken, ohne diese zu informieren. „Dies könnte als allgemeiner Sicherheitsverstoß ausgelegt werden, da Facebook nicht wusste, dass sein System effektiv gefährdet war“, so Veale.

Die irische Datenschutzkommission, die für die Regulierung der Datenpraktiken von Facebook in der EU im Rahmen der DSGVO zuständig ist, sagte, dass sie jetzt in Kontakt mit Facebook stehe und über den nächsten Schritt nachdenke. „Wir beschäftigen uns derzeit mit Facebook zu diesem Thema und sobald wir weitere Informationen erhalten, werden wir entscheiden, welche Schritte zu unternehmen sind“, sagte Graham Doyle, Kommunikationsleiter der irischen Datenschutzkommission.

Dieser Text wurde von Cornelia Meyer aus dem Englischen übersetzt, gekürzt und überarbeitet. Die Originalversion des Artikels findet ihr hier.

Das könnte euch auch interessieren:

 „Facebook ist am Rande des Zusammenbruchs“, sagt der Betreiber einer der erfolgreichsten Facebook-Seiten

 „Kann nicht sein, dass sie ungeschoren davonkommen“: Österreichs Finanzminister sagt Facebook, Google und Co. den Kampf an

 Mark Zuckerberg glaubt, dass Facebook immer noch im Kern gut ist — auch nach Christchurch und Cambridge Analytica

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von Business Insider Deutschland

Business Insider Deutschland
Business Insider Deutschland
| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon