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Samsung: Gefaltet ein Smartphone, geöffnet ein Tablet

Handelsblatt-Logo Handelsblatt 07.11.2018 Weddeling, Britta
Für Justin Denison von Samsung stellt das neue Produkt „das Fundament für das Smartphone von Morgen” dar. © Reuters Für Justin Denison von Samsung stellt das neue Produkt „das Fundament für das Smartphone von Morgen” dar.

Der weltgrößte Handy-Hersteller stellt sein erstes faltbares Telefon vor. Es soll den Südkoreanern zu neuem Wachstum im schwächelnden Smartphone-Verkauf verhelfen.

Bei seiner fünften Entwicklerkonferenz hat Samsung in San Francisco ein faltbares Smartphone vorgestellt. Vor über 5000 Entwicklern sagte DJ Koh, Präsident und Chef von Samsung Electronics: „Wir stehen vor einer neuen Ära von Innovationen und Erfindungen”.

Zum zehnjährigen Geburtstag der Galaxy-Familie kommendes Jahr wolle Samsung die Zukunft mobiler Services neu definieren: ein Gerät, das Besitzer gefaltet als Smartphone und geöffnet als Tablet verwenden.

Justin Denison, SVP of Mobile Product Marketing, nennt das Smartphone „das Fundament für das Smartphone von Morgen”. Das umknickende „Infinity Flex Display” des Telefons sei sehr robust und könne laut Denison „tausende Male” zusammenfaltet werden.

Das verwendete Material sei um 45 Prozent dünner als bisherige Bildschirme. Das Telefon soll geknickt kaum dicker sein als ein reguläres Galaxy-Modell. Die vielen Oberflächen können parallel bespielt werden: Bis zu drei Apps starten parallel auf dem Gerät. Samsung nennt die Funktion „Multiactive Window”.

Zu Größe, Preis oder dem Verkaufsstart des neuen Modells machte das Unternehmen keine Angaben. Die Massenproduktion solle „in den kommenden Monaten” starten, kündigte Denison an.

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Neues Wachstum für Smartphones

Mit dem faltbaren Gerät will der südkoreanische Hersteller im Smartphone-Geschäft aufholen, wo er seit mehreren Monaten verliert. Laut der Datenfirmen IDC und Strategy Analytics sanken Samsungs Absatzzahlen vergangenes Quartal um 13 Prozent, nach einem Rückgang von 10 Prozent im zweiten.

„Samsung ist klarer Marktführer im Smartphonegeschäft”, analysiert Thomas Husson von Forrester. Doch inzwischen gerate der Hersteller unter Druck. In der niedrigeren Preisklasse bedrohten ihn chinesische Produzenten wie Huawei und Xiaomi, im Premium-Segment könne Samsung sich nicht gegen die jüngste X-Generation von Apple behaupten.

Ein neues faltbares Design könnte Samsung dabei helfen, sich von der Konkurrenz abzugrenzen und wieder zu wachsen, glaubt Husson. „Doch nur dann, wenn es wirkliche Vorteile für das tägliche Leben des Nutzers eröffnen.“ Ebenso wichtig, wie ein neues Hardware-Design seien auf das neue Design abgestimmte Software, Technologie und Services.

Kampf der Sprachassistenten

Doch von Apps, die dezidiert für das faltbare Smartphone programmiert werden können, war im Rahmen der Entwicklerkonferenz nichts zu sehen. Stattdessen betonte Samsung die Wichtigkeit von Bixby, der eigenen Plattform für intelligente Sprachsteuerung. Der smarte Assistent soll langfristig in alle 500 Millionen Geräte einziehen, die der Hersteller jährlich verkauft, kündigt Eui Suk Chung, Samsungs Head of Software und KI an.

Um die Reichweite der Technologie zu steigern, öffnet Samsung die Bixby-Plattform für Dritte. Die Programmierer können mit „Bixby Capsules” eigene Funktionen für die Technologie programmieren, verspricht Samsung, nach dem Vorbild der „Skills” von Amazons Alexa, die eine Lampe im vernetzten Zuhause einschaltet oder einen Fahrservice ordert. Alle Bixby-Anwendungen will Samsung über einen eigenen Marktplatz vertreiben.

„Der Markt mit intelligenten Assistenten steht immer noch ganz am Anfang”, glaubt Dag Kittlaus, CEO of Viv Labs, einer KI-Firma, die Samsung im Oktober 2016 übernahm. „Die Zeit, in diesen Markt zu gehen, ist jetzt gekommen.”

Doch eigentlich ist Samsung eher Nachzügler in dem Markt. Amazon, Google und Apple haben schon seit Jahren eigene Sprachtechnologien etabliert. Samsung stellte Bixby erst im März 2017 auf dem Galaxy Note 8 vor, fast drei Jahre nach dem Start von Pionierin Alexa.

Der Einfluss im Markt ist überschaubar. Nur sechs Prozent der Amerikaner nutzen Bixby, errechnete die britische Datenfirma Ovum. Samsung liegt damit weit abgeschlagen hinter Amazon (24 Prozent), Apple (22 Prozent), Google (20 Prozent) oder Microsoft (10 Prozent).

Bixby spricht deutsch

Samsung gibt den Start von Sprachassistent Bixby in fünf weiteren Sprachen bekannt, darunter auf Deutsch, Spanisch und Italienisch. Bislang war die Technologie nur in englischer und koreanischer Sprache verfügbar.

Der Hersteller rechnet sich bei den intelligenten Services große Wachstumschancen aus. Trotz ihrer gestiegenen Beliebtheit seien smarte Assistenten nur „nützlich”, aber nicht „existenziell für das Leben der Menschen”, sagt Adam Cheyer, Viv Labs.

Welche Strategie Samsung bei der Monetisierung von Bixby verfolgt, ist noch unklar. Amazon nutzt Alexa als digitale Standleitung für die eigene E-Commerce-Plattform, Google verwendet die anfallenden Informationen über den Besitzer für das datengetriebene Geschäftsmodell.

Denkbar wäre, dass Samsung die Technologie zur Steuerung der Geräte im eigenen Ökosystem einsetzt, vom smarten Lautsprecher Galaxy Home, den es im August vorgestellt

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