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Verbreitung von Desinformation vor der Europawahl: Facebook sperrt Hunderte falsche Profile

Business Insider Deutschland-Logo Business Insider Deutschland 22.05.2019 Business Insider Deutschland
Facebook sperrt Hunderte falsche Profile. © Ralf Hirschberger/picture alliance via Getty Images Facebook sperrt Hunderte falsche Profile.

Kurz vor den Europawahlen hat Facebook Hunderte Fake-Profile und Gruppen gesperrt. Nach Angaben der internationalen Nichtregierungsorganisation Avaaz hatten sie 13 Millionen Interaktionen und sechs Millionen Follower. Sie sind erstellt worden, um mit ihnen leichter falsche und irreführende Informationen zu verbreiten. Die meisten solcher Informationen sollen Stimmung gegen bestimmte Parteien oder Gruppen machen. Rechtspopulisten und Extremisten wollen davon bei den Wahlen profitieren. Oft sind sie dabei untereinander vernetzt. Durch häufiges Liken und Teilen wird Facebook eine große Relevanz vorgegaukelt. Solche Nachrichten werden dann von dem sozialen Netzwerk durch eine bessere Sichtbarkeit für andere Nutzer belohnt.

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Beispiele gibt es zuhauf: Fotos und Videos werden aus dem Zusammenhang gerissen oder mit falschen Angaben zu Ort und Zeit versehen. So kursierte in Europa ein Video, das angeblich den Angriff von Migranten auf ein Polizeiauto zeigt. Tatsächlich stammt die Szene allerdings aus einem Spielfilm. Auch Statistiken und Behördeninformationen, zum Beispiel zu Kriminalität, Arbeitslosigkeit, Asylzahlen oder Immigration, werden verdreht oder Nachrichten einfach frei erfunden.

Avaaz hat analysiert, wo und wie solche Informationen eingesetzt werden. „Über Monate hinweg hat unser Team Fake News aus der ganzen Welt untersucht und wir haben eine schockierende Wahrheit zutage gebracht: Hunderte von Millionen, vielleicht sogar Milliarden Male, wurden Inhalte von Desinformations-Netzwerken aufgerufen und angesehen“, schreibt Avaaz auf seiner Webseite. Die NGO ist ein scharfer Kritiker von Facebook, das der Verbreitung von Fake News kaum etwas entgegenzusetzen hat. 

Mehrere Profile von AfD-Politikern sollen Reichweite erhöhen

Die rechtspopulistische Partei AfD spielt beim Verbreiten solcher Fake News in Deutschland eine große Rolle. Laut der Studie von Avaaz hat die NGO 130 Profile identifiziert, die überwiegend die AfD unterstützen und rechtsextreme Inhalte und Desinformation verbreiteten. So gab es mehrere Profile derselben AfD-Politikerin unter einem ähnlichen Namen, die untereinander verlinkt waren und teilweise das Gleiche gepostet haben. Facebook sperrte ebenfalls Gruppen wie „AfD Demokratie Freunde“ oder „AfD Deutschland Gruppe“, deren Ziel auch hauptsächlich die Erhöhung der Reichweite von Fake News war.

„Massenvernichtungswaffen für die Demokratie“

Laut Avaaz richten sich die Nachrichten hauptsächlich gegen Immigration, sind EU-feindlich oder rassistisch. Nur wenige Tage vor den Europawahlen ertrinkt Europa in Desinformation. Die Größe und Ausgeklügeltheit dieser Netzwerke macht sie zu Massenvernichtungswaffen für die Demokratie, die auf Europa zielen. Das Beunruhigendste ist, dass wir nur an der Oberfläche gekratzt haben. Es könnte noch viel, viel mehr da draußen geben“, teilte Christoph Schott, Deutschland-Chef von Avaaz, in einer Pressemitteilung mit. „Desinformation wird dazu benutzt, Menschen zu täuschen sowie Wut und Misstrauen in unsere Politik zu schüren. Unsere Sorge ist, dass wir den Effekt bei den Europawahlen diese Woche sehen werden.“

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Europaweit habe Avaaz mehr als 500 Seiten und Gruppen an Facebook gemeldet. Daraufhin seien 77 Seiten und 230 Accounts aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien und Polen gelöscht worden.  Avaaz findet das Löschen „nicht genug“. Vielmehr müsste Facebook die Inhalte richtig stellen und dies auch den Nutzern mitteilen. „Facebook sollte sicherstellen, dass jeder, der diese Desinformation gesehen hat, unverzüglich eine Richtigstellung erhält, und verhindern, dass seine Algorithmen dieses Gift aktiv verbreiten“, fordert Schott.

cm

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