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Nicht nur Trump kann peinlich

WELT-Logo WELT 23.05.2020 Johannes Boie
Joe Biden, ehemaliger US-Vizepräsident und Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten, macht nicht immer eine gute Figur Quelle: picture alliance/dpa © picture alliance/dpa Joe Biden, ehemaliger US-Vizepräsident und Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten, macht nicht immer eine gute Figur Quelle: picture alliance/dpa

Das schönste Geschenk, das die amerikanischen Demokraten dem regierenden Präsidenten Donald Trump gemacht haben, hört auf den Namen Joe Biden. Der Mann ist der Spitzenkandidat fürs Präsidentenamt und soll den Populisten im Weißen Haus schlagen.

Im vergangenen Dezember erklärt er einem Mann auf einer Veranstaltung in Iowa, der Zweifel an den durchaus zweifelhaften Geschäften von Bidens Sohn Hunter in der Ukraine äußert, er sei „ein verdammter Lügner“. Da es auch um Bidens körperliche Konstitution ging, fordert Biden den Wähler auf, einen Liegestützen-Wettbewerb zu veranstalten.

Im Februar feuert Biden sein Publikum an mit dem Satz: „Mein Name ist Joe Biden, ich bin der Kandidat der Demokraten für den Senat der Vereinigten Staaten.“ Seine Versprecher sind Legende und so zahlreich, dass man an seiner geistigen Präsenz zweifelt: „Arme Kinder sind genau so talentiert wie weiße Kinder.“ „Wir bevorzugen die Wahrheit anstelle von Fakten!“

Im April veranstaltet er eine Versammlung mit Hillary Clinton und nickt vor laufender Kamera ein, als Clinton redet. Anfang Mai spricht er in einer der beliebtesten Morgensendungen der USA („Morning Joe“) über die Vorwürfe einer Frau namens Tara Reade, er habe sie sexuell belästigt. Die Moderatorin fragt ihn, ob zur Aufklärung der Vorwürfe Akten durchsucht werden können, und zwar, weil die Papiere vertraulich sind, nur nach dem Namen der Frau. Biden versteht die Frage nicht, einmal, zweimal. Weicht dann aus. Sekundenlanges Schweigen. Der Zuschauer leidet. Aber nicht mit Biden.

In dieser Woche nun erklärt Biden einem schwarzen Radiomoderator, dass Wähler, die sich nicht sicher seien, ob sie für ihn oder für Trump stimmen sollten, „nicht schwarz“ seien. Dabei bediente er sich obendrein einer betont lässigen Formulierung, wie sie manche Schwarze häufig verwenden.

Und immer wieder küsst Biden seine Enkeltochter auf den Mund in einer Art und Weise, die vielleicht in seiner Familie okay sein mag. Die aber die meisten Wähler stören dürfte.

Nicht, dass der amtierende Präsident weniger peinliche Momente produzierte. Aber er versucht es ja gar nicht auf die seriöse Art, und genau das schätzen seine Wähler an ihm, ganz egal, wie viel Hydroxychloroquin der Mann noch empfiehlt und schluckt. Biden möchte und muss das Gegenmodell sein. Man wird sehen, ob er das noch schafft.

Quelle: WELT AM SONNTAG © WELT AM SONNTAG Quelle: WELT AM SONNTAG

Dieser Text ist aus der WELT AM SONNTAG. Wir liefern Sie Ihnen gerne regelmäßig nach Hause.

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