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Finanzpolitik: Griechenland wirbt mit Steuererleichterungen um Superreiche und Rentner

Handelsblatt-Logo Handelsblatt 09.11.2019 Höhler, Gerd
Der Premier will Rentner und wohlhabende Ausländer nach Griechenland locken. © AP Der Premier will Rentner und wohlhabende Ausländer nach Griechenland locken.

Mit großzügigen Steuervergünstigungen will die Regierung in Athen wohlhabende Ausländer ins Land locken. Auch ausländische Pensionäre könnten profitieren.

München: Regen, minus zwei bis sieben Grad. Athen: Sonne, 16 bis 22 Grad. Das sind die aktuellen Wetterprognosen für diesen Samstag. Da packt manchen das Reisefieber – ab in den Süden! Eine verlockende Vorstellung, nicht zuletzt für Rentner, die am Montag nicht zur Arbeit müssen.

Die griechische Regierung möchte jetzt Pensionäre aus nördlichen Breitengraden dazu bewegen, mehr als nur ein langes Wochenende oder ein paar Wochen in Hellas zu verbringen.

Wer als Rentner seinen ständigen Wohnsitz und damit sein Steuerdomizil nach Griechenland verlegt, soll für die nächsten zehn Jahre von der Einkommensteuer befreit werden. Das sieht ein Plan vor, den Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis diese Woche mit seinem Finanzminister Christos Staikouras und Experten des Athener Finanzministeriums erörterte.

Das Verlockende für die Pensionäre: Nicht nur ihre Renten bleiben steuerfrei, sondern auch alle anderen Einkünfte und Kapitalerträge. Einzige Bedingung: Die Pensionäre müssen mindestens 183 Tage im Jahr in Griechenland verbringen.

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Auch aus Sicht des griechischen Finanzministers könnte sich das Angebot lohnen. Denn die Ruheständler geben dann ihre Bezüge in Griechenland aus, mieten eine Ferienwohnung, kaufen vielleicht ein Haus, schaffen ein Auto an. Das könnte auf vielen Ferieninseln, die bisher nach dem Ende der Sommersaison in einen Winterschlaf fallen, die örtliche Wirtschaft beleben.

Nicht nur Rentner will Premier Mitsotakis nach Hellas locken. Er umwirbt jetzt auch wohlhabende Ausländer mit Steuervergünstigungen: Wer seinen Steuerwohnsitz nach Griechenland verlegt, dort mehr als sechs Monate im Jahr verbringt und in den nächsten drei Jahren mindestens 500.000 Euro investiert, zahlt für seine im Ausland erzielten Einkünfte nur eine pauschale Steuer von 100.000 Euro im Jahr, egal wieviel er verdient. Dabei kann es sich um Investitionen in Immobilien, Aktien oder Anleihen handeln.

Je mehr man investiert, desto größer die Steuerersparnis: Wer 1,5 Millionen Euro anlegt, zahlt nur 50.000 Euro Steuern auf seine globalen Einkünfte. Bei drei Millionen sind es lediglich 25.000 Euro. Eine so genannte „Großvater-Klausel“ soll den Investoren Rechtssicherheit bieten. Während der auf 15 Jahre angelegten Laufzeit des Programms können die Steuervorteile nicht widerrufen oder eingeschränkt werden.

Die Vergünstigungen sind Teil eines Reformpakets, das die Regierung dem Parlament noch im November zur Verabschiedung vorlegen wird. Es sieht unter anderem eine Senkung der Unternehmenssteuern von 28 auf 24 Prozent vor. Der Steuersatz auf Dividenden wird von zehn auf fünf Prozent halbiert. Erleichterungen gibt es auch bei der Einkommensteuer: Die ersten 10.000 Euro werden vom nächsten Jahr an nur noch mit einem Satz von neun Prozent besteuert, gegenüber bisher 22 Prozent.

Nichts braucht Griechenland derzeit dringender als Investitionen. Während der Ende 2009 ausgebrochenen Finanzkrise verlor das Land ein Viertel seiner Wirtschaftskraft. Vor der Krise machten die Bruttoanlageinvestitionen in Griechenland 20,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Das entsprach etwa dem Niveau in Deutschland. Aktuell liegt die Quote nur bei zwölf Prozent.

Weil die meisten griechischen Unternehmen immer noch mit den Folgen der Krise kämpfen und die einheimischen Banken kaum Kredite vergeben, können neue Investitionen eigentlich nur aus dem Ausland kommen.

„Goldenes Visum“ für Investoren aus Drittstaaten

Die Steuervergünstigungen zielen auf EU-Bürger, aber auch auf wohlhabende Investoren aus Drittstaaten. Dabei steht derzeit besonders China im Fokus. Am Sonntagabend kommt der chinesische Staatschef Xi Jinping zu einem dreitägigen Staatsbesuch nach Athen. Chinesische Unternehmen haben seit 2005 rund 7,5 Milliarden Euro in Griechenland investiert, mehr als jedes andere Land.

Aber auch chinesische Privatanleger interessieren sich für Griechenland. Athen belohnt private Investoren aus Drittstaaten, die mindestens 250.000 Euro in eine Immobilie investieren, mit einem „Goldenen Visum“, einer Aufenthaltsgenehmigung, die auch zu Reisen in alle Schengen-Staaten berechtigt.

15.400 solcher Visa hat Griechenland seit 2013 vergeben. Zwei Drittel davon gingen an chinesische Investoren. Mit der neuen Steuer-Flatrate will der Finanzminister solche Investoren dazu bewegen, ihr Steuerdomizil nach Griechenland zu verlegen und sich so dauerhaft an das Land zu binden.

Aber das Programm zielt auch darauf, Griechen, die im Ausland wohnen, wieder ins eigene Land zu locken. Knapp elf Millionen Menschen leben in Griechenland, aber weitere vier Millionen im Ausland. Viele sind dort zu beträchtlichem Wohlstand gekommen. So haben viele steinreiche griechische Reeder ihr Steuerdomizil traditionell in London.

Und dann sind da die neuen Auswanderer: Geschätzt 400.000 Griechen verließen ihre Heimat während der Krisenjahre – überwiegend junge, gut ausgebildete Fachkräfte und Akademiker. Das Land verlor in der Krise viele seiner besten Talente. Mit den Steueranreizen hofft Premier Mitsotakis, diesen Brain-Drain umzukehren.

Mehr: Griechenland hat eine lange Periode der Unsicherheit hinter sich. Nun will die Regierung mit neuen Reformprojekten für mehr Wachstum sorgen. Lesen Sie hier das ganze Interview mit Griechenlands Finanzminister Christos Staikouras.

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