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Forscher lüften das Rätsel des menschlichen Gangs

DIE WELT-Logo DIE WELT 17.02.2017
THANDWE, NGAPALI BEACH, BURMA - DECEMBER 15: Tourist woman with a sun hat walking and relaxing at the white sandy beach with palmtrees and blue sky on December 15, 2016 in Thandwe, Ngapali Beach, Myanmar. (Photo by EyesWideOpen/Getty Images) © Getty Images THANDWE, NGAPALI BEACH, BURMA - DECEMBER 15: Tourist woman with a sun hat walking and relaxing at the white sandy beach with palmtrees and blue sky on December 15, 2016 in Thandwe, Ngapali Beach, Myanmar. (Photo by EyesWideOpen/Getty Images)

Warum tritt der Mensch mit der gesamten Fußsohle auf? US-Forscher haben die Anatomie untersucht. Sie vermuten, das der Gang auch etwas mit einer typischen Charaktereigenschaft zu tun hat.

Warum tritt der Mensch mit der gesamten Fußsohle auf – und tippelt nicht schnell auf den Zehenspitzen, wie es viele andere Säugetiere tun? US-Forscher haben sich diese grundlegende Frage der Anatomie gestellt und eine erstaunliche Antwort gefunden. Sie hat auch etwas damit zu tun, dass der Mensch zum Kämpfen gemacht ist.

Die Wissenschaftler vermuten im Fachblatt "Biology Open", dass die latent aggressive Natur von Menschen und Menschenaffen die Entwicklung ihres Ganges mitbestimmt hat. Mit den Fersen am Boden seien Bewegungen, die im Kampf wichtig sind, besser auszuführen als im Zehengang, den die meisten anderen Primaten benutzen.

Ausgangspunkt für die Untersuchung war die Frage, ob der Mensch von Natur aus aggressiv und konfrontativ ist und diese Verhaltensweisen lediglich durch etwas soziale Kontrolle eingeschränkt werden. Oder ob der Mensch nur dann angriffslustig wird, wenn ihm zum Beispiel durch Staaten oder Regierungen der Zugang zu Ressourcen verwehrt wird.

"Wenn Aggression in unserer Vergangenheit wichtig war, dann sollten wir Belege dafür in unserer Anatomie finden", sagt David Carrier von der University of Utah, der die Untersuchung zusammen mit Christopher Cunningham von der Swansea University durchgeführt hat.

Kräftemessen mit einem Pendel

Auf der Suche nach solchen Belegen hatten die Wissenschaftler Freiwillige auf eine sogenannte Kraftmessplatte gestellt und sie gebeten, ein schweres Pendel in Bewegung zu setzen – etwa durch seitliche Schläge, durch Ziehen oder Drücken. Dabei standen die Versuchspersonen auf einem oder beiden Beinen und entweder auf den Zehen oder auf dem ganzen Fuß. Die Wissenschaftler bestimmten so unter anderem die Kräfte, die auf den Boden und auf das Pendel wirkten.

Das Ergebnis: Egal, welche Bewegung die Freiwilligen ausführten, die auf den Boden wirkenden Kräfte waren stets größer, wenn sie den gesamten Fuß aufsetzten. Sie konnten so mehr Kraft und Energie aufbringen. Das ist ein klarer Vorteil beim Kämpfen.

Um zu veranschaulichen, wie wichtig die Kraftübertragung auf den Boden bei der Aufgabe ist, ließen die Wissenschaftler die Probanden die Aufgabe auch mit rutschigen Socken auf einer Teflon-Unterlage ausführen. Dabei drehten sie sich um sich selbst und konnten erheblich weniger Kraft generieren.

Physische Aggression sei sicher nicht die einzige Verhaltensweise, die die Entwicklung der Füße beeinflusst habe, sagt Carrier. Die Ergebnisse legten aber nahe, dass die kämpferische Leistungsfähigkeit eine wichtige Rolle gespielt habe.

Einige Forscher vermuten, dass auch das Leben in Bäumen die Evolution der Gangart mitbestimmt habe. Einige Affen hangeln sich durch Bäume, indem sie mit den Füßen über Äste laufen und sich gleichzeitig mit den Armen an anderen, weiter oben gelegenen Ästen festhalten. Diese Art der Fortbewegung werde erleichtert, wenn das Gewicht auf die Hinterbeine verlagert werde, was wiederum im Aufsetzen des gesamten Fußes resultiere, also im Sohlengang.

Außer dem Menschen und den Menschenaffen sind zum Beispiel auch Bären, Dachse oder einige Nagetiere Sohlengänger. Der Zehengang ist verbreiteter bei Arten, die viel und schnell rennen.

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