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Maximilian Brückner: Mit Ecken und Kanten

teleschau-Logo teleschau 15.12.2016 Amelie Heinz

Maximilian Brückner gibt in "Pregau" den Antihelden. Privat ist der Bayer sehr bodenständig, wie er beim Interview in München durchblicken lässt.

Maximilian Brückner war seit Anfang der 2000-er in zahlreichen Fernseh- und Kinoproduktionen zu sehen. Den meisten TV-Zuschauern ist er aber wohl aus dem Saarbrücker "Tatort" bekannt. Von 2006 bis 2012 verkörperte er Kriminalhauptkommissar Franz Kappl. Auch im ARD-Vierteiler "Mörderisches Tal - Pregau" (ab Sonntag, 25. Dezember, 21.50 Uhr) schlüpft der Bayer wieder in eine Polizeiuniform. Doch diesmal spielt er den Part des Mannes, der vom Pfad der Gerechtigkeit abkommt und von Film zu Film immer mehr ins Verderben rennt. Alles nur wegen einer Lüge. Dummheit? Nein, das sei etwas, das jedem Menschen passieren könne, behauptet der 37-Jährige beim Interview in München. Denn lügen tut schließlich jeder einmal.

teleschau: Die Familie, in die Sie in "Pregau" hineingeheiratet haben, wünscht man ja nicht einmal seinem schlimmsten Feind ...

Maximilian Brückner: Ja, das kann man schon so sagen (lacht).

teleschau: Haben Sie privat schon einmal Erfahrungen mit schwierigen "Anhang" gemacht?

Brückner: Nein, da hatte ich bisher immer Glück. Gott sei Dank.

teleschau: In "Pregau" sind die Strukturen fast ähnlich wie bei der Mafia - glauben Sie, dass es solche Zustände hier wirklich gibt?

Brückner: Naja, vielleicht nicht in der Form und Intensität wie in "Pregau", aber grundsätzlich kann ich mir schon vorstellen, dass es so etwas gibt. In der Stadt ganz sicher.

teleschau: Auch im idyllischen Oberbayern?

Brückner: Ach, da natürlich nicht, da ist alles weiß-blau (lacht).

teleschau: Warum sind Menschen manchmal so dumm wie eben auch der Hannes, und treffen eine schicksalsträchtige Entscheidung, obwohl sie in dem Moment genau wissen, dass sie falsch ist?

Brückner: Das hat gar nichts mit Dummheit zu tun. Jeder lügt doch hin und wieder und denkt sich: Ach das passt schon so. Dann kommt bald die nächste Lüge, und irgendwann überrollt einen alles und man merkt: Scheiße, hätte ich doch gleich am Anfang die Wahrheit gesagt. Genau so ergeht es eben auch dem Hannes. Er ist Opfer und Täter zugleich. Was er am Anfang macht, ist moralisch nicht in Ordnung. Aber emotional gesehen kann man sein Handeln als Zuschauer nachvollziehen.

teleschau: Weil jeder das kennt?

Brückner: Genau. Etwas ist zwar nicht in Ordnung, aber man macht es einfach trotzdem. Infolge dessen passieren drei weitere Sachen, und plötzlich hat man sein Leben nicht mehr unter Kontrolle, und alles bloß, weil man einen oder zwei kleine Fehler gemacht hat. Das kann jedem passieren. Das Einzige, was man tun kann, ist, als erwachsener Mensch die Größe zu besitzen, wenn man Scheiße gebaut hat, sie auch zuzugeben.

teleschau: Es gibt aber auch Menschen, deren Leben außer Kontrolle gerät, obwohl sie daran keine Schuld tragen...

Brückner: Genau, man kann zum Beispiel krank werden. Auf einmal ändert sich dann das ganze Leben, und nichts mehr ist wie zuvor. Davor kann man sich nicht schützen.

teleschau: Sind manche Dinge einfach Schicksal?

Brückner: Wie man das auch bezeichnen will, Schicksal, Gott, je nachdem, woran man glaubt. Wir müssen uns einfach von der Illusion verabschieden, immer alles im Griff zu haben. Oft ist das auch eine Frage der sozialen Herkunft.

teleschau: Wie gehen Sie privat mit den Widrigkeiten des Lebens um?

Brückner: Warum fällt man hin? Damit man wieder aufsteht. Das ist mein Prinzip.

teleschau: "Pregau" ist eine Kooperation mit dem ORF - was können die Österreicher einfach besser, als wir Deutschen?

Brückner: Die gehen viel böser und ehrlicher mit sich um. Was bei uns eher immer angezuckert wird, da lassen die Österreicher die Ecken und Kanten dran. Das finde ich gut. Österreich ist ein kleines Land, vielleicht müssen sie sich deswegen im Bereich Film und Fernsehen einfach mehr trauen als wir, um aufzufallen.

teleschau: Sie spielen oft Polizisten, die für Recht und Ordnung sorgen. Haben Sie einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn?

Brückner: Nein. Das liegt einerseits an meinem Alter. Andererseits werden in Deutschland eben auch unglaublich viele Krimis gedreht. Da ist die Chance, als Polizist besetzt zu werden, relativ groß.

teleschau: Sie kommen aus dem oberbayerischen Riedering, sind mit sieben Geschwistern aufgewachsen. War so eine große Familie nicht anstrengend?

Brückner: Bei uns lief das immer ganz gut, obwohl natürlich nicht immer alles eitel Sonnenschein war. Alles in allem bin ich aber sehr froh um meine Großfamilie. Ich kenne es aber auch nicht anders.

teleschau: Wünschen Sie sich auch mal eine große Familie?

Brückner: Ja durchaus, aber das ist bisher Zukunftsmusik. Ich bin jetzt erst mal verheiratet und gut ist.

teleschau: Größeres Aufsehen erregten Sie erstmals mit Tuba im "Tatort"? Spielen Sie noch?

Brückner: Ab und zu helfe ich zu Hause aus, wenn jemand fehlt. Ich werde dann angerufen, und wenn ich Zeit hab, hab ich Zeit, und wenn nicht, dann halt nicht.

teleschau: Sie erfüllen in vielerlei Hinsicht das Klischee, des bayerischen Buben von nebenan. Ist das schlimm für Sie?

Brückner: So viele Leute haben von irgendwem eine vorgefertigte Meinung, obwohl sie die Person oft nicht einmal kennen. Dann ist das eben so. Ich wohne auf dem Land und stamme aus einer Großfamilie, wenn ich in gewisser Hinsicht ein Klischee erfülle, dann ist das eben so. Es wäre ja komisch zu sagen, ich bin eigentlich ganz anders. Ich bin so wie ich bin, und ich bin definitiv nicht dazu da, dass ich irgendjemandes Meinung über mich ändere.

teleschau: Wenn wir schon beim Thema sind: Heimat ist für Sie?

Brückner: Familie, Freunde, Menschen, die man kennt. Und Heimat ist dort, wo Gegenstände oder Landschaften eine andere Bedeutung haben, als wenn ich ins Ausland fahre. Da sehe ich vielleicht schöne Bäume und schöne Häuser, aber wenn ich bei mir zu Hause einen Baum sehe, dann weiß ich, da bin ich raufgekraxelt, da bin ich runtergefallen, da hatte ich mein Lager.

teleschau: Können Sie sich vorstellen, irgendwann aus Bayern wegzugehen?

Brückner: Man soll niemals nie sagen. Aber grundsätzlich habe ich keine Ambitionen in der Hinsicht.

teleschau: Auch kein Wechsel vom Land in die Stadt?

Brückner: Sowieso nicht. Ich habe Tiere zu Hause, wir haben einen kleinen Bauernhof, und ich bin wahnsinnig gerne draußen in der Natur. Das ist voll mein Ding.

Maximilian Brückner ist als steirischer Dorfpolizist in "Pregau" (ab Sonntag, 25. Dezember, 21.50 Uhr, ARD) auf einer Antiheldenreise ins Verderben.

Maximilian Brückner ist als steirischer Dorfpolizist in "Pregau" (ab Sonntag, 25. Dezember, 21.50 Uhr, ARD) auf einer Antiheldenreise ins Verderben.
© ARD Degeto / Mona Film / Petro Domenigg
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