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Migrationswelle aus Tunesien

Früher waren es vorallem arbeitslose junge Männer, die von Tunesien aus mit dem Boot über das Mittelmeer in Richtung Europa aufgebrochen sind. Doch inzwischen sind auch viele besser Gebildete und Familien so frustriert über die Wirtschaftskrise, dass sie die gefährliche Überfahrt wagen. Der 27-jährige Tarek Aloui hat es bereits mehrmals versucht: "Mein Sohn ist anderthalb Monate alt, wenn ich die Chance bekomme, auszuwandern, werde ich ein besseres Leben führen. Ich versichere Ihnen, dass ich sofort gehen würde, auch wenn ich weiß, dass ich sterben könnte, aber ich habe nicht genug Geld, um die Reise noch einmal zu bezahlen." Tarek hat es bisher nur einmal nach Italien geschafft, im verganenen März auf dem Höhepunkt der Coronavirus-Krise. Er wurde sofort wieder nach Hause zurückgeschickt, wo er sechs Monate lang eingesperrt war. Doch er lässt sich nicht abschrecken: "Alle tunesischen Männer, Frauen und sogar Kinder wollen das Land auf diesem Weg verlassen." Die Corona-Pandemie hat der ohnehin schon desolaten Wirtschaft Tunesiens schwer zugesetzt ... Immer mehr Menschen wollen Tunesien verlassen. "Wir sehen oft durch die Kameraüberwachung Leute im Hafen. Die Hafenpolizei und die Bootsbesitzer überprüfen jeden Abend die Boote, eber es wurden schon mehrmals Boote mit Motoren gestohlen. Die Fischer hier müssen um Kredite bitten, um diese kleinen Boote zu kaufen, und dann am Morgen stellen sie fest, dass ihre Boote nicht mehr da sind. Das ist wirklich ein Problem des Staates ", berichtet der Fischer Mohamed Taweb. Nach Angaben des Flüchtlingshochkommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) stellen die Tunesier in diesem Jahr die größte Gruppe unter den Migranten, die das Mittelmeer in Richtung Europa überquerten. Allein im Juli sind mindestens 4100 Tunesier nach Italien aufgebrochen. Romdhane Ben Amor, Sprecher des tunesischen Forums für wirtschaftliche und soziale Rechte: "Unter denjenigen, die das Land verlassen, sehen wir heute Menschen mit Universitätsabschlüssen und sogar einige mit einem Arbeitsplatz. Familien, die sich zuvor gegen die Auswanderung ihrer Kinder ausgeprochen haben, stellen sich ihnen nun nicht mehr entgegen und tragen manchmal sogar finanziell zur Auswanderung ihrer Kinder bei."
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