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Reifenprofiltiefe: Winterreifen sind Pflicht in Europa – was Autofahrer wissen müssen

Handelsblatt-Logo Handelsblatt 09.10.2019 Ivanov, Angelika
Wenn Schnee, Matsch und Eis die Straßen bedecken, dürfen nur Autos mit Winterreifen fahren. © dpa Wenn Schnee, Matsch und Eis die Straßen bedecken, dürfen nur Autos mit Winterreifen fahren.

In Deutschland gibt es eine Winterreifenpflicht. Doch viele Autofahrer sind unsicher, wann genau sie die Reifen wechseln müssen. Ein Überblick.

Wenn die ersten grauen, kalten Tage zum Tee trinken auf der Couch einladen, denken deutsche Autofahrer an ihre Winterreifen. Zwischen ausrangierter Technik und Möbel lagern diese meistens im Keller oder der Garage und müssten so langsam auf die Felgen gezogen werden. Aber wann eigentlich?

Winterreifenpflicht: Keine gesetzlich festgelegte Frist 

Eine Umfrage von Statista zeigt, dass über 60 Prozent im Oktober oder November ihre Reifen austauschen. Dabei müssen sie es eigentlich gar nicht. Zumindest wenn die Temperatur weiterhin über 15 Grad Celsius beträgt. Denn in Deutschland gilt die Winterreifenpflicht laut Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) 213a nur bei entsprechender Witterung – also Schnee, Matsch oder Bodenfrost.

Herrscht jedoch winterliches Wetter und die Sommerreifen sind noch im Betrieb, kostet das bei einer Polizeikontrolle mindestens einen Punkt in Flensburg.

VergehenBußgeldPunkte

Fahrzeug mit Reifen betrieben, die nicht den Wetterverhältnissen entsprechen

75 Euro

1

... mit Gefährdung

90 Euro1

.. mit Unfallfolge

110 Euro 1
Quelle: eigene Recherche, Bußgeldkatalog des Kraftfahrbundesamts

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Gesetzliche Mindestprofiltiefe für Reifen: 1,6 mm

Prüft die Polizei dann auch die Reifenprofiltiefe und liegt diese unter den vorgeschriebenen 1,6 mm, gibt das einen zusätzlichen Punkt in Flensburg und ein Bußgeld von mindestens 60 Euro. Bei einem Unfall könnten es bis zu 90 Euro werden, da Halter verpflichtet sind, die Profiltiefe regelmäßig zu kontrollieren. Zum Vergleich: Neureifen haben eine Profiltiefe von acht bis neun Millimetern.

Auch wenn die gesetzliche Mindestprofiltiefe bei 1,6 Millimeter liegt, rät der ADAC zu strengeren Vorgaben. Sommerreifen sollten demnach bei weniger als 3,0 Millimeter und bei Winterreifen bei 4,0 Millimeter ausgetauscht werden. Andernfalls verlieren die Reifen ihren Halt auf der Straße und erhöhen damit die Unfallgefahr.

Wie unterscheide ich Sommer- und Winterreifen?

Sommerreifen sind daran zu erkennen, dass sie keine gesonderte Bezeichnung haben. Winter- oder Ganzjahresreifen hingegen sind mit M+S (Mud and Snow). Zumindest sind sie bis 2024 wintertauglich, wenn sie vor dem 31. Dezember 2017 hergestellt wurden. Alle Reifen, die ab dem 1.Januar 2018 produziert wurden, müssen mit einer Schneeflocke und einem Berg - dem Alpine-Symbol - beschriftet sein. Das sieht das EU-Recht vor.

Neben den Bezeichnungen lassen sich Reifen auch am Gummi erkennen. Sommerreifen bestehen aus hartem Gummi und groben Längsrillen. Winterreifen haben weicheres Gummi und seitliche Profilrillen. Damit greifen sie besser im Matsch und Schnee.

Wie prüfe ich die Reifenprofiltiefe?

Einen Schnelltest können Autofahrer einfach selbst machen. Dafür brauchen sie eine Ein-Euro-Münze, weil der Goldrand drei Millimeter breit ist. Also einfach die Münze in der Mitte und am Rand des Reifens in eine Rille halten. Ist der goldene Rand vom Gummi verdeckt, ist auf jeden Fall die gesetzliche Profiltiefe erreicht. Für eine genaue Messung gibt es auch günstige Reifenprofilmesser. Eine andere Option ist, ein Streichholz zwischen die Rillen zu schieben, die Kante zu markieren und anschließend mit einem Zollstock oder Lineal zu messen.

Winterreifenpflicht: Die Regeln in Österreich, Italien und der Schweiz

Österreich:

Vom 1. November bis zum 15. April gilt die Winterreifenpflicht in Österreich. Ähnlich wie in Deutschland hängt es aber auch bei den Nachbarn davon ab, ob Schnee und Matsch auf der Straße sind. Dann müssen die Reifen mindestens 5 Millimeter Profil haben.

Alternativ zu Winterreifen sind auch Schneeketten auf mindestens zwei Antriebsrädern erlaubt – jedoch nur dann, wenn „die Fahrbahn mit einer zusammenhängenden oder nicht nennenswert unterbrochenen Schnee- oder Eisschicht bedeckt ist“. Sonst würden die Ketten den Straßenbelag zerstören.

Ohne Winterreifen oder Ketten kann es sehr teuer werden. Die Geldbuße bei einem Vergehen beträgt zwar nur 35 Euro. Doch bei einem Unfall können es bis zu 5000 Euro werden.

Italien:

Auf vielen Strecken gilt in Italien eine Winterreifenpflicht. Jedoch sind die Regelungen unterschiedlich. Touristen sollten sich vorab informieren, wie die lokalen Bestimmungen sind. Etwa gilt in Südtirol eine Pflicht vom 15. November bis zum 15. April.

Im Aosta-Tal, das an Frankreich und die Schweiz grenzt, setzt die Winterreifenpflicht bereits einen Monat früher vom 15.Oktober ein.

Wer gegen die Gesetze verstößt, muss mit einer Strafe von 80 bis 340 Euro rechnen.

Schweiz:

In der Schweiz gibt es, wie auch in Deutschland, keine grundsätzliche Winterreifenpflicht. Ist Schnee und Eis auf der Straße, müssen die Winterreifen aufgezogen sein.

Grundsätzlich müssen laut Schweizer Gesetz Autofahrer in der Lage sein, ihr Auto zu beherrschen. Bei einem Unfall im Schnee und fehlenden Winterreifen, ist der Fahrer deswegen mit haftbar.

Das Bußgeld liegt laut ADAC bei etwa 90 Euro.

Mehr dazu:

Warum der französische Reifenhersteller Michelin nach 50 Jahren sein Werk in Bayern schließen muss.

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