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Überdurchschnittlicher Anstieg in Berlin: 43 Prozent mehr Menschen in U-Haft

Berliner Zeitung-Logo Berliner Zeitung 24.04.2019 Philippe Debionne
Schichtdienst, aggressive Gefangene - der Dienst ist nicht einfach. © Paulus Ponizak Schichtdienst, aggressive Gefangene - der Dienst ist nicht einfach.

Die Zahl der Untersuchungshäftlinge in Berlin ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Das ergaben Berechnungen des NDR, die sich auf bislang zum Teil unveröffentlichte Daten des Statistischen Bundesamtes stützen. Die Zunahme ist deshalb bemerkenswert, weil die Zahl der Straftaten, Tatverdächtigen, Verurteilten und Haftstrafen in den vergangenen Jahren deutschlandweit gesunken ist. So hieß es auch bei der Vorstellung der aktuellen Polizeilichen Kriminalstatistik für Berlin kürzlich, die Stadt sei wieder ein Stück sicherer geworden.

788 Tatverdächtige hinter Gittern

Doch die Entwicklung der Zahl der Untersuchungshäftlinge in Berlin liegt bezogen auf die Einwohnerzahl zugleich deutlich über dem Bundesdurchschnitt. So saßen am 31. August 2018 insgesamt 788 Menschen in der Hauptstadt in U-Haft, das ist ein Anstieg von 43 Prozent im Vergleich zu 2014. Deutschlandweit stieg diese Zahl im selben Zeitraum um 25 Prozent.

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In einer Umfrage des NDR unter allen 16 deutschen Justizministerien werden mehrere mögliche Faktoren für den deutlichen Anstieg bei den Untersuchungsgefangenen genannt: die verstärkte Bekämpfung einzelner Straftaten, lange Verfahren sowie die zugenommene Zahl ausländischer Tatverdächtiger. Tatsächlich lag der Anteil der nicht-deutschen Untersuchungshäftlinge in Berlin im Jahr 2017 bei 1501 - im Vergleich zu 2014 ist das eine Steigerung von 36 Prozent. Deutschlandweit saßen  im vergangenen Jahr 18110 ausländische Staatsbürger in Untersuchungshaft, eine Steigerung von 26 Prozent gegenüber 2014. Im selben Zeitraum sank die Zahl der Deutschen in U-Haft um acht Prozent. Das ergab laut NDR eine Sonderauswertung des Statistischen Bundesamtes.

Untersuchungsgefängnis U-Haft © Christian Charisius/dpa Untersuchungsgefängnis U-Haft

Ausländer häufiger in Untersuchungshaft

Bei ausländischen Tatverdächtigen wird nach Justizangaben allerdings häufiger auf Fluchtgefahr als Untersuchungshaftgrund entschieden, vor allem wenn sie keinen festen Wohnsitz und keine sozialen Bindungen in Deutschland haben. Das bedeutet, dass sie aus Gründen einer möglichst erfolgreichen Strafverfolgung auch häufiger und schneller in Untersuchungshaft genommen werden als deutsche Tatverdächtige, unabhängig vom eigentlichen Verbrechen.

Auch die Zahl der Gefangenen, die länger als sechs Monate in Untersuchungshaft sind, ist laut NDR seit 2014 um 25 Prozent gestiegen. Nach Angaben von Justizbehörden, Richtern und Anwälten seien Ermittlungs- und Strafverfahren in den vergangenen Jahren komplexer und langwieriger geworden. Tatverdächtige würden dann nicht selten bis zu einem rechtskräftigen Urteil in U-Haft sitzen.  

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