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„Ich habe gedacht: Das ist das Ende"

RP ONLINE-Logo RP ONLINE 25.03.2019 RP ONLINE
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Helsinki/Oslo. Aufatmen auf der "Viking Sky": Nach Stunden voller Angst in Seenot vor der Westküste Norwegens konnten die Passagiere am Sonntag in Sicherheit gebracht werden. Das Kreuzfahrtschiff konnte am späten Nachmittag in einen Hafen gebracht werden.

Das norwegische Fernsehen zeigte Bilder, wie Schlepper das riesige Schiff am Nachmittag in den Hafen Molde brachten. Zuvor hatten die norwegischen Behörden mitgeteilt, dass 17 Menschen nach Angaben der Polizei mit Verletzungen im Krankenhaus behandelt wurden. Insgesamt waren 1373 Passagiere und Crewmitglieder an Bord.

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Bei der Rettungsaktion waren die Passagiere jeweils einzeln vom Deck in einen Hubschrauber geholt worden. Die fünf Helikopter hatten es teils mit schwierigen Einsatzbedingungen zu tun - Windböen waren stark, Wellen über acht Meter hoch. Den Hilferuf hatte die Crew am Samstagnachmittag abgesetzt, als es bei starkem Wellengang zu einem Motorproblem kam. Offenbar war die Angst zu groß, dass das Schiff auf Grund laufen könnte. Es wurde schließlich in der Hustadvika-Bucht zwischen Ålesund und Trondheim festgemacht. Rettungsteams machten sich mit Booten und Hubschraubern auf, um bei der Evakuierung zu helfen.

Das Norwegische Rettungszentrum meldete am Sonntag, drei von vier Motoren seien wieder funktionstüchtig. Während das Schiff für das Abschleppen vorbereitet wurde, ging die Rettungsaktion am Morgen kontinuierlich weiter, sagte Per Fjeld. Die Hubschrauber stellten die Rettung aber ein, als zwei Schlepper beginnen sollten, die „Viking Sky“ in den nahe gelegenen Hafen von Molde zu ziehen.

Nach den ersten dramatischen Stunden der Rettung sei die Atmosphäre an Bord ruhiger geworden, schrieb die Passagierin Alexus Sheppard an die Nachrichtenagentur AP. Verletzte und Menschen mit Behinderung seien zuerst von Bord geholt worden. „Am Anfang war es sehr unheimlich. Beim ersten Alarm wurde es plötzlich sehr real.“

„Es war Chaos pur“, sagte der Amerikaner John Curry dem Rundfunksender NRK. „Wie der Hubschrauber vom Schiff an Land geflogen ist, daran möchte ich lieber nicht denken. Das war nicht schön.“ Die Passagierin Janet Jacob sagte, so etwas Angsteinflößendes sei ihr noch nie passiert. Als sie mit dem Hubschrauber an Land gebracht worden sei, habe es „wie bei einem Tornado“ gewindet. Sie habe für die Sicherheit aller an Bord gebetet, so Jacob.

Die Havarie stellt die Retter nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) vor außergewöhnliche Herausforderungen. „Das ist sicherlich ein besonderer Fall, wie man ihn nur ganz schwer üben kann“, sagte DGzRS-Sprecher Christian Stipeldey am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur mit Blick auf das schlechte Wetter und die große Zahl der Passagiere an Bord der „Viking Sky“.

„Es ist immer sehr schwierig, viele Menschen gleichzeitig von einem Schiff holen zu müssen, erst recht, wenn das Wetter schlecht ist.“ Die einzige Möglichkeit in solchen Fällen sei dann oft die Bergung per Hubschrauber. „Doch ein Hubschrauber hat Einschränkungen: Er kann nur viel geringere Zeit vor Ort sein als ein Schiff, er muss häufiger tanken und braucht relativ viel Zeit, um mit einer Winde Menschen aufzunehmen. Dazu kommt die geringe Transportkapazität“, sagte Stipeldey.

Es gebe bei dieser Wetterlage aber keine Alternative. An Schlauchboote sei nicht zu denken. „Selbst ein Tochterboot auszusetzen, ist für einen Seenotkreuzer sehr schwierig. Aber wir sprechen hier über enorme Wellen und Windgeschwindigkeiten.“

Gemessen an der Zahl der Betroffenen habe es im Jahr 2010 einen ähnlichen Einsatz vor der deutschen Küste gegeben, sagte Stipeldey. Damals war die Fähre „Lisco Gloria“ nach einer Explosion nördlich von Fehmarn in Brand geraten. Fast zwei Wochen lang trieb die Ostseefähre brennend vor der dänischen Insel Langeland. Alle 236 Menschen an Bord konnten damals gerettet werden. „Das war sicherlich ein ganz anderer Fall, zumindest von der Dimension her geht das aber in die Richtung wie jetzt in Norwegen“, sagte Stipeldey.

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