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„Merzario ging durchs Feuer“: Dieser Mann rettete Niki Lauda 1976 das Leben

Berliner Zeitung-Logo Berliner Zeitung 21.05.2019 Jochen Arntz

Es ist der Frühling des Jahres 2012. Niki Lauda sitzt in seinem sehr aufgeräumten Büro am Wiener Flughafen. Arturo Merzario, der alte Italiener aus der Formel 1 der Siebzigerjahre, sitzt am Ufer des Comer Sees vor einer Bar. Mit dem einen konnte man sich dort verabreden, mit dem anderen da. Zusammen ging es nicht.

Nach einem Zusammenstoß auf dem Nürburgring 1976 brennt der Ferrari von Niki Lauda © picture alliance/dpa Nach einem Zusammenstoß auf dem Nürburgring 1976 brennt der Ferrari von Niki Lauda

Zwei alte Männer, die über ein Leben reden. Über Niki Laudas Leben. Über ein Leben, das ohne Arturo Merzario schon am 1. August 1976 ausgelöscht worden wäre. 

Merzario ging damals durchs Feuer, er zog Lauda aus dem brennenden Ferrari auf dem Nürburgring. Sie mochten sich nicht allzu sehr vor diesem Tag, das wusste man. Sie kamen auch später kaum zusammen, obwohl der eine oder den anderen nicht mehr hätte sein können. Das ist eine ungewöhnliche Geschichte, ihre Geschichte.

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„Wie geht es ihm?“, fragt Lauda. Und meint Merzario. Dann sagt Lauda an diesem Frühlingstag in Wien, dass er Merzario, seinen Retter, einst tatsächlich vergessen hat. Weil er mit dem Überleben beschäftigt war. Nach dem Feuer. Als er in Monza mit blutenden Verbänden am Kopf wieder im Auto saß, hat er Merzario im Fahrerlager nicht einmal angesprochen, nicht gedankt. Nach all dem, was war. 

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In Wien, im Frühling 2012, so viele Jahre später, versucht er, es zu erklären. Klug, offen und völlig ungeschützt. Es sind Sätze aus einer anderen Welt. „Formel 1 zu fahren, war ein Einzelkämpfertum damals. Man musste sich mit dem extremen Risiko auseinandersetzen. Wenn ich aber so ein Risiko eingehen will, muss ich jede professionelle Störung, zum Beispiel, mich zu vermenschlichen, ich sage es ganz hart so, mich zu vermenschlichen, genau das musste man verhindern.“

Arturo Merzario hat in diesem Frühling am Comer See gesagt, dass er das sogar verstanden hat. „Wissen Sie, wir sind keine Freunde, Lauda und ich. Aber wir sind Freunde.“ Irgendwie. Auf diesen Spruch brachte er das Ganze, für ihn passte es zusammen. So konnte er damit leben, ein Lebensretter zu sein, den lange Zeit niemand feierte.

Irgendwann fand Lauda seine Sprache über den August 1976 wieder. Manchmal telefonierte er mit seinem Retter. Und er schrieb in seiner Biografie. „Merzario ging wie ein Gott durchs Feuer“. Auf jeden Fall hat Gott selten einen so schnellen Helfer gehabt, wie diesen Arturo Merzario auf dem Nürburgring.

Niki Lauda: „Merzario ging wie ein Gott durchs Feuer“

Und Lauda? Er nahm das Geschenk des Lebens an, das Merzario ihm schenkte. Auf seine Art. Mit der Sturheit des Davongekommenen. „Ich habe nichts mehr aus der alten Zeit, alles ist weg, auch die Pokale. Ich lebe heute, und ich denke an morgen, immer schon.“ Nur so hat Lauda sein zweites Leben nach dem August 1976 so lange leben können. Und auch das hat Arturo Merzario verstanden, von Anfang an.  

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