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Albtraum nach dem Start

SZ.de-Logo SZ.de vor 3 Tagen SZ.de/hgn
Eine Boeing 737 Max 8 der Fluggesellschaft Lion Air. © Willy Kurniawan/Reuters Eine Boeing 737 Max 8 der Fluggesellschaft Lion Air.

• Nach und nach wird deutlich, warum sich die US-Luftfahrtbehörde FAA den Flugverboten für die B737 Max 8 und 9 in anderen Ländern anschloss.

• Mittlerweile zeigt sich auch, dass das Training der Piloten für die Max-Version der 737 bei einigen Fluggesellschaften sehr kurz war.

Der Pilot der in Äthiopien abgestürzten Boeing 737 Max 8 hat schon kurz nach dem Start um Erlaubnis zur Rückkehr gebeten. Seine Stimme habe panisch geklungen, berichtete die New York Times unter Berufung auf eine Person, die die Kommunikation zwischen der Ethiopian-Airlines-Maschine und der Bodenkontrolle überprüft habe.

Der Flughafentower habe zudem registriert, dass sich die Boeing ungewöhnlich bewegte und zugleich ungewöhnlich schnell flog. Minuten später krachte sie nahe der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba auf den Boden. Alle 157 Insassen starben.

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Der Flugverlauf, in den Grafiken dargestellt anhand der Steig-Sinkgeschwindigkeiten in den ersten Minuten nach dem Start, ähnelt jenem der baugleichen Boeing 737 Max 8, die im Oktober vergangenen Jahres in Indonesien abstürzte. Darauf hatte jüngst bereits die US-Luftfahrtbehörde FAA hingewiesen, die von "einigen Ähnlichkeiten" sprach.

Doch nicht nur diese, sondern auch ein von der FAA nicht näher spezifiziertes Beweisstück bei der Absturzstelle sollen der Anlass für das Flugverbot für die Boeing Max 8 und 9 sein, dem sich die FAA nach ungewohnt langem Zögern anschloss, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Dabei soll es sich um ein Wrackteil handeln - eine schraubenähnliche Vorrichtung, mit der sich die Flugzeugnase nach oben oder unten steuern ließ, heißt es bei Bloomberg unter Berufung auf eine Person, die an einer ersten Untersuchung beteiligt war. Dieses Bauteil war angeblich so eingestellt, dass es die Flugzeugnase nach unten drückte.

Training auf dem iPad

Auch zeigt sich nun, dass es nach dem Absturz in Indonesien wohl noch kein Update für die Software gab, die zumindest bei dem Absturz im Oktober 2018 eine Rolle gespielt haben soll. In einem weiteren Bericht beschreibt jedenfalls die New York Times, dass Fluggesellschaften noch immer auf ein Software-Update für die Boeing 737 Max-Flugzeuge warteten, das Boeing bereits zum Jahresende 2018 versprochen habe. Jetzt heiße es bei US-Behörden, dass das Update für das sogenannte Maneuvering Characteristics Augmentation System (MCAS) Ende April zu Verfügung stehen könnte. Dieses System greift bei besonderen Fluglagen wohl auch dann in die Steuerung ein, wenn der Autopilot nicht angeschaltet ist. Ob das MCAS bei dem Absturz der Boeing in Äthiopien eine Rolle spielte, ist ungeklärt.

Dennoch wird es Angaben der New York Times zufolge demnächst auch um die Frage gehen, warum die FAA im Rahmen der Zertifizierung dieser Maschine nicht auf intensivere Trainings für die Piloten drängte. Einigen Piloten war offenbar nicht klar, wie bestimmte Funktionen des MCAS arbeiteten und wie das System deaktiviert werden konnte.

Das Blatt beschreibt, dass bei American Airlines die Piloten für die Boeing 737 Max lediglich ein Dutzend Papiere sowie ein 56-minütiges Training auf dem iPad erhalten hätten. Das habe gereicht, um sich als Pilot für diese Maschine zu qualifizieren. Bei der Fluglinie Southwest habe es ein Lernmodul auf dem iPad gegeben, das aus "nicht einmal dreistündigen Videopräsentationen bestand". Beide Fluglinien wollen nun bis Jahresende Flugsimulatoren installieren, die auch die Systeme der 737 Max beinhalten. American Airlines hatte den Simulator offenbar nach dem Lion-Air-Crash bestellt.

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