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Angst vor Comeback in Deutschland: Die Wahrheit über das Märchen vom bösen Wolf

EXPRESS-Logo EXPRESS 16.03.2019 Maternus Hilger
Einst bei uns ausgerottet, siedeln sich seit 2000 wieder vermehrt Wölfe in Deutschland an. © picture alliance/dpa Einst bei uns ausgerottet, siedeln sich seit 2000 wieder vermehrt Wölfe in Deutschland an.

Kaum ist der Wolf wieder heimisch in unseren Wäldern geworden, muss er erneut um sein Leben fürchten. Wurde sein Comeback rund 150 Jahre nach seiner Ausrottung im Jahr 2000 noch begeistert gefeiert, so mehren sich jetzt die Stimmen, die das streng geschützte Tier immer dann zum Abschuss freigeben wollen, wenn es zum „Problem“ wird.

Für die einen ist er noch immer der „Bösewicht“ aus Märchen wie „Rotkäppchen“ oder „Der Wolf und die sieben Geißlein“, für andere wie Bauern, Schafzüchter oder Jäger ist er eine Plage, die das Vieh auf ihren Weiden oder Koppeln dezimiert.

Und nicht zu vergessen die besorgten Tourismusmanager, die um ihre Gäste fürchten, wenn in ihrer Gegend mal ein Wolf gesichtet wurde.

Keine Gefahr für Menschen

Panikmache hat Konjunktur – und dabei ist die Wahrscheinlichkeit, einem Exemplar dieser scheuen Tiere zu begegnen, äußerst gering. Menschen gehören ohnehin nicht zum Beuteschema.

Laut „Wolfsmonitoring“ leben bei uns inzwischen 73 bestätigte Wolfsrudel, 31 Paare sowie drei sesshafte Einzeltiere.

Auch in NRW wurden die Raubtiere schon gesichtet. Durchaus ein Gewinn angesichts des weltweit dramatischen Artensterbens. So sehen es auch 78 Prozent der Deutschen in einer Umfrage für den Naturschutzbund Nabu.

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Schafe und Ziegen sind leichte Beute

Was ist das Problem mit den Wölfen? In der Regel jagen sie Rehe, Wildschweine oder Rothirsche – aber sie verschmähen auch Schafe und Ziegen nicht, wenn sie eine leichte Beute sind. In den bekannten Fällen sind die Verluste natürlich bitter für die betroffenen Besitzer.

Aber rechtfertigt das den hysterischen Aktionismus, mit dem es jetzt dem Wolf ans Fell gehen soll? Bislang gab es nur ganz wenige behördliche Abschussgenehmigungen für auffällig gewordene Wölfe.

Hinzu kamen aber etliche illegale Abschüsse – allein 2018 waren es acht – durch Leute, die sich einen Dreck um Gesetze scheren.

Erneute Ausrottung in heimischen Wäldern?

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Was droht den Wölfen? Die Abschussquote (auch die legale) könnte noch steigen. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) will mit einer „Lex Wolf“ die Tötung von Wölfen erleichtern: „Wenn Wölfe mehrfach Schutzzäune überwinden oder Menschen zu nahe kommen, muss man sie auch abschießen dürfen.“

Auch Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat den Wolf im Visier – und das nicht erst, wenn er zum „Problem geworden ist“.

„Den Wolfsbestand und die Größe der Rudel müssen wir, unabhängig davon, ob eine konkrete Gefahr besteht, präventiv kontrollieren können – europarechtskonform und rechtssicher für die Jäger.“

Noch weiter gehen Jäger mit der Forderung nach Ausschlussgebieten – also wolfsfreien Zonen – oder Bauern mit Obergrenzen für Wölfe. Das heißt: Wenn die Population zu groß wird, schreitet man zur „Entnahme“, wie der Abschuss im bürokratischen Fachjargon genannt wird.

Nutztier-Herden besser schützen

Gibt es Alternativen? Ein stressfreies Miteinander von Wolf, Mensch und Nutztieren ist durchaus möglich.

So sieht es auch NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller: „Eine Entnahme ist nach wie vor eine Einzelfallentscheidung. Daher muss es darum gehen, konsequent in den Herdenschutz zu investieren. Vorbeugende Herdenschutzmaßnahmen, wie etwa spezielle Schutzhunde oder Zäune können zu 100 Prozent gefördert werden.“

Nicht nur der Wolf hat eine Chance verdient: Wenn man die Dinge aber laufen lässt, könnte es dem Wolf eines Tages so ergehen wie Elefanten oder Tigern, deren Zahl rapide schrumpft.

„Wir sind dabei, die Festplatte unserer Natur zu löschen“, warnte bereits vor Jahren der frühere NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne). Er hat leider recht behalten.

Wenn immer mehr tierische und pflanzliche Arten durch Eingriffe in die Natur, Profitgier oder Wilderei verschwinden, werden ganze Ökosysteme erodieren – mit katastrophalen Folgen für uns Menschen. Das belegen viele seriöse Forschungen.

Deshalb sollte man die Chance nicht leichtfertig vertun, die sich mit der Rückkehr der Wölfe, aber auch der Luchse oder Seeadler für die Erhaltung der Artenvielfalt bieten.

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