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Arbeitsschutz in NRW: 70 Prozent der Baustellen sind nicht sicher

Kölner Stadt-Anzeiger-Logo Kölner Stadt-Anzeiger vor 5 Tagen ksta
Sicherheitsmängel auf Baustellen1: Im Juni 2017 kippt ein tonnenschwerer Autokran am Bonner Hauptbahnhof um. Verletzt wird dabei zum Glück niemand. © dpa Im Juni 2017 kippt ein tonnenschwerer Autokran am Bonner Hauptbahnhof um. Verletzt wird dabei zum Glück niemand.

Die staatlichen Arbeitsschützer kamen stets ohne Vorwarnung. Mehr als 400 Baustellen haben sie innerhalb von sechs Wochen in Nordrhein-Westfalen überprüft. Diesmal ging es wie 2016 nicht um Schwarzarbeit, sondern um die Sicherheit der Arbeiter. Das Ergebnis gleicht einem Desaster. 70 Prozent weisen zum Teil erhebliche Sicherheitsmängel auf.

Was die Lage noch verschlimmert: Die Kontrolleure haben sich auf den Hochbau, Dach- und Fassadensanierung konzentriert. Dort ist das Risiko besonders hoch, abzustürzen und dabei schwere Verletzungen zu erleiden oder gar getötet zu werden.

Zahl der Todesopfer stieg bundesweit auf 88

Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft kann das mit Zahlen belegen. Im vergangenen Jahr erlitten bundesweit rund 53 von 1000 Bauarbeitern einen Arbeitsunfall. Das sind zwar rund drei Prozent weniger als noch 2016.

Sorgen bereitet jedoch die gestiegene Zahl der Todesopfer von 73 auf 88. Sie könnte sich noch leicht erhöhen, weil noch nicht alle Unfälle des Jahres 2017 in versicherungstechnischer Hinsicht abgearbeitet sind.

Arbeitsunfälle müssen der Berufsgenossenschaft immer dann gemeldet werden, wenn der Betroffene länger als drei Tage krankgeschrieben werden muss. Die Mängelliste der Arbeitsschützer vor allem bei Gerüsten ist lang: In zwei Dritteln der Fälle fehlte Seitenschutz, ein Drittel war nicht richtig verankert, bei der Hälfte war der Abstand zur Wand zu groß.

In Rohbauten fehlten Absturzsicherungen an Wand- und Bodenöffnungen oder Treppen. Baugruben und Übergänge zu anderen Gebäudeteilen wurden in 40 Prozent aller Fälle beanstandet. Die Kontrolleure mussten auch immer wieder Mängel an Auffangeinrichtungen beanstanden. Sie dienen dazu, dass Baumaterialien nicht herabfallen und Menschen verletzen können.

16 Prozent aller Verstöße waren so eklatant, dass Bußgeldverfahren eingeleitet werden mussten. Sie sind mit Strafen bis zu 5000 Euro belegt. Die Arbeitsschützer haben sich bewusst auf Baustellen mit einer hohen Absturzgefahr konzentriert, weil es dort überdurchschnittlich oft zu schweren oder gar tödlichen Verletzungen kommt.

Sicherheitsmängel auf Baustellen2 © Britta Berg Sicherheitsmängel auf Baustellen2

Wie Ende Mai 2017, als bei Arbeiten an der Talbrücke Lambertsmühle ein 54-jähriger Mitarbeiter einer Fachfirma für Brückengerüstbau auf der A 1 bei Burscheid 15 Meter in die Tiefe stürzte, weil sich ein Teil des Baugerüsts gelöst hatte.

Insgesamt 13.000 Betriebe überprüft die NRW-Arbeitsschutzverwaltung auf Baustellen pro Jahr. Dabei geht es aber nicht nur um die Sicherheit. NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann sieht eine Ursache für die schwerwiegenden Mängel im Bauboom, der NRW erfasst hat.

„Angesichts des hohen Zeitdrucks muss der Schutz von Gesundheit und Leben der Beschäftigten auf den Baustellen oberste Priorität haben.“ Leider komme es „in bestimmten Branchen immer wieder zu schweren Unfällen“.

Mangelnde Planung eine Ursache

Experten bezweifeln, dass die immer noch zu hohen Unfallzahlen allein auf den Bauboom zurückführen sind. „Es mag sein, dass der ein oder andere Gerüstbauer jetzt auch älteres Material einsetzen muss, das jahrelang nicht gebraucht wurde“, sagt Stephan Gabriel, Sicherheits-Experte der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. „Mit Zahlen belegen können wir das aber nicht.“

Für die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft sind andere Ursachen wichtiger. Viele Arbeitsschutzdefizite auf Deutschlands Baustellen seien auf die unzureichende Planung seitens der Bauherrn zurückzuführen, sagt Bernhard Arenz, der sich seit Jahren um die Unfallvermeidung kümmert. Obwohl es gesetzlich vorgeschrieben sei, bleibe „der Arbeitsschutz in der Planungsphase sehr häufig außen vor“.

Die Berufsgenossenschaft habe sich deshalb dazu entschieden, bei der Einleitung von Bußgeldverfahren gegen Unternehmen deutlich rigoroser vorzugehen. 2016 habe man 764 Verfahren eingeleitet. 2017 werde diese Zahl noch deutlich höher liegen.

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