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ARD-Doku "Europas dreckige Ernte": Warum Sie kein Obst und Gemüse aus Spanien und Italien kaufen sollten

stern-Logo stern 12.07.2018 Denise Snieguole Wachter
Supermarkt: Wissen Sie eigentlich, woher Ihre Tomate kommt? © Getty Images Wissen Sie eigentlich, woher Ihre Tomate kommt?

Wer unbedacht Obst und Gemüse im Supermarkt kauft, unterstützt katastrophale Arbeitsbedingungen im Ausland. Wieso es enormes Gewicht hat, woher die Tomate kommt, die auf Ihrem Teller landet.

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Ein Meer aus Plastik: Ganze Landstriche verstecken sich unter weißen Planen, unter denen Gemüse und Obst angebaut wird. Rund um Almeria, im Süden Spaniens, kennt man kein anderes Bild. Gleich neben den Gewächshäusern aus noch viel älteren Plastikplanen wurden notdürftig Chabolas, also Slums, hergerichtet. Hütten aus Müll. In diesen Slums leben die Arbeiter der Gemüseplantagen, sie können sich keine Wohnung leisten, fließend Wasser gibt es hier auch nicht. Die ARD dokumentiert die katastrophalen Lebens- und Arbeitsbedingungen der Erntehelfer. Derjenigen, die Gemüse und Obst anbauen, das auch bei uns auf den Tellern landet.

Wie die Dokumentation "Europas dreckige Ernte" aufdeckt, landet dieses Obst und Gemüse, das unter menschenunwürdigen Bedingungen angebaut wird, auch bei uns. Für spanische Genossenschaften wie Agroiris, unter der 400 Bauern zusammengeschlossen sind, ist Deutschland der wichtigste Markt in Europa. Sie beliefern Edeka, Rewe, Kaufland und Lidl. Dort sind die Auslagen mit Obst und Gemüse prall gefüllt, das ganze Jahr über. Ordentlich verpackt glänzen die Tomaten an den Rispen, die Nektarinen in den Körben und die Kartoffeln in den Säcken. Dem Verbraucher ist es meist egal, dass die Lebensmittel aus dem europäischen Ausland kommen, wie eine Umfrage der ARD zeigt.

Billige Ware: Zu welchem Preis? 

Auffällig ist, dass die Produkte aus Spanien besonders günstig sind. Vor allem aus der Region Almeria. Wie kann dort so viel und so billig produziert werden?

Die ARD-Dokumentation zeigt, wie die Erntehelfer im Süden Spaniens Arbeit finden. Morgens versammeln sich die Arbeiter an der Straße, auf der Suche nach einem Tagelohn. Es ist ein sogenannter Arbeiterstrich. Hier bieten sich junge Männer für die Jobs in den Gewächshäusern an. Es sind alles Flüchtlinge. Viele kommen aus Afrika. Sie werden misshandelt, sie werden untertariflich bezahlt. Wehren können sich die Arbeiter nicht, viele von ihnen haben keine Papiere und sind illegal im Land. 

Aber wo fängt das Problem an? Die Bauern erhalten für ihre Ernten Dumpingpreise, für ein Vielfaches wird deren Ernte in den Supermärkten weiterverkauft. Vor allem die deutschen Supermarktketten seien die größten Preisdrücker, heißt es in der Dokumentation. Verantwortung für die Ausbeutung der Arbeiter will niemand übernehmen. Die Politiker und die Genossenschaften wollen nicht einmal von den prekären Arbeitsbedingungen in Spanien wissen. Die Bilder der armen Arbeiter existieren trotzdem.

Besser regional einkaufen 

Auch in Italien geht es den Arbeitern nicht besser. Die Anbaugebiete sind riesig, die Arbeits- und Lebensbedingungen auch hier grenzwertig. Sie haben Beschwerden von der Arbeit, die sie auf den Feldern verrichten müssen: Schäden an der Wirbelsäule, Bandscheibenvorfälle, aber auch psychische Probleme. Das liegt auch daran, wie sie leben. In illegalen Zeltstädten. Auch hier das gleiche Bild wie in Spanien. Plastikbaracke an Plastikbaracke. In Italien kommen noch mafiöse Strukturen hinzu. Beispielsweise verdient die italienische Mafia an Obstkisten und Verpackungen und zweigt EU-Subventionen über Strohmänner ab, wie die ARD herausgefunden hat.

Die Situation ist schwierig: Wer Obst und Gemüse hierzulande aus dem europäischen Ausland einkauft, kann sich nicht sicher sein, wie dieses produziert wurde. Auskünfte über Arbeitsbedingungen finden sich nicht auf dem Etikett der Tomaten in der Auslage. Wurden die etwa von Erntehelfern gepflückt, die auf den Arbeitsstrich gehen mussten? Von Arbeitern, die unter prekären Bedingungen in Slums leben? Möchte man dies umgehen, sollte man sein Gemüse und Obst regional einkaufen. Vom Bauern aus dem Umland. Den kann man im Zweifel auch besuchen, um sich die Bedingungen der Arbeiter anzusehen.

Sehen Sie hier die ganze ARD-Dokumentation "Europas dreckige Ernte" in der Mediathek!

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