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Arzt wegen sexuellen Missbrauchs von 21 Jungen vor Gericht

dpa-Logodpa 12.11.2018 dpa
Der Bundesgerichtshof hatte das Urteil des Landgerichts Augsburg aufgehoben. © Foto: Karl-Josef Hildenbrand Der Bundesgerichtshof hatte das Urteil des Landgerichts Augsburg aufgehoben.

Er hatte sich seit den 1990er Jahren reihenweise an kleinen Kindern sexuell vergangen. Für den Missbrauch von rund 20 Jungen wurde der Kinderarzt im März 2016 in Augsburg zu einer dreizehneinhalbjährigen Gefängnisstrafe, Sicherungsverwahrung und lebenslangem Berufsverbot verurteilt.

Dem Bundesgerichtshof (BGH) erschien dies zu hart. Die Karlsruher Richter meinten, dass der Angeklagte zumindest bei einem Teil der Taten wegen seiner Pädophilie vermindert schuldfähig gewesen sein und dann eine mildere Strafe bekommen könnte. Deswegen muss sich nun seit Montag eine andere Kammer des Augsburger Landgerichtes erneut mit dem Fall befassen.

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Das verfluchte Tal

Zu Beginn des Verfahrens wurden zunächst stundenlang die bisherigen Gerichtsbeschlüsse verlesen. Der 43 Jahre alte Kinderarzt sagte am ersten Verhandlungstag nicht aus, er hatte bereits im ersten Verfahren ein umfangreiches Geständnis abgelegt und den missbrauchten Kindern so eine Aussage vor Gericht erspart. Allerdings hatte er seine Taten mitunter auch mit Kameras aufgenommen und so selbst der Kripo belastende Beweismittel geliefert.

Die Verteidiger nutzen den ersten Verhandlungstag, um einen Befangenheitsantrag gegen den forensischen Psychiater zu stellen, der bereits am ersten Prozess beteiligt war. Die Richter haben über den Antrag noch nicht entschieden. Für das neue Verfahren hat die Kammer allerdings auch einen zweiten Sachverständigen bestellt und damit eine Forderung des BGH umgesetzt. Es sind nun 18 weitere Verhandlungstage geplant, das Urteil wird voraussichtlich am 29. Januar 2019 verkündet.

Der Mediziner hatte immer wieder in Augsburg und München Kinder auf der Straße oder einem Spielplatz angesprochen, ihnen Spielzeug versprochen und sie dann in nahe Gebäude geführt. In den Kellern oder Tiefgaragen kam es dann zum Missbrauch. Der Mann verging sich zudem an den Söhnen von zwei Freundinnen. So hatte er bei Reisen nach Nürnberg und nach Florida die Jungen in Hotelzimmern missbraucht.

Der Klinikarzt nutzte bei seinen Taten auch aus, dass er als Notarzt für das Bayerische Rote Kreuz (BRK) tätig war. Er wandte sich an eine Reihe von Grundschulen und warb für kostenlose Ausflüge für benachteiligte Kinder. Dabei trat er als Mediziner des Augsburger Klinikums oder BRK-Chefarzt auf, beide Einrichtungen wussten davon nichts. Jedenfalls konnte der Arzt so mit mehreren Kindern Fahrten unternehmen und sich an den Schülern vergehen.

Die schwerwiegendste Tat beging der Mann dann im August 2014 im niedersächsischen Garbsen. Dort entführte der Arzt einen Fünfjährigen in seine Wohnung in Hannover, wo der Mann damals an der Medizinischen Hochschule arbeitete. Der Mann zwang das Kind, ein Narkosemittel einzunehmen und verging sich an dem Jungen. Dabei verletzte er den Fünfjährigen auch, nach zwei Stunden setzte der Mann das Kind irgendwo in der niedersächsischen Landeshauptstadt wieder aus.

Klar ist bereits zu Beginn des neuen Verfahrens, dass der Deutsche erneut zu einer Haftstrafe verurteilt wird. Der BGH-Senat schloss ausdrücklich aus, dass der Angeklagte bei Begehung der Taten schuldunfähig war. Entscheidend für die Höhe der Strafe werden deswegen nun die neuen Gutachten über die Psyche des Angeklagten sein. Auch die vor zweieinhalb Jahren vom Augsburger Gericht gegen den Mann verhängte Sicherungsverwahrung und das lebenslange Berufsverbot müssen von der Jugendschutzkammer erneut überprüft werden.

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