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Auf den neuen Scheinen sind auch kyrillische Buchstaben enthalten

WELT-Logo WELT 22.05.2019 Frank Stocker
Die Währungshüter bringen neue 100- und 200-Euro-Scheine in Umlauf. Die neuen Banknoten sollen schwerer zu fälschen sein. Neue 500-Euro-Scheine wird es nicht mehr geben. So soll die Terrorismusfinanzierung und Schwarzarbeit eingedämmt werden. © WELT/ Thomas Laeber Die Währungshüter bringen neue 100- und 200-Euro-Scheine in Umlauf. Die neuen Banknoten sollen schwerer zu fälschen sein. Neue 500-Euro-Scheine wird es nicht mehr geben. So soll die Terrorismusfinanzierung und Schwarzarbeit eingedämmt werden.

Es ist der Schlusspunkt bei einem Projekt, das fast genau sechs Jahre andauerte. Am 2. Mai 2013 war der erste Schein der neuen Euro-Banknoten-Serie, der sogenannten Europa-Serie, in Umlauf gebracht worden. Das war damals der Fünfer. Nun, am 28. Mai, werden mit den Banknoten zu 100 und 200 Euro die letzten Exemplare ausgetauscht. Auch sie erhalten ein neues Design und vor allem neue Sicherheitsmerkmale.

Darunter sind auch zwei Merkmale, die bisher noch nirgends eingesetzt wurden und an die sich die Bürger erst mal gewöhnen müssen – sofern sie diese Scheine überhaupt zu Gesicht bekommen. Das jedoch kann künftig durchaus häufiger passieren. Denn zumindest vom Zweihunderter werden nun wesentlich mehr Scheine in Umlauf gebracht als bisher. Das hängt mit dem Ende des 500-Euro-Scheins zusammen.

Die neuen Geldscheine (l.) kommen am 28. Mai © REUTERS Die neuen Geldscheine (l.) kommen am 28. Mai

Die offensichtlichsten Neuerungen, die jeder sofort mit bloßem Auge erkennt, bestehen im Design. So sind die Farben etwas kräftiger, wie auch schon bei den anderen Exemplaren der neuen Serie. Zudem erscheinen die Darstellungen – Brücken und Fenster – nun dreidimensional.

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Diese architektonischen Elemente sind allerdings in Wirklichkeit nirgendwo in Europa zu finden, es gibt dafür keine realen Vorbilder. Sie sollen vielmehr lediglich die diversen europäischen Architekturepochen symbolisch abbilden. Beim 100-Euro-Schein sind das Barock und Rokoko, der 200er zeigt die Glas- und Eisenarchitektur des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts.

Quelle: Infografik WELT © Infografik WELT Quelle: Infografik WELT

Wer einen alten und einen neuen Schein nebeneinanderlegt, wird zudem feststellen, dass die neuen Exemplare etwas kleiner sind. Denn die Höhe wurde verringert, sie entspricht nun der des 50-Euro-Scheins. „Die Geldbeutel werden immer kleiner“, nannte Johannes Beermann, Vorstandsmitglied der Bundesbank, bei der Präsentation der Scheine am Dienstag in Frankfurt als Grund. Hunderter oder Zweihunderter ragten bei Verbrauchern häufig aus dem Portemonnaie heraus. Die Breite der Scheine allerdings bleibt wie bisher.

Die neuen Geldscheine (l.) kommen am 28. Mai: © REUTERS Die neuen Geldscheine (l.) kommen am 28. Mai:

Winzige Veränderungen gibt es – wie schon bei den anderen Noten der neuen Serie – auf der Europa-Karte, die auf den Scheinen abgebildet ist. Dort sind nun auch die Inseln Malta und Zypern zu sehen – beide Länder waren bei Einführung des Euro noch nicht Mitglied der EU und wurden daher damals auch nicht abgebildet.

Aus einem ähnlichen Grund ist die Währungsbezeichnung „Euro“ nun auch in kyrillischen Buchstaben enthalten, neben den lateinischen und griechischen Lettern – obwohl Bulgarien, das diese Schrift nutzt, bisher noch nicht Mitglied der Euro-Zone ist. Das Land gehört aber seit 2007 der EU an, und allein dies ist ausschlaggebend dafür, ob ein Land auf den Scheinen repräsentiert ist.

Dieses Prinzip findet auch bei den Abkürzungen für die Europäische Zentralbank Anwendung, die am linken Rand auf der Vorderseite aufgedruckt sind. Fünf Versionen davon gab es auf den alten Scheinen, nun sind es zehn. Damit sind nun auch alle Sprachen jener EU-Mitglieder vertreten, die erst nach Einführung des Euro beigetreten sind.

Viel wichtiger als diese äußerlichen Veränderungen sind aber die neuen Sicherheitsmerkmale. Denn der eigentliche Zweck für die Einführung der neuen Serie ist, dass Fälschern damit das Handwerk erschwert werden soll. Und das ist gerade bei den neuen Exemplaren zu 100 und 200 Euro wichtig.

Denn von den rund 22,5 Milliarden Euro-Scheinen entfallen zwar nur 2,8 Milliarden Stück auf den Hunderter und sogar nur 269 Millionen Stück auf den Zweihunderter. Doch ihr Gesamtwert beträgt zusammen 338 Milliarden Euro und damit fast ein Viertel des Wertes aller umlaufenden Euro-Banknoten. Daher enthalten die beiden neuen Scheine auch Sicherheitsmerkmale, die es bislang bei keiner anderen Banknote gab.

Eines davon ist in der smaragdgrünen Wertzahl enthalten, die künftig auf der Vorderseite der Scheine zu sehen ist. Wie schon bei den anderen Exemplaren der neuen Serie verändert sich deren Farbe, sobald man den Schein kippt. Zudem wandert dann ein Lichtbalken auf und ab. Das Besondere an den neuen 100- und 200-Euro-Scheinen ist jedoch, dass hier nun innerhalb der Smaragdzahl zusätzlich auch noch Euro-Symbole erscheinen. Nur wenn diese zu sehen sind, ist der Schein echt.

Das gilt auch für den aufgedruckten Silberstreifen. Dort ist die Wertzahl des jeweiligen Scheines zu sehen, und zusätzlich kreisen um diese nun – wie Satelliten – zwei Euro-Symbole, sobald der Nutzer den Schein kippt. Auch dies gab es bisher noch nirgends.

Zudem ist in diesem Folienstreifen auch das Porträtfenster zu finden, das schon beim 20er und 50er eingesetzt wird. Wird der Schein gegen das Licht gehalten, wird die Stelle durchsichtig, und darin erscheint als Hologramm das Porträt der mythischen Gestalt der Europa. Von ihr hat die Schein-Serie ihren Namen „Europa-Serie“.

Um die Überprüfung auf Echtheit auch bei schlechten Lichtbedingungen zu erleichtern und sie Menschen mit Sehbehinderungen zu ermöglichen, gibt es am linken und rechten Rand der Vorderseite Riffelungen. Zudem kann beim Hauptmotiv, bei der Schrift und der großen Wertzahl ein Relief ertastet werden.

Für die Überprüfung durch Automaten verfügen die Scheine über Sicherheitsmerkmale, die nur bei UV- oder Infrarotlicht zu erkennen sind. Und schließlich wurden auch noch einige geheime Sicherheitsmerkmale eingebaut. Diese kennen nur die Notenbanken selbst. Sollte es irgendwann einem Fälscher wirklich gelingen, alle anderen Merkmale nachzumachen, dann könnte hierüber am Ende dennoch gezeigt werden, dass es sich um eine Blüte handelt.

Was mit den neuen Scheinen endgültig verschwindet, ist die Möglichkeit, anhand der Seriennummer festzustellen, in welchem Land die Banknoten gedruckt wurden. Dies war zeitweise ein öffentlich diskutiertes Thema, als Griechenland kurz vor einem Austritt aus der Euro-Zone stand. Manche vermuteten dann, dass in der Folge die dort gedruckten Scheine ihre Gültigkeit verlören oder als neue griechische Währung genutzt würden. Die Scheine der Europa-Serie enthalten zwar weiterhin eine Seriennummer. Die Buchstaben an deren Anfang verweisen jedoch nur noch auf die Druckerei, in der sie hergestellt wurden, und diese Druckereien arbeiten meist für diverse Euro-Notenbanken.

Ebenfalls verschwindet derzeit bereits der 500-Euro-Schein. Denn von diesem wurde keine neue Version entwickelt. Er wird seit Ende April zudem nicht mehr neu produziert, Exemplare, die an die Notenbanken zurückgegeben werden, ziehen diese ein und vernichten sie. „Seit Ende der Ausgabe des Scheins hat sich die Zahl der ausgegebenen 200-Euro-Banknoten jedoch mehr als vervierfacht“, sagt Bundesbank-Vorstand Beermann. Daher wurden für die Erstausgabe am 28. Mai nun rund 700 Millionen Zweihunderter gedruckt, das ist mehr als zweieinhalb Mal so viel, wie es bisher von diesen Scheinen gab.

Ihre Gültigkeit behalten die alten Scheine übrigens weiterhin, das gilt sowohl für den 500er als auch die alten Varianten der übrigen Stückelungen. Und das wird sogar gelten, wenn irgendwann eine dritte Serie von Euro-Banknoten in Umlauf gebracht werden wird. „Wir denken bereits darüber nach“, sagte Beermann. Wann sie konkret angegangen wird, hängt auch davon ab, wie schnell und gewieft die Fälscher sind, um sich auf die neuen Sicherheitsmerkmale einzustellen.

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