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Boeing 737 Max 8: Mängel an eigens entwickelter Steuerungssoftware könnten Boeing-Absturz verursacht haben

Handelsblatt-Logo Handelsblatt 18.03.2019 Schwarz, Dennis
Die Boeing 737 MAX 8 war von Addis Abeba auf dem Weg nach Nairobi, als das Flugzeug abstürzte. © dpa Die Boeing 737 MAX 8 war von Addis Abeba auf dem Weg nach Nairobi, als das Flugzeug abstürzte.

Eine eigens für die Boeing 737 Max 8 entwickelte Steuerungssoftware soll Mängel aufweisen. Genau jene Software, die auch für die beiden Flugzeugabstürze verantwortlich sein soll.

Der Druck auf den Flugzeughersteller Boeing wächst weiter: Eine eigens für die neue Flugzeugreihe 737 Max 8 entwickelte Steuerungssoftware soll erhebliche Mängel aufweisen. Das berichtet die „Seattle Times“ unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Ingenieure. Offenbar handelt es dabei um genau jene Software, die auch für die beiden Flugzeugabstürze verantwortlich sein soll.

In beiden Fällen vermuten Experten, dass das sogenannte MCAS-Überwachungssystem des 737 Max 8 die Nase des Flugzeugs automatisch nach unten steuerte – und die Maschine so zum Absturz brachte. Die äthiopische Verkehrsministerin Dagmawit Moges erklärte am Sonntag, dass die Auswertung der Flugschreiber der in Äthiopien verunglückten Boeing 737 Max 8 mit 157 Menschen an Bord auf „klare Ähnlichkeiten“ mit dem Absturz einer baugleichen Maschine in Indonesien im vergangenen Jahr schließen. Zuvor hatten französische Experten die Daten der sogenannten Blackboxes ausgelesen.

Ein Boeing-Sprecher sagte am Sonntag, das System erfülle alle Zulassungsanforderungen der US-Luftfahrtbehörde FAA. Laut Boeing- und FAA-Ingenieuren habe die FAA aber offenbar einen Großteil der Sicherheitsanalyse des MCAS an den Flugzeughersteller übertragen – und den Ergebnissen des Unternehmens vertraut, ohne diese selbst vor der Zulassung vollständig zu überprüfen.

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Da die Motoren der neuen Flugzeugreihe deutlich größer als bei anderen Flugzeugen sind, müssen diese weiter vorne auf den Tragflächen platziert werden. Deshalb neigt die Nase des Flugzeugs während des Fluges dazu, nach oben zu driften. Eine Eigenschaft, die zu einem Motorenstillstand führen kann. Das MCAS-System wurde dazu entwickelt, mittels Sensor, die Neigung der Flugzeugnase zu erfassen und anschließend den Winkel des Hecks so anzupassen, dass die Nase wieder nach unten in die Ausgangsposition gedrückt wird – und so dem Effekt entgegenzuwirken.

Die Sicherheitsanalyse von Boeing, so die Ingenieure, unterschätzte jedoch die Leistungsfähigkeit dieses Systems. Zu dem Zeitpunkt, als die Flugzeuge in Betrieb genommen wurden, konnte das MCAS-System das Heck mehr als viermal so stark bewegen, als in der ursprünglichen Analyse angegeben. Außerdem konnte bei der Analyse nicht berücksichtigt werden, wie sich das System auf die zusätzliche Reaktion eines Piloten auswirkt, der dem Effekt während eines Fluges möglicherweise selbst entgegenwirken wollte. Beides würde dazu führen, dass der Korrektureffekt des MCAS verstärkt wird – und das Flugzeug automatisch in einen Sinkflug gerät.

Hätte Boeing die Auswirkungen des Systems genau eingeschätzt, wäre ein derartiger Aufbau niemals zulässig gewesen, so die Ingenieure. Andere Luftfahrtbehörden hätten dem Beschluss der FAA aber vertraut und der Max 8 ebenfalls die Zulassung erteilt. Boeing widersprach den Behauptungen der Ingenieure nicht, sagte jedoch, „es gibt einige bedeutende Fehleinschätzungen“.

Die Entwicklung der 737 Max wurde laut der Ingenieure zudem beschleunigt, da Boeing mit dem Airbus A320neo um die Markteinführung wetteiferte. Deshalb habe das Unternehmen unter anderem auch Zeit beim Zulassungsprozedere einsparen müssen, heißt es weiter. Das MCAS-System wurde in keinem Schulungshandbuch von Boeing erwähnt und sollte nur unter extremen Umständen wirksam werden.

Boeing hat nach dem Absturz in Äthiopien zugesichert, die Software des 737 Max zu aktualisieren, um die Wirkung des MCAS-Systems einzugrenzen und die Messung mit mehreren Sensoren zu ermöglichen. Laut der FAA werde Boeing „Monate“ brauchen, um die erforderlichen Software-Updates durchzuführen.

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