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Der Schock zieht durch die Straßen von Paris

WELT-Logo WELT vor 3 Tagen
Die Wucht der Explosion ließ Fenster bersten, zerstörte Autos und den unteren Teil des Bäckerei-Gebäudes © AFP Die Wucht der Explosion ließ Fenster bersten, zerstörte Autos und den unteren Teil des Bäckerei-Gebäudes

Während Paris auf die Proteste der Gelbwesten wartet, knallt es mitten im Zentrum. Die Gasexplosion war vermutlich ein Unglück und kein Anschlag. Zwei Feuerwehrleute und eine Touristin kamen ums Leben, viele Menschen wurden verletzt.

Für Momente schien es in Paris am Samstagmorgen so, als wäre der Terror mit Macht in die Stadt zurückgekehrt. Um 8.37 Uhr schreckte eine enorme Explosion die Bewohner des belebten neunten Arrondissements auf und ließ Touristen minutenlang im Zweifel darüber, was geschehen war.

Die Gasexplosion in einer an diesem Morgen geschlossenen Bäckerei in der Rue de Trévise, zwischen dem berühmten Wachsfigurenmuseum Grévin und dem Montmartre gelegen, entfaltete eine Kraft, die die Scheiben von Wohnhäusern und die Schaufenster von Geschäften in weitem Umkreis zerbersten ließ.

Bereits zuvor hatten Anwohner, alarmiert durch einen deutlich wahrnehmbaren Gasgeruch, die Feuerwehr gerufen. Zwei der Feuerwehrmänner, die deshalb vor Ort im Einsatz waren, wurden von der Explosion erfasst und getötet. Auch eine spanische Touristin kam ums Leben.

Am Samstagnachmittag schwebten zehn Menschen in akuter Lebensgefahr, 37 wurden bei dem Unfall leicht verletzt. Rettungshubschrauber landeten auf dem etwa einen Kilometer Luftlinie entfernten Platz vor der Pariser Oper, um Schwerverletzte in Krankenhäuser zu bringen.

"Einer unserer Kollegen war minutenlang verschüttet", berichtete der Kommandant der Pariser Feuerwehr, Eric Moulin, der Nachrichtenagentur AFP. Die Schockwelle der Explosion habe sich über alle vier angrenzenden Straßen hundert Meter fortgesetzt, so Moulin.

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Wo das Bad war, klafft nur noch ein Loch

Noch mehrere Straßenzüge entfernt wurden Menschen aus dem Schlaf gerissen. Bücher fielen aus den Regalen. Manche Anwohner dachten im ersten Moment an ein Erdbeben. Eine Augenzeugin, die in der benachbarten Rue de Montyon wohnt, erzählte, sie habe den Eindruck gehabt, von der Druckwelle aus ihrem Bett gehoben zu werden.

"Das ganze Gebäude hat kurz gewankt", berichtete die Schauspielerin Valérie Stroh. "Ich bin dann ans Fenster gegangen und habe gesehen, dass auf der gegenüberliegenden Straßenseite viele Scheiben zersprungen waren, Scherben lagen überall auf dem Boden und aus dem benachbarten Hotel stürmten die Menschen heraus, teilweise noch im Schlafanzug und barfuß."

Den Anwohnern boten sich Szenen, die wie aus dem Krieg oder nach einem Terroranschlag wirkten: Die Nummer sechs der Rue de Trévise, das Eckgebäude mit der Bäckerei, brannte im Erdgeschoss lichterloh. Autos waren durch die Gasexplosion hochgerissen worden und landeten dann auf dem Dach. Andere Wagen brannten komplett aus. Schwarze Rauchwolken erschwerten die Sicht.

Im dritten Stock des betroffenen Gebäudes hat die Explosion alle Türen aus den Angeln gerissen, berichtete die Hausbewohnerin Claire Sallavuard. "Die Kinder sind aus dem Schlaf gerissen worden und waren in Panik. Ich musste über Türen steigen, um zu ihnen zu gelangen. Die Feuerwehrleute forderten uns auf, das Haus zu verlassen. Aber es hatte den Fahrstuhl weggesprengt, an der Treppe war kein Geländer mehr. Wir sind dann in die Wohnung der Nachbarn im ersten Stock gegangen."

Bei ihnen seien zwei Zimmer komplett zerstört worden. Dort, wo sich vorher das Badezimmer befunden habe, klaffe nur noch ein Loch. "Wir sind dann über Feuerwehrleitern hinausgekommen", sagte Sallavuard.

Der Verdacht eines Attentats, wenige Wochen nach dem letzten Terroranschlag auf die Besucher eines Weihnachtsmarkts in Straßburg, war allerdings schnell gegenstandslos. "Die Detonation von Gasexplosionen ist sehr charakteristisch, und selbst Laien begreifen schnell, dass es sich nicht um ein Bombenattentat handelt", sagte Sicherheitsexperte Alain Bauer im TV-Sender BFM.

Bewohner aus höheren Etagen wurden evakuiert © AFP Bewohner aus höheren Etagen wurden evakuiert

Das Pariser Rathaus richtete noch am Samstag ein psychologisches Krisenzentrum ein und riet allen, die unter Schock standen, sich dorthin zu begeben. Frankreichs Oberstaatsanwalt Rémy Heitz, der gemeinsam mit Premierminister Édouard Philippe, Innenminister Christophe Castaner zum Unglücksort fuhr, schloss am Nachmittag ein Attentat aus und sprach "zweifelsfrei" von einem Unfall. Insgesamt 200 Feuerwehrleute waren wegen der Explosion am Samstag im Einsatz.

Die Rue de Trévise ist normalerweise eine belebte Straße mit vielen Hotels, Restaurants und einem Theater. Doch am Nachmittag, als die Demonstrationen der Gelbwesten begannen, war das Viertel zwischen den großen Boulevards und Montmartre noch immer gesperrt.

Mehr als 5000 Polizisten waren wegen der Demonstrationen im Einsatz. Einige Teilnehmer der Proteste lobten den Einsatz der Feuerwehrleute. Nachdem der Marsch der Gelbwesten zunächst weitgehend friedlich verlaufen war, kam es gegen Ende erneut zu Zusammenstößen mit der Polizei. Diese setzte Tränengas ein und sperrte den Zugang zur Place de la Concorde ab.

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