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Die Mafia im Telefonbuch: Autor Dirk Dabrunz beleuchtet „Japans Unterwelt“

Kölner Stadt-Anzeiger-Logo Kölner Stadt-Anzeiger vor 6 Tagen ksta
Ein Oberberger, der Japan kennt: Der Dieringhauser Dirk Dabrunz schrieb mit an einem Buch über die Mafia des Landes. © Dierke Ein Oberberger, der Japan kennt: Der Dieringhauser Dirk Dabrunz schrieb mit an einem Buch über die Mafia des Landes.

Ist es wirklich vorstellbar, dass der Mafioso, der für meinen Stadtteil „zuständig“ ist, einfach im Telefonbuch steht? Ja, sagt der Journalist Dirk Dabrunz, in Japan sei das normal. Die Yakuza waren und sind ein gesellschaftliches Phänomen, von dem praktisch jeder weiß. Allerdings sei auch in Japan vieles im Umbruch. Die Yakuza würden sich langfristig in den Untergrund zurückziehen, von öffentlich zu geheim mutieren, vermutet der Dieringhauser.

Mit dem Japanologen Dr. Wolfgang Herbert, Professor für Vergleichende Kulturwissenschaften an der Universität Tokushima, hat der 53-Jährige ein Buch verfasst, das gerade erschienen ist. In „Japans Unterwelt – Reisen in das Reich der Yakuza“ beleuchten die Autoren die doch fremd anmutende Welt dieser Gentleman-Gangster, die einerseits Schutzgelder erpressen, Prostitution fördern und mit Drogen handeln, andererseits aber nach Naturkatastrophen oder der Reaktorkatastrophe in Fukushima, laut dem Buch, mit die Ersten waren, die effektiv Hilfe leisteten.

Wie aber kommt man auf ein solches Thema? Dirk Dabrunz beschäftigt sich schon seit längerem mit dem Thema „Organisierte Kriminalität aus historischer und ökonomischer Sicht“. Als er gemeinsam mit Dr. Wolfgang Herbert an einer Fernsehproduktion zu den Yakuza beteiligt war, kamen beide zu dem Schluss: „Das hier ist einfach nicht seriös.“ Sie stiegen aus, beschlossen, ein eigenes Projekt anzugehen, um das Bild der Yakuza wissenschaftlich, mit ernstzunehmenden Quellen und aus vielen unterschiedlichen Blickwinkeln, zu beleuchten.

Interviews und Gespräche erst bei weiteren Reisen

Einen Kontaktmann fanden sie in München: Tanimura Tetsu, Jahrgang 1945, der in München einen Deutsch-Japanischen Stammtisch gründete und Karate sowie Japanisch unterrichtet. „Es gibt Jugendfreunde von Tanimura, die heute zu den höchsten Yakuza gehören“, sagt Dabrunz. Tetsu öffnete dem deutschen Journalisten und dem Österreicher Wolfgang Herbert die Türen, bereitete Dabrunz mit vielen Tipps und Gesprächen auf seine Japanreisen und den dortigen Verhaltenskodex vor. Die erste Reise diente nur dazu, herauszufinden, ob überhaupt ein Zugang möglich ist. Bei weiteren Reisen fanden Interviews und Gespräche statt.

Spannend fand der Autor vor allem, mit wie viel Respekt die Menschen den Yakuza begegnen. „Natürlich schwingt da auch Angst mit. Jeder weiß: ,Das ist ein Yakuza, von dem lasse ich besser die Finger’ und hält sich fern“, hat Dabrunz beobachtet. Gute drei Jahre nahmen sich Herbert und Dabrunz Zeit für ihre gründliche Recherche.

Herausgekommen ist ein Buch, das auf mehr als 300 eng bedruckten Seiten von den Nachwuchssorgen der japanischen Mafia erzählt, von ihrem Frauenbild, das japanische Yakuza-Begriffe auflistet und die Maßnahmen des Staates gegen die Mafiosi erklärt. „Wir wollten das Thema so umfassend bearbeiten, wie eben möglich“, betont Dabrunz. Ein erster Vortrag zum Buch vor Juristen aus dem Raum Münster war schon vereinbart, Lesungen könnten folgen.

Das Buch ist im Berliner Reimer-Verlag erschienen. Es kostet 29,90 Euro.

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