Durch Nutzung dieses Diensts und der damit zusammenhängenden Inhalte stimmen Sie der Verwendung von Cookies für Analysezwecke, personalisierte Inhalte und Werbung zu.
Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

"Die Polizei hatte die Lage nicht immer im Griff"

DIE WELT-Logo DIE WELT vor 4 Tagen
Nach den Unruhen von Samstagnacht kontrollierte die Polizei in Schorndorf am Sonntag verstärkt © Gabriel Habermann Nach den Unruhen von Samstagnacht kontrollierte die Polizei in Schorndorf am Sonntag verstärkt

Bei der "Schorndorfer Woche" haben junge Menschen im Stadtpark randaliert. Als die Polizei einschritt, solidarisierten sich die rivalisierenden Gruppen. Auch sexuelle Übergriffe lassen sich nicht ausschließen.

Aus einer Gruppe von rund 1000 Besuchern heraus haben am Samstag auf einem Volksfest in Schorndorf, einer Kleinstadt nahe Stuttgart, zahlreiche junge Menschen randaliert. Bei der 49. Auflage des Volksfestes Schorndorfer Woche schmissen sie mit Flaschen um sich.

Anschließend sollen sie laut Augenzeugenberichten mit Messern durch die Stadt gezogen sein. Auch Schüsse wollen einige gehört haben. Über das Wochenende hinweg sollen zudem mehrere Männer Frauen sexuell belästigt haben.

Die Bevölkerung ist verunsichert. Oberbürgermeister Matthias Klopfer (SPD) und der zuständige Polizeipräsident Roland Eisele haben sich am Montagmittag zu den Vorfällen geäußert.

Was über die sexuellen Übergriffe bekannt ist

Für Schorndorfs Oberbürgermeister Klopfer ist klar, wer die Hauptleidtragenden der Vorfälle vom Wochenende sind: die Frauen, die sexuell belästigt worden sind. Mindestens zwei sexuelle Übergriffe hat es nach aktuellem Stand gegeben.

Freitagabend wurde offenbar eine 25-jährige Frau aus Ingolstadt von einem 22-jährigen Iraker belästigt. Am Samstag soll eine 17-Jährige aus Remshalden von drei Afghanen festgehalten und am Po begrapscht worden sein. Bei den Männern soll es sich um Asylbewerber im Alter zwischen 18 und 20 Jahren handeln. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Laut Polizeipräsident Roland Eisele gibt es bisher keinen Haftbefehl.

Alle bekannten Fälle sollen sich auf dem Festgelände ereignet haben. Im Auftrag der Stadtverwaltung war dort dieses Jahr auch ein privater Sicherheitsdienst unterwegs.

Trotz solcher Vorkehrungen sei sexueller Missbrauch nie auszuschließen, erklärt Klopfer. Es gebe keine Eins-zu-eins-Betreuung durch die Sicherheitskräfte. "Wir könnten die Zahl der Sicherheitsleute verdoppeln, es würde nichts ändern an den Fällen von sexueller Gewalt", so Klopfer weiter. "So nah kann man gar nicht ran an die Menschen."

Die Frauen hätten die Fälle jeweils selbst angezeigt. Mehrfach betont Klopfer, wie wichtig dies sei. Frauen, die sexuell belästigt wurden, sollten sich nicht aus Scheu oder falscher Scham zurückhalten, sondern sich in jedem Fall bei der Polizei melden.

Wie die Polizei die Randale auflöste

"Die Polizei hatte die Lage nicht immer im Griff", gibt Polizeipräsident Eisele zu. Die Einsatzkräfte mussten sich kurzzeitig zurückziehen und neu aufstellen. Nie gab es Zwischenfälle wie im jetzigen Ausmaß.

Die Krawalle hatte ihren Ursprung im nahe gelegenen Schlosspark. Dort versammelten sich jedes Jahr junge Menschen am Rande des Volksfestes. Etwa 1000 junge Erwachsene sollen sich dort aufgehalten haben. Eisele betonte, dass nur eine kleine Gruppe davon für die Gewalt verantwortlich sei.

Der Streit sei zunächst zwischen Festbesuchern ausgebrochen. Als die Polizei hinzukam, hätten sich beide Parteien miteinander solidarisiert, so Eisele. Die aggressive Stimmung richtete sich dann gegen die Einsatzbeamten. Für die Polizei wird es schwer, einzelne Personen zu ermitteln, weil die mutmaßlichen Täter die Anonymität der Gruppe nutzen.

Ob Randalierer wirklich mit Messern und Schreckschusswaffen durch die Stadt zogen, bestätigt Eisele nicht. Es habe entsprechende Zeugenaussagen gegeben, die nun überprüft werden müssten.

Was ist über die Täter bekannt

Sicher ist, dass es sich bei den Männern, die die beiden Frauen sexuell belästigt haben sollen, um einen Iraker und drei Afghanen handelt.

In einer Polizeimeldung heißt es zudem, dass es sich bei einem großen Teil der Menschenmenge im Stadtpark wohl um Personen mit Migrationshintergrund handele. Auf eine genau Zahl wollte sich Eisele allerdings nicht festlegen. Bisher hieß es, der Anteil habe unter 50 Prozent gelegen.

Unter den Leuten könnten Menschen sein, die lange im Ort leben, es könnten aber auch Flüchtlinge sein. "Das ist sehr schwer zu ermitteln", sagt Eisele.

Oberbürgermeister Klopfer betont, dass die Stadt sich bisher große Mühe gegeben habe, Flüchtlinge zu integrieren. Es gebe ein gutes Miteinander in der Stadt. Er gibt aber auch zu, dass es auch Probleme gebe.

Welche Vorkehrungen nun getroffen werden

Die Zahl der Beamten hat sich in der Nacht zu Sonntag verdoppelt. Für die letzten beiden Tage des Stadtfestes am Montag und Dienstag soll die Stadt mit mehr Polizei gesichert werden. Dunkle Ecken auf dem Gelände werden stärker ausgeleuchtet.

Klopfer kündigt zudem an, das Alkoholverbot im Schlosspark in Zukunft wieder strikter zu verfolgen. Dieses gelte eigentlich von 22 Uhr bis sechs Uhr. In den vergangenen Jahren habe die Polizei Besucher zudem aufgefordert, das Gelände ab 23 Uhr zu verlassen. In diesem Jahr hatte man jedoch beschlossen, die Sperrstunde nach hinten zu verlegen.

Problematisch ist das laut Eisele gewesen, weil die Leute dadurch länger und mehr getrunken hätten. "Bekanntermaßen ist Alkohol ein Gewalttransmitter." In Zukunft gilt das Alkoholverbot ab 22 Uhr.

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von DIE WELT

| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon