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Die Retterin der Weltmeere: So will eine Architektin Plastikmüll aus Ozeanen fischen

Hamburger Morgenpost-Logo Hamburger Morgenpost 06.12.2018 Kristian Meyer
An den Stränden der Erde wird das Problem für jedermann greifbar. Diese Katze sitzt inmitten von Bergen von Plastikmüll am Strand von Dakar (Senegal). © dpa An den Stränden der Erde wird das Problem für jedermann greifbar. Diese Katze sitzt inmitten von Bergen von Plastikmüll am Strand von Dakar (Senegal).

Inseln aus Plastikmüll schwimmen im Meer. Kinder tollen am Strand zwischen Plastikflaschen herum – solche Bilder sind schockierend. Trotzdem sei noch zu wenigen bewusst, welches Problem da auf uns zurollt, sagt Marcella Hansch (32). Deshalb hat die Architektin eine mögliche Technik entwickelt, die Meere zu säubern. Donnerstagabend stellt sie beim N Klub in der St. Pauli Kirche ihr Konzept vor (19 Uhr).

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Ein „Schlüsselmoment“ sei für ihr Engagement verantwortlich, erzählt Marcella Hansch. Und zwar 2013 beim Tauchen vor den Kapverden. „Ich bin gerne am Meer, aber ich habe etwas Angst vor Fischen“, sagt sie. „Plötzlich hat mich etwas berührt beim Tauchen.“ Ein Schauder befällt die junge Frau, da merkt sie: Das war gar kein Fisch, das war eine Plastiktüte!

Marcella Hansch (32). © dpa Marcella Hansch (32).

Bis 2050 soll sich mehr Plastik als Fische in Ozeanen befinden

Sie fängt an, sich zu informieren. Bis zu 12,7 Millionen Tonnen Plastikmüll landen in unseren Meeren. Jährlich. Das Ökosystem leidet zusehends unter diesen Massen. „Bis zum Jahr 2050 soll sich mehr Plastik als Fische in unseren Ozeanen befinden“, sagt Hansch.

Schnell entwickelte sie den Plan, ihre Abschlussarbeit in Architektur an der Technischen Hochschule Aachen mit dem Thema, das nicht gerade ein klassisches Architekten-Thema ist, zu verknüpfen. Wie verhalten sich Strömungen, wie wird Kunststoff hergestellt, wie ist das Konsumverhalten der Menschen? Diese Fragen muss sie klären. Hansch besucht Vorlesungen, Recyclinghöfe, spricht mit Wissenschaftlern.

Bei Kläranlagen wird sie fündig. Dort gibt es Sedimentierbecken: Wasser wird eingeleitet und beruhigt. Plastik und andere schwere Teile setzen sich ab. Und das gesäuberte Wasser wird wieder weitergeleitet.

So sah das erste Modell des Fächers aus, der die Meere säubern soll. © hfr So sah das erste Modell des Fächers aus, der die Meere säubern soll.

Nach diesem Prinzip verfährt auch ihr „Pacific Garbage Screening“. Hansch entwirft als Modell einen riesigen Fächer mit mehreren solcher Kammern. 400 Meter breit sollte er ursprünglich sein und auf den Ozeanen Plastik herausfiltern.

Nachhaltigkeits-Experten und Medien werden auf die Idee aufmerksam. Hansch fängt an, Vorträge zu halten. Sie gründet einen Verein, der mit sieben Mitgliedern startet. Heute arbeiten dort 40 Menschen: Studenten, Doktoranden, Ingenieure, Wasserbauer, Öffentlichkeitsarbeiter – alle ehrenamtlich.

Das Konzept wurde leicht modifiziert: Einerseits konzentriert sich der Verein jetzt auf die Forschung für kleinere Modelle, die an Flussmündungen aufgestellt werden sollen. Schließlich könne man hier die Plastikmassen noch aufhalten. Zum anderen forsche man an der Frage, wie Kunststoffe recycelt werden können.

300.000 Becher pro Stunde hierzulande weggeworfen

Das dritte Feld sei aber fast das Wichtigste: ein öffentliches Bewusstsein für das Problem zu schaffen. „Jeder von uns kann etwas tun“, sagt Hansch, und sei es nur der Verzicht auf den Coffee-to-go-Becher. „300.000 Becher pro Stunde werden hierzulande weggeworfen.“ Natürlich müssten auch Regierungen etwas tun. Aber dennoch: Der Verbraucher habe Macht. Das müsse jedem klar sein. Um für dieses Konzept zu werben, spricht Marcella Hansch unter anderem beim N Klub.

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