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Die Terrorgefahr am Himmel ist realer denn je

DIE WELT-Logo DIE WELT 20.03.2017

Laut Interpol gehen jedes Jahr mehr als eine Milliarde Reisende an Bord eines Fliegers, von denen niemand weiß, ob und wie gefährlich sie sind. Jetzt gibt es eine Idee, wie man Kriminelle besser entlarvt.

Für viele Airline-Manager sind sie ein Albtraum: Passagiere, die mit einem gestohlenen oder sogar ohne Pass in Flugzeugen sitzen. So waren zum Beispiel in der seit drei Jahren unauffindbaren Boeing 777 von Malaysia Airlines (Flugnummer MH370) zwei Männer an Bord, deren Papiere gestohlen waren. Und das kommt gar nicht so selten vor.

Der ehemalige Interpol-Chef Ronald Noble hat auf einer Jahrestagung der Luftfahrtorganisation IATA in Singapur den Topmanagern der Branche einmal offengelegt, dass jedes Jahr Passagiere ganz ohne Papiere grenzüberschreitend durch die Welt fliegen; rund 40.000 wurden mit gefälschten Papieren erwischt – die Dunkelziffer dürfte höher liegen.

Nach Schätzungen der internationalen Polizeiorganisation Interpol gingen zudem allein 2014, im Absturzjahr der MH370, mehr als eine Milliarde Mal Reisende an Bord eines Flugzeuges, ohne dass ihre Pässe mit der Interpol-Datenbank abgeglichen wurden, in der weltweit gesuchte Kriminelle aufgelistet sind.

Urlauber zieht es vor allem in "sichere" Länder

Solche Zahlen verunsichern nicht nur Amerikaner. Die Sicherheitslage, aber auch die Stabilität in einem Land und auf dem Weg dahin werden nach den Terroranschlägen auch mitten in Europa für viele Urlauber und Geschäftsreisende immer wichtiger bei der Reiseentscheidung, heißt es auch beim World Travel and Tourism Council (WTTC) im Jahresbericht.

Das WTTC ist eine Organisation, in der sich 140 Reiseunternehmen aus der ganzen Welt zusammengeschlossen haben. Dazu gehören Fluggesellschaften wie British Airways oder Etihad, Reiseveranstalter wie TUI, Internetriesen wie Airbnb, aber auch Autovermieter und Hotelketten.

Zwar wuchs der globale Tourismus im vergangenen Jahr laut neuesten Zahlen des WTTC um robuste 3,3 Prozent. Gemessen wird dabei der Beitrag des Tourismus zum Bruttoinlandsprodukt. Nach den verheerenden Terroranschlägen in Nizza, Paris, Brüssel und Berlin sowie in der Türkei zeigt sich laut WTTC aber bereits sehr deutlich, dass Touristen sich neue Reiseziele suchen, die vermeintlich "sicher" sind.

Für WTTC-Präsident David Scowsill ist dies ein klares Signal, dass vor allem Regierungen mehr tun müssen, um Reisende zu schützen.

Daten für die Sicherheitsbehörden

Ein Schlüssel zu mehr Sicherheit, aber auch gleichzeitig zu mehr Geschwindigkeit im Reiseverkehr wäre laut WTTC die weltweite Einführung von elektronischen Visa. "Mit den so vorab gelieferten Daten könnten Sicherheitsbehörden Urlauber und Geschäftsleute bereits vor der Abreise überprüfen." Und auch mit internationalen Datenbanken abgleichen.

Zudem sollten noch viel öfter biometrische Erkennungsverfahren und sehr viel mehr bereits vorhandene Sicherheitstechniken eingesetzt werden, fordert Scowsill. Das würde die Sicherheitsstandards in vielen Ländern mit einem Schlag erheblich verbessern und gleichzeitig weltweit lange Schlangen auf den Flughäfen minimieren.

Das würde Flughafenbetreiber und vor allem Airline-Manager hoch erfreuen. Die Technik für die Beschleunigung der Reiseströme gibt es zudem längst. Bereits auf der IATA-Tagung in Singapur 2011 wurde ein mit Elektronik vollgestopfter Tunnel aufgebaut, mit dessen Hilfe Reisende komplett ohne Berührung überprüft und durchgecheckt werden konnten.

Vielflieger, die ihre persönlichen Angaben in einer Datenbank hinterlegt haben, sollen anhand ihrer Pass- und biometrischer Daten erkannt werden und gehen durch die Röhre. Im Vorbeigehen scannen Maschinen in den Wänden Mensch und Gepäck nach Metallgegenständen und Flüssigkeiten. Damals wurde prognostiziert, dass dieser Tunnel in etwa fünf Jahren weltweit in Betrieb sein könnte.

Immer noch viele Stempel in den Pässen

Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Laut der Welttourismusorganisation der UN (UNWTO) brauchen Reisende immer noch in zwei Dritteln aller Länder bei der Einreise ein in ihren Reisepass eingestempeltes Visum, das vor Abflug im Heimatland meist umständlich und teuer beantragt werden muss. Diese sind in der Regel nicht besonders fälschungssicher.

Als besonders vertrauenswürdig gelten derzeit die Deutschen. Ihr roter Reisepass gilt deshalb als der "mächtigste". 158 Länder können die Deutschen derzeit ohne Visum besuchen oder bekommen es direkt bei der Einreise. Nur rund 18 Prozent der Weltbevölkerung können in die meisten Länder der Welt ohne Visum einreisen.

Wie sehr die Tourismusindustrie derzeit noch abhängig ist von der Visapolitik einer Regierung, haben zuletzt vor allem die Amerikaner in beide Richtungen eindrucksvoll bewiesen. So hatte Präsident Barack Obama die Ausstellung von Visa weitgehend digitalisiert. Chinesen und Indern wird heute innerhalb von drei Tagen ein elektronisches Visum zugestellt. Die Einreisegenehmigung hätte früher bis zu 150 Tage gedauert. "Das hat die Touristenzahlen aus diesen Ländern total gepusht", sagt Scowsill.

Trump schreckt viele reiche Touristen ab

Genau in die andere Richtung treibt nun der neue US-Präsident Donald Trump die Touristenzahlen mit seinen Dekreten und dem sogenannten Travel Ban. So hat zum Beispiel die Fluggesellschaft Emirates bereits einen Rückgang bei den Vorausbuchungen großer Familienclans aus dem arabischen Raum in Richtung USA beobachtet.

FILE - In this March 31, 2014 file photo, the shadow of a Royal New Zealand Air Force P3 Orion is seen on low level cloud while the aircraft searches for missing Malaysia Airlines Flight MH370 in the southern Indian Ocean, near the coast of Western Australia. A series of catastrophic electrical and other failures may have led to the crash of Flight 370 over the Indian Ocean, according to a lawsuit filed Friday, March 3, 2017, in the U.S. on behalf of the families of 44 people on board the still missing plane. (AP Photo/Rob Griffith, File) © AP FILE - In this March 31, 2014 file photo, the shadow of a Royal New Zealand Air Force P3 Orion is seen on low level cloud while the aircraft searches for missing Malaysia Airlines Flight MH370 in the southern Indian Ocean, near the coast of Western Australia. A series of catastrophic electrical and other failures may have led to the crash of Flight 370 over the Indian Ocean, according to a lawsuit filed Friday, March 3, 2017, in the U.S. on behalf of the families of 44 people on board the still missing plane. (AP Photo/Rob Griffith, File)

Zwar kommen die schwerreichen Araber in der Regel nicht aus den von Trumps "Bann" betroffenen Ländern – aber viele ihrer Hausangestellten: Kindermädchen, Köche, Chauffeure. Und die müssen in der Regel mit auf die Reise, um im Ausland die Familie weiter zu bedienen.

Erschwerend hinzu kommt laut WTTC allerdings auch noch der starke Dollar, der viele in den kommenden Wochen von einer Reise in die Staaten abhalten dürfte. Die USA sind derzeit noch eines der attraktivsten Reiseländer der Welt. Laut WTTC arbeiten rund 14 Millionen Menschen in dieser Branche.

Das sind fast zehn Prozent aller dort Beschäftigten. Rund ein Fünftel der gesamten touristischen Wertschöpfung entsteht derzeit laut WTTC noch in den USA. Weltweit trägt der Tourismus derzeit rund zehn Prozent zum Weltbruttoinlandsprodukt bei. Jeder zehnte Arbeitsplatz ist direkt oder indirekt mit der Reiseindustrie verbunden.

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