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Einsturzgefahr für Notre-Dame ist noch nicht gebannt

WELT-Logo WELT vor 3 Tagen
Paris, Frankreich, die ganze Welt ist erschüttert. Die historische Kathedrale Notre-Dame steht in Flammen. Zwei Drittel des Dachstuhls sind unwiderruflich zerstört. Die Menschen in den Pariser Straßen reagieren mit Bestürzung. Quelle: WELT © WELT Paris, Frankreich, die ganze Welt ist erschüttert. Die historische Kathedrale Notre-Dame steht in Flammen. Zwei Drittel des Dachstuhls sind unwiderruflich zerstört. Die Menschen in den Pariser Straßen reagieren mit Bestürzung. Quelle: WELT

Ein Großfeuer hat die weltberühmte Pariser Kathedrale Notre-Dame verwüstet. Über Stunden schlugen am Montagabend Flammen lichterloh aus dem Dachstuhl des Wahrzeichens der französischen Hauptstadt, über dem monumentalen Sakralbau war eine riesige Rauchsäule zu sehen. Das Feuer war am Dienstagmorgen nach Angaben von Feuerwehr und Frankreichs Innenministerium zwar unter Kontrolle. Es bestehe jedoch immer noch Einsturzgefahr.

Da die „Brandgefahr“ mittlerweile gebannt sei, müsse nun geklärt werden, wie die „Bausubstanz“ der Kirche dem Feuer standhalten werde, sagte Innenstaatsekretär Laurent Nuñez am Dienstagmorgen. Experten und Architekten sollen seinen Angaben zufolge in Kürze darüber beraten, ob die Kathedrale „stabil“ sei und die Feuerwehr ihre Arbeit im Innern fortsetzen könne. Das ganze Ausmaß der Zerstörung des Pariser Wahrzeichens ist noch ungewiss. 

Der Brand war am Montagabend gegen 18.50 Uhr ausgebrochen. Der kleine Spitzturm in der Mitte des Dachs brach zusammen. Rasch griff das Feuer auf große Teile des Dachstuhls über. Nach Kirchenangaben brannte auch die hölzerne Inneneinrichtung. Aus den beiden großen Türmen der Kathedrale drang schwarzer Rauch. Die Feuerwehr äußerte sich am späten Abend aber zuversichtlich, dass die Kathedrale nicht völlig zerstört wird. „Man kann annehmen, dass die Struktur von Notre-Dame gerettet und in ihrer Gesamtheit bewahrt ist“, sagte Feuerwehrchef Jean-Claude Gallet.

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Zeitweise war unklar, ob das Feuer aufgehalten werden kann

Nach Angaben des Innenministeriums war die Feuerwehr mit einem Großaufgebot vor Ort. Rund 400 Feuerwehrleute versuchten, den Brand einzudämmen. Die Polizei gehe nicht von einem terroristischen Hintergrund aus, erklärte ein Sprecher. Laut der französischen Nachrichtenagentur AFP ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Brandstiftung. Das Feuer kurz vor Ostern könne mit Renovierungsarbeiten zusammenhängen, heißt es unter Berufung auf die Feuerwehr. Es sei auf dem Dachboden ausgebrochen und gegen 18.50 Uhr entdeckt worden. Auf dem Dach der Kathedrale war ein Baugerüst angebracht.

Die Struktur der Pariser Kathedrale Notre-Dame ist nach Angaben der Feuerwehr nach mehrstündigen Löscharbeiten "gerettet" © AFP/ZAKARIA ABDELKAFI Die Struktur der Pariser Kathedrale Notre-Dame ist nach Angaben der Feuerwehr nach mehrstündigen Löscharbeiten "gerettet"

Nach Stunden brachten die rund Einsatzkräfte das Feuer schließlich unter Kontrolle, ein Feuerwehrmann wurde leicht verletzt. In der Nacht waren sie aber noch damit beschäftigt, das Bauwerk zu sichern und abzukühlen. Zuvor hatte Feuerwehrchef Jean-Claude Gallet bereits eine erste Entwarnung gegeben: Die Gebäudestruktur der Kathedrale hätten seine Kollegen retten können, indem sie verhindert hätten, dass das Feuer den nördlichen Glockenturm erfasse. „Zwei Drittel des Dachstuhls wurden verwüstet“, fügte er jedoch hinzu. Zuvor war die Feuerwehr zeitweise „nicht sicher“ gewesen, ob sie die Ausbreitung des Feuers aufhalten kann.

Am Dienstag konzentrierten sich die Arbeiten der Feuerwehr auf den Kampf gegen letzte Brandherde. Zudem gehe es darum, neue Feuer zu verhindern, sagte der Sprecher der Pariser Feuerwehr, Gabriel Plus. Rund hundert Feuerwehrwehrleute seien noch im Einsatz.

310 Millionen Euro stehen bereits für Wiederaufbau bereit

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron versprach den Wiederaufbau des berühmten Bauwerks und bat seine Landsleute und das Ausland um Unterstützung. „Wir werden Notre-Dame wieder aufbauen.“ Auf Twitter erklärte er, wie alle Franzosen sei er an diesem Abend traurig, „diesen Teil von uns brennen zu sehen“.

Am Morgen nach dem verheerenden Brand in der Kathedrale Notre-Dame stehen bereits 310 Millionen Euro für ihren Wiederaufbau bereit. Die Region Ile-de-France, die größtenteils dem Großraum Paris entspricht, kündigte am Dienstag eine Soforthilfe von zehn Millionen Euro an. Die Familien hinter zwei Luxusgüterkonzernen sagten zusammen 300 Millionen Euro zu.

Dornenkrone konnte gerettet werden

Die Zerstörung im Inneren der Kathedrale Quelle: AP/Philippe Wojazer © AP/Philippe Wojazer Die Zerstörung im Inneren der Kathedrale Quelle: AP/Philippe Wojazer

Eine der wichtigsten Reliquien der katholischen Kirche ist aus der brennenden Kathedrale gerettet worden. Es handele sich dabei um die Dornenkrone, die Jesus Christus bei seiner Kreuzigung getragen haben soll, sagte Patrick Chauvet, der Direktor des Gotteshauses. Die Flammen hätten den Kirchenschatz nicht erreicht.

Der Brand löste auch außerhalb Frankreichs tiefe Bestürzung und heftige Emotionen aus. Notre-Dame ist eine der wichtigsten Pariser Touristenattraktionen und wird jährlich von Millionen Menschen besucht. Die Kathedrale steht im Herzen der Stadt auf der Seine-Insel Île de la Cité, die wegen des Feuers von Sicherheitskräften abgeriegelt wurde.

Der französische Premierminister Édouard Philippe schrieb: „Unsere Traurigkeit ist unbeschreiblich, aber wir kämpfen immer noch. An diesem Abend kämpfen die Feuerwehrleute heldenhaft gegen das Feuer.“

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo sprach von einem „furchtbaren Brand“ und einer „schrecklichen Prüfung“ für die Stadt, die seit 2015 eine Serie islamistischer Anschläge erlebt hat. Sie rief die Menschen über Twitter auf, die Sicherheitsabsperrungen zu respektieren.

Macron sagte wegen des Brandes eine für den Abend geplante wichtige Fernsehansprache ab und begab sich zu der Kathedrale. Macron hatte am Montagabend eigentlich im Fernsehen über die Ergebnisse einer monatelangen Bürgerdebatte sprechen wollen. Einen neuen Termin dafür teilte der Élysée-Palast zunächst nicht mit. Der Präsident hatte die „Nationale Debatte“ im Januar als Reaktion auf die Proteste der „Gelbwesten“ gestartet – nun wollte er Zugeständnisse präsentieren.

Weltweit sorgte der Brand für Entsetzen. Der Vatikan reagierte bestürzt. „Der Heilige Stuhl hat die Nachricht des entsetzlichen Brandes, der die Kathedrale von Notre-Dame, Symbol der Christenheit in Frankreich und der Welt, verwüstet hat, mit Schock und Trauer aufgenommen“, erklärte Papst-Sprecher Alessandro Gisotti.

Trump gibt Feuerwehr Tipps – Antwort kommt prompt

„Notre-Dame von Paris ist Notre-Dame von ganz Europa“, schrieb EU-Ratspräsident Donald Tusk auf Twitter. „Wir stehen heute alle an der Seite von Paris.“ EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker schrieb: „Notre-Dame gehört der ganzen Menschheit. Welch trauriger Anblick.“

Regierungssprecher Steffen Seibert twitterte im Namen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU): „Es tut weh, diese schrecklichen Bilder der brennenden Notre-Dame zu sehen.“ Er fügte hinzu: „Notre-Dame ist ein Symbol Frankreichs und unserer europäischen Kultur. Mit unseren Gedanken sind wir bei den französischen Freunden.“ Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) teilte mit, er hoffe, dass es der Feuerwehr rasch gelingt, den Brand einzudämmen und das Wahrzeichen zu retten.

Die Chefin der UN-Kulturorganisation Unesco, Audrey Azoulay, sagte zu Reportern: „Notre-Dame ist ein Symbol für die ganze Welt.“ Die Unesco sei schon mit dem Kulturministerium und der Kirche in Kontakt. „Wir brauchen eine sehr schnelle Beurteilung der Schäden.“ Es müssten rasch „strategisch wichtige Entscheidungen getroffen werden“.

Auch US-Präsident Donald Trump zeigte sich bestürzt. Die Kathedrale sei einer der größten Schätze auf der Welt, großartiger als fast jedes Museum auf der Welt. „So schrecklich, das verheerende Feuer an der Notre-Dame-Kathedrale in Paris zu sehen. Vielleicht könnten fliegende Wassertanks eingesetzt werden, um es zu löschen. Es muss schnell gehandelt werden!“

Die Reaktion der französischen Fachleute ließ nicht lange auf sich warten: Von einem Flugzeug Wasser auf ein solches Gebäude abzuwerfen, könne zum Einsturz des gesamten Gebäudes führen, schrieb der französische Zivilschutz auf Twitter.

Die Geschichte der Kathedrale reicht bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts zurück. Die Dimensionen der im gotischen Stil konstruierten und der Jungfrau Maria geweihten Kirche mit ihren beiden majestätischen Türmen sind gewaltig: Die Kathedrale ist 127 Meter lang, 40 Meter breit und bis zu 33 Meter hoch. Mit seinem 1831 erschienenen Roman „Der Glöckner von Notre-Dame“ verewigte Victor Hugo die Kathedrale in der Literatur.

Witterung und Luftverschmutzung haben dem Baudenkmal über die Jahre schwer zugesetzt. Um Geld für die Sanierung aufzutreiben, war vor einiger Zeit eine Spendenaktion initiiert worden. Nun brachte die französische Kulturerbe-Stiftung Fondation du Patrimoine eine Spendensammlung für den Wiederaufbau auf den Weg. „Damit Notre-Dame aus der Asche wiedergeboren werden kann, starten wir einen internationalen Aufruf“, schrieb die Stiftung.

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