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Faktencheck: Ist das Chemnitz-Video eine Fälschung?

"Es liegen keine Belege dafür vor, dass das im Internet kursierende Video zu diesem angeblichen Vorfall authentisch ist", hat Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen Medien gesagt. "Nach meiner vorsichtigen Bewertung sprechen gute Gründe dafür, dass es sich um eine gezielte Falschinformation handelt, um möglicherweise die Öffentlichkeit von dem Mord in Chemnitz abzulenken", so Maaßen weiter. Mutmaßlich bezieht sich Maaßen auf ein Video, das der Twitter-Nutzer "Antifa Zeckenbiss" am 26. August um 20.56 Uhr veröffentlicht hat. Bis Freitag wurde es mehr als 379.000 Mal aufgerufen. "Antifa Zeckenbiss" beschreibt die Szene im Text als "Menschenjagd": Zu sehen ist eine Gruppe, die so aggressiv auf einen jungen Mann in Jeans zugeht, dass dieser wegrennt, dazu sind Parolen wie "Haut ab", "Kanaken" und "nicht willkommen" zu hören. Indizien-Check Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wurde das Video in der Chemnitzer Bahnhofsstraße an der Johanniskirche aufgenommen. Details aus dem Video, wie ein Kirchturm, Straßenschilder, eine Werbetafel und die Bebauung, sind in Satellitenaufnahmen wiederzuerkennen. Auch das Wetter und die Kleidung der Menschen im Video passen zu den äußeren Bedingungen. Wer das Video aufgenommen hat, ist unklar. Das Hochkant-Format, die ruckartigen Bewegungen und die Bildqualität sprechen für die Handyaufnahme eines Amateurs. Es ist denkbar, dass "Antifa Zeckenbiss" nicht selbst der Urheber des Videos ist: Der Account veröffentlicht regelmäßig Videos von verschiedenen Orten, die geografisch weit gestreut sind. Das Faktencheck-Portal der "Tagesschau" berichtet, auch ein in der Nachrichtensendung gezeigtes Video, in dem solche Jagdszenen vorkommen, wirke nach der Prüfung verschiedener Kriterien echt. Faktoren wie Ort, Zeit und Wetterverhältnisse stimmten mit denen anderer Videos exakt überein. Das von Maaßen angezweifelte Video sei zuvor noch nicht im Netz aufgetaucht und Journalisten hätten berichtetet, ähnliche Szenen in Chemnitz gesehen zu haben. "Zudem liegen weitere Videoaufnahmen von diesem Tag vor, die ähnliche Szenen zeigen", heißt es beim "Faktenfinder". Anzeigen von Opfern eingegangen Zudem hatte bereits knapp vier Stunden vor dem Tweet der freie Journalist Johannes Grunert, der aus Chemnitz berichtete, von Übergriffen auf Migranten exakt an dem Ort geschrieben. Die Opferberatungsstelle Sachsen teilte mit, nach ihren Kenntnissen seien allein am 26. August fünf Menschen wegen ihres Aussehens körperlich angegriffen worden. Eine weitere Person sei massiv bedrängt worden. Das Onlineportal "Ze.tt" berichtet zudem, mit dem in dem Video angegriffenen jungen Mann gesprochen zu haben. Alihassan S. habe Anzeige erstattet, heißt es dort. Der junge Mann sei seit einem Jahr in Deutschland und im Juli 2017 aus seiner Heimat in Afghanistan geflüchtet. Maaßen nannte keine Indizien, warum die Aufnahmen nicht echt sein sollten. Am 26. August war beim Chemnitzer Stadtfest ein 35 Jahre alter Deutsch-Kubaner im Streit erstochen worden. Dringend tatverdächtig sind drei Asylbewerber. Rechte Gruppen instrumentalisierten die Tat für ausländerfeindliche Demonstrationen. sam/ww (ard, dpa, epd)
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