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Fall Madeleine McCann: Andeutungen und Schweigen

SZ.de-Logo SZ.de 23.09.2020 Von Peter Burghardt, Hamburg
Madeleine McCann verschwand im Jahr 2007 aus einer Ferienanlage an der portugiesischen Südküste. © JOHANNES EISELE/AFP Madeleine McCann verschwand im Jahr 2007 aus einer Ferienanlage an der portugiesischen Südküste.

Im Fall Madeleine McCann spricht die Staatsanwaltschaft von "materiellen Beweisen" für den Tod des Mädchens - doch welche das sind, darüber schweigt sie sich aus.

Andeutungen und Schweigen

Wieder herrscht Aufregung im Fall Madeleine McCann, die 2007 in Praia da Luz an Portugals Südküste aus einer Ferienanlage verschwand. Auf einmal macht die Meldung die Runde, dass die ermittelnde Braunschweiger Staatsanwaltschaft den Tod der damals dreijährigen Engländerin bestätigt habe. Dabei hatte der Staatsanwalt Hans Christian Wolters gegenüber einem portugiesischen Fernsehsender nur das wiederholt, was er so oder ähnlich schon seit Wochen sagt.

Tatsache sei, das man seit dreieinhalb Monaten "einen tatsachengestützten Verdacht" habe, dass Madeleine tot sei, sagt Wolters nun zur Süddeutschen Zeitung. Dem würden Beweise zugrunde liegen, aber es sei "kein forensischer Beweis", also keine Leiche. "Ansonsten gibt es wirklich keinen neuen Sachstand."

Eine Journalistin des TV-Kanals RTP aus Portugal hatte ihn gefragt, ob es einen "materiellen Beweis" dafür gebe, dass Madeleine McCann tot sei. Er antwortete: "Ja." Was für Beweise das seien, ob es ein Video der toten Madeleine gebe, wollte sie wissen. Wolters: "Zu den Sachen, die wir haben, kann ich nichts sagen." Er könne das weder dementieren noch bestätigen.

Nach wie vor sind die Ermittler überzeugt davon, dass der Täter der 43-jährige Deutsche Christian B. war, ein mehrfach vorbestrafter Sexualstraftäter; er sitzt wegen eines anderen Verbrechens in einem Kieler Gefängnis. Grabungen vor ein paar Wochen auf einer von B. genutzten Parzelle bei Hannover seien Routine gewesen, so Wolters. Der Beschuldigte vergrub früher mal Datenträger. Ob oder was dort gefunden wurde, behält Wolters wegen der Ermittlungen für sich. Es sei auch nicht absehbar, ob und wann Anklage erhoben werden könne. "Mit einem Abschluss der Ermittlungen noch in diesem Jahr ist aber nicht zu rechnen."

Hunderte neue Hinweise

Auf B., vor seiner Verhaftung in Braunschweig gemeldet, waren Ermittler im Zuge von Zeugenaussagen im Fall McCann gekommen. Im Juni 2020 präsentierten ihn Braunschweigs Staatsanwaltschaft und das Bundeskriminalamt als Tatverdächtigen in einem der rätselhaftesten und bekanntesten Kriminalfälle der Welt. Es gab seither Hunderte Hinweise, die auch auf weitere mögliche Opfer von B. hindeuten: So bestätigt Wolters Ermittlungen wegen des Verdachts der Vergewaltigung einer jungen Irin 2004 und des sexuellen Missbrauchs 2007 an einem deutschen Mädchen, alles an der Algarve.

In Kieler Haft ist B. wegen Drogenhandels. Außerdem wurde er Ende 2019 zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt, weil er 2005 in Südportugal eine 72 Jahre alte US-Amerikanerin überfallen und vergewaltigt haben soll. Über seine Revision befinden der Europäische Gerichtshof und der Bundesgerichtshof.

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