Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Fall Voerde – die Fassungslosigkeit bleibt

RP ONLINE-Logo RP ONLINE 22.07.2019 RP ONLINE

Voerde. Bestürzung in Voerde – bei Bürgern, beim Arbeitgeber von Anja N., in den Kirchengemeinden. Die 34-jährige wurde am Samstag am Bahnhof vor einen Zug gestoßen. Die Bundespolizei äußert sich zur Sicherheit an den Gleisen.

 Blumen und Kerzen stehen an Gleis eins am Bahnhof in Voerde. © Marcel Kusch Blumen und Kerzen stehen an Gleis eins am Bahnhof in Voerde.

Auch wenn der Schock weniger frisch war, so war doch die Fassungslosigkeit nach dem Verbrechen am Montag so groß wie am Wochenende. Zahlreiche Menschen brachten ihre Trauer zum Ausdruck.

Bürgermeister Dirk Haarmann meldete sich am Morgen aus dem Urlaub im Rathaus und stimmte eine Mitteilung mit der Lokalpolitik ab. Die Stadt trauere mit den Angehörigen, heißt es darin. Eine junge Bürgerin sei „durch eine grausame Tat“ getötet worden. „Für uns alle ist unbegreiflich, wie ein Mensch hierzu im Stande sein kann.“ Rat und Verwaltung sprechen den Angehörigen tiefes Mitgefühl aus und danken allen, die Solidarität und Beileid bekundeten.

Die 34-jährige Anja N. aus Voerde wurde am Samstagmorgen am Bahnhof vor einen einfahrenden Zug gestoßen. Der mutmaßliche Täter, ein 28-Jähriger aus Hamminkeln, soll aus Mordlust gehandelt haben. Er wurde von Zeugen am Tatort festgehalten und ist in Haft.

Tief betroffen reagierte am Montag der Arbeitgeber von Anja N. Sie war bei einem mittelständischen Unternehmen in Voerde beschäftigt, man kannte sich dort untereinander. Ihr Vorgesetzter gab am Montag im Namen der Belegschaft eine Stellungnahme ab. Alle Mitarbeiter seien „zutiefst betroffen und traurig von der schockierenden Nachricht über den gewaltsamen Tod ihrer Kollegin“, schrieb er. „Ihre fröhliche, aufgeschlossene Art und ihre positive, lebensfrohe Ausstrahlung waren eine täglich Bereicherung für das Team und das gesamte Unternehmen.“ Schon am Sonntag hatten sich Arbeitskolleginnen von Anja N. am Bahnhof getroffen, um gemeinsam zu trauern.

Mehr Top-Nachrichten auf MSN:

Bade-Drama auf Mallorca: Deutscher ertrinkt am Ballermann

Während der Fahrt: Sanitäter im Krankenwagen angeschossen

Weil er gescharrt hat: Mann erschlägt Hahn des Nachbarn

Auch in den Kirchengemeinden: Bestürzung. „Ich bin persönlich sehr erschüttert, dass so was möglich ist“, sagt Heinz-Josef Möller, Pfarrer der katholischen Gemeinde St. Peter und Paul Voerde. Entsprechend seien die Reaktionen der Menschen, die er bisher mitbekommen habe: „Nur Fassungslosigkeit. Niemand kann es begreifen. Diese Form von sinnloser Gewalt – unvorstellbar.“

Pläne, zum Beispiel für spezielle Gottesdienste, zu denen Gläubige nach einem schlimmen Geschehen zusammenkommen, gab es zunächst nicht. Allerdings gibt es in Voerde auch keine Blaupause für derart schreckliches Geschehen. „Mit so einem Vorfall habe ich bisher noch nie zu tun gehabt. Das ist ein sinnloser Ausbruch von Gewalt, wie er mir in dieser Form noch nie vorgekommen ist“, sagt Möller. In seinen Gottesdiensten werde das Vorgefallene auf jeden Fall eine Rolle spielen: „Natürlich werde ich in Fürbitten dieses Falls gedenken.“

Pfarrer Harald Eickmeier von der Evangelischen Kirchengemeinde betonte, man wäre offen dafür, die Trauer von Gläubigen seitens der Gemeinde zu begleiten. Jedoch nur, wenn der Bedarf signalisiert werde. „Wenn es da Anfragen gibt, tun wir das immer“, sagte er. „Ich bin aber sehr vorsichtig damit, da etwas anzustoßen.“ Das hielte man für falsch.

Nach dem Fall wird allgemein über die Sicherheit an Bahnhöfen diskutiert. Unter anderem darüber, ob man nicht Geländer an Bahnsteigen installieren könnte – nicht nur, um Verbrechen zu verhindern, sondern auch, um Unfälle und Suizide unwahrscheinlicher zu machen.

Eine Idee, die Uwe Esselborn, Sprecher der Bundespolizei in der zuständigen Inspektion in Kleve, als nicht realisierbar verwarf. Züge müssten dann exakt so am Bahnsteig halten, dass sich die Türen auf Höhe der vorgesehenen Durchgänge in den Geländern befänden; das sei praktisch nicht machbar.

Selbst wenn es ginge, wäre aber der Aufwand nicht zu stemmen, sagt Uwe Esselborn. Schon im ländlichen Raum nicht, „bei 38 Bahnhöfen und Haltepunkten in unserem Bereich“. Umso weniger sei so eine Lösung für großen Bahnhöfe wie Düsseldorf oder Köln vorstellbar. Und noch weniger sei es denkbar, dass flächendeckend Sicherheitskräfte auf den Bahnsteigen postiert würden – zumal selbst die höchstens abschreckend wirken könnten. Dass Sicherheitsleute einem Täter in einer Situation wie der in Voerde rechtzeitig in den Arm fallen könnten, damit wäre kaum zu rechnen. „Es ist sehr tragisch, was sich da zugetragen hat. Aber verhindern kann man es nicht“, sagt Esselborn.

Er kann nur Tipps geben, die Unfälle verhüten, die sich ebenfalls immer wieder auf tragische Weise ereignen. Wartende sollten immer hinter der weißen Sicherheitslinie auf dem Bahnsteig bleiben. Einem abfahrenden Zug sollte man keinesfalls hinterherlaufen; immer wieder komme es vor, dass Menschen dabei stürzen und zwischen Zug und Bahnsteigkante geraten. Und generell können Menschen die Augen offenhalten und aufmerksam darauf achten, wie ihre Mitreisenden sich verhalten. Nur: Wenn jemand plötzlich von hinten gestoßen werde, „dann hat man gar keine Chance zu reagieren“.

Mehr auf MSN

Video wiedergeben
| Anzeige
| Anzeige

RP ONLINE

| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon