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Frankreich debattiert über die künstliche Befruchtung für alle

Die französischen Abgeordneten haben damit begonnen, die bioethischen Gesetze des Landes zu aktualisieren. Neben vielen Themen wie Euthanasie, Anonymität der Samenspender oder Operationen bei intersexuellen Neugeborenen wirft ein Kapitel mehr Debatten auf als andere: Der Zugang aller Frauen zur medizinisch unterstützten Fortpflanzung - unabhängig von ihrem Familienstand oder ihrer sexuellen Orientierung. Sollte der Gesetzesentwurf angenommen werden, könnte er das Leben vieler Frauen verändern. "Ich habe eine Tochter, die fast vier Jahre alt ist. Ihr Name ist Louise. Ich bekam sie mit meiner Ex-Frau. Jetzt bin ich wieder verheiratet, also hat Louise zwei Mütter und eine Stiefmutter. Wir haben zwei Jahre lang darüber nachgedacht. Sollen wir einen bekannten oder unbekannten Spender nehmen? Sollen wir es allein tun oder sollen wir eine medizinische Methode im Ausland verwenden?", erzählt Marie. Nach zwei Jahren des Überlegens entschieden sich Marie und ihre Frau schließlich für eine künstliche Befruchtung - zuerst in Spanien und dann in Belgien. Sie mussten vier Jahre warten, bis die Samenübertragung klappte. "Vier Jahre lang lebst du dafür, musst da durch. Wir haben in vier Jahren 45.000 Euro ausgegeben. Es ist nicht illegal, eine künstliche Befruchtung im Ausland zu haben. Darüber müssen wir uns im Klaren sein. Eine künstliche Befruchtung in Frankreich für lesbische Paare oder für alleinstehende Frauen ist jedoch nicht legal. Das bedeutete, dass ich ins Ausland musste, um ein Kind bekommen zu dürfen. Ich habe jede einzelne Sekunde des Prozesses bedauert, dass ich es nicht in Frankreich machen konnte." In der EU verbieten noch immer neun Länder lesbischen Paaren oder alleinstehenden Frauen eine künstliche Befruchtung durchführen zu lassen. Doch diesen Sommer wurde in Frankreich ein Bioethik-Gesetz vorgestellt, dass dieses Recht allen Frauen geben soll. "Wenn eine Frau künstlich befruchtet werden will, egal welchen Status sie hat, kann sie das tun, entweder in Frankreich oder im Ausland. Wenn wir jedoch die Dinge so organisieren, dass wir am Ende eine rechtlich ungenaue Situation haben, in der wir "Mutter und Mutter" haben würden - das heißt, wir würden Kinder ohne Vater schaffen - und gleichzeitig Vaterschaftsuntersuchungen für anonyme Samenspender genehmigen, hat das etwas von einem Oxymoron. Das ist etwas schwer zu glauben", sagt Haïm Korsia, Oberrabbiner Frankreichs. "Für uns ist dieser Gesetzentwurf ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung - sowohl für die Rechte der Frauen als auch für die LGBT-Familien. Damit sie endlich voll akzeptiert werden und Frauen, die eine Familie gründen wollen - ob sie nun in einem LGBT-Paar oder Single sind - dies endlich tun können, ohne ins Ausland gehen zu müssen und hohe Gebühren, Gesundheitsprobleme oder Probleme am Arbeitsplatz zu haben", erklärt Laurene Chesnel von der Organisation Inter-LGBT. "In den vergangenen Wochen haben die Abgeordneten Vertreter von LGBT-Verbänden sowie Geistliche und medizinische und philosophische Persönlichkeiten angehört. Die parlamentarische Debatte soll am 24. September beginnen. Einer kürzlich durchgeführten Umfrage zufolge stimmen mehr als 60 Prozent der Franzosen der Reform zu. Und, es scheint, dass die parlamentarische Mehrheit der Öffnung des Zugangs zu künstlicher Befruchtung für alle Frauen zustimmt. Die LGBT-Verbände befürchten jedoch, dass das eine zweite Runde gewalttätiger Opposition auslösen könnten, wie dies 2012 bei der Debatte über die Homo-Ehe der Fall war", berichtet Guillaume Desjardins für Euronews.
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