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Großbritannien verbietet erstmals sexistische Werbung

SZ.de-Logo SZ.de vor 4 Tagen Von Vivien Timmler
Ein Werbespot für den e-Golf von VW ist in Großbritannien künftig untersagt. © Volkswagen AG Ein Werbespot für den e-Golf von VW ist in Großbritannien künftig untersagt.

• In Großbritannien sind zwei erste Werbespots wegen enthaltener Geschlechterklischees verboten worden.

• Erst im Juni ist ein Gesetz in Kraft getreten, das Genderstereotype aus Werbeblocks verbannen soll.

• Betroffen ist nun ein Werbespot von Volkswagen und einer für Streichkäse der Marke Philadelphia.

Die Briten räumen ihre Werbeblöcke auf: Nachdem vor wenigen Monaten neue Regeln gegen schädliche Geschlechterstereotype eingeführt worden sind, hat die britische Werbeaufsicht nun erstmals zwei Spots verboten. Einer davon wirbt für den e-Golf von Volkswagen, ein zweiter für Streichkäse der Marke Philadelphia.

Letzterer etwa zeigt zwei Männer in einem Restaurant. Sie werden von ihren Frauen beauftragt, auf die Kinder aufzupassen, vergessen diese banale Alltagsaufgabe jedoch, sobald sie auf einem Förderband vor ihnen Essen erspähen. Wenig später sieht man, wie anstatt der Schnittchen die Kleinkinder auf dem Band durch das Restaurant befördert werden - vollkommen vergessen von ihren Vätern.

Die nationale Werbebehörde Großbritanniens, die Advertising Standards Authority (ASA) teilte am Mittwoch mit, dieser Werbespot "beruhte auf dem Stereotyp, dass Männer nicht so gut wie Frauen in der Lage sind, für Kinder zu sorgen, und implizierte, dass die Väter wegen ihres Geschlechts dabei versagten, sich um sie zu kümmern." Künftig sei der Spot auf allen britischen Sendern verboten. Das Mutterunternehmen Mondelez, zu dem Philadelhpia gehört, erwiderte hingegen, die Werbung zeige ein durchaus positives Bild von Männern. Im Spot sei zusehen, wie sie Verantwortung über- und eine aktive Rollen bei der Kinderbetreuung einnähmen.

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Der Spot von VW, dessen Ausstrahlung die ASA künftig untersagt, ist da schon weniger diskutabel: Die Werbung zeigt vier Männer bei abenteuerlichen und sportlichen Unternehmungen: Ein Vater zeltet mit seinem Sohn in den Bergen, zwei andere befinden sich in in einer Raumkapsel im schwerelosen Raum und ein vierter betreibt trotz einer Beinprothese erfolgreich Weitsprung. Dazu erscheint der Satz "Wir können alles erreichen". Das nächste Bild zeigt eine Frau, wie sie neben einem Kinderwagen auf einer Bank sitzt und liest.

Die britische Werbeaufsicht argumentiert, diese Bilder von Männern in außergewöhnlichen Umgebungen und augenscheinlich passiven Frauen in der Fürsorgerolle würden "altmodischer und stereotyper Sichtweisen auf Geschlechterrollen in unserer Gesellschaft" zeigen und befördern. Geraldine Ingham von der Marketingabteilung von Volkswagen Großbritannien hingegen sagt, die Werbung zeige sowohl Männer als auch Frauen "in herausfordernden Situationen".

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Die beiden Verbote sind die ersten Maßnahmen, seit die Werbeaufsicht in Großbritannien im Juni Kampagnen, die mit stereotypen Geschlechterrollen arbeiten, grundsätzlich untersagt hat. Weitere Beispiele für sexistische Werbung sind laut ASA ein Mann, der keine Windeln wechseln, eine Frau, die nicht einparken kann oder Werbung, die unterstellt, dass Frauen allein für das Kochen und Putzen zuständig seien. Zwar kann die Aufsicht keine Strafen gegen die jeweiligen Konzerne verhängen, britische Sender müssen sich jedoch nach ihren Entscheidungen richten.

Es gibt bereits eine verschärfte Beschränkung, Junkfood zu bewerben

Großbritannien hat das Verbot sexistischer Werbung bereits vor etwa zwei Jahren auf den Weg gebracht. Die Aufsichtsbehörde argumentierte damals, derartige Werbespots könnten vor allem für Kinder negative Folgen habe und sie bei der Gestaltung ihrer Zukunft einschränken. Da Kinder Stereotype besonders schnell verinnerlichten, beeinflussten diese in besonderem Maße, wie sie sich selbst und andere wahrnehmen und was sie sich zutrauen, so die Begründung der ASA.

Im Gegensatz zu den Deutschen sind die Briten traditionell streng, wenn es um Werbebotschaften und deren gesellschaftliche Wirkung geht. Im vergangenen Jahr verschärfte die britische Werbeaufsicht beispielsweise die Regeln für Plakate und Spots, die Lebensmittel mit besonders hohem Zucker-, Salz- oder Fettgehalt bewerben. Auch Werbung, die unrealistische Schönheitsideale verbreitet, hat die Behörde in der Vergangenheit bereits verboten. In Deutschland hingegen gilt die Aufmerksamkeit der Kontrolleure in erster Linie falschen Werbeversprechen und falsch deklarierten Inhaltsstoffen. Ein Verbot sexistischer Werbung hierzulande ist nicht geplant.

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