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Gummersbach: Brandstifter zündete Kirchenorgel an – Polizei sucht Mann mit Rucksack

Kölner Stadt-Anzeiger-Logo Kölner Stadt-Anzeiger 10.11.2018 Arnd Gaudich
Nachdem Brandermittler das Instrument untersucht hatten, nahm Orgelbaumeister Ralf Müller (vorne) den Schaden gemeinsam mit Pfarrer Christoph Bersch in Augenschein. © Gaudich Nachdem Brandermittler das Instrument untersucht hatten, nahm Orgelbaumeister Ralf Müller (vorne) den Schaden gemeinsam mit Pfarrer Christoph Bersch in Augenschein.

Der Orgelbrand in der Gummersbacher Kirche St. Franziskus wurde absichtlich gelegt. Das haben gestern Ermittlungen der Polizei ergeben, die nun nach einem dunkel gekleideten Mann sucht. Wenngleich der Schaden an der Orgel immens ist, zeigt sich Pfarrer Christoph Bersch froh, dass nicht noch Schlimmeres passiert ist: Womöglich hätte die ganze Kirche in Flammen stehen können, wäre das Feuer nicht so schnell entdeckt worden.

Nach dem Großeinsatz der Feuerwehr am Mittwochmittag haben am Freitagmorgen Brandermittler das Instrument untersucht, während in der Kirchenhalle nach wie vor der schwere Brandgestank hing. Nach Informationen unserer Zeitung wurden eindeutige Spuren gefunden, die auf einen Brandstifter hinweisen. Aus ermittlungstaktischen Gründen will die Kripo keine Details nennen. Nach Zeugenbefragungen gehen die Ermittler davon aus, dass der Brandstifter in einem kurzen Zeitfenster zwischen 12.30 und 12.45 Uhr am Mittwoch zugeschlagen haben muss. In diesem Zeitraum habe sich ein dunkel gekleideter Mann in der Kirche aufgehalten, der einen Rucksack dabei hatte. Ob es diese bislang unbekannte Person tatsächlich war, die das Feuer gelegt hat, soll nun geklärt werden. Die Polizei sucht dringend weitere Zeugen und bittet um Hinweise an das Kriminalkommissariat 1, unter der Telefonnummer (0 22 61) 8199-0.

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Bei den Brandermittlungen dabei waren auch zwei Spezialisten der Orgelbaufirma Speith aus Rietberg bei Gütersloh. Orgelbaumeister Ralf Müller hatte die 1998 Orgelpfeifen erst vor kurzem aufwendig gereinigt und war deswegen oft in der Kirche. Der Täter sei ein hohes Risiko eingegangen, als er den Brand legte, vermutet er: „Denn hier sind normalerweise immer Menschen.“ Das Gotteshaus steht täglich von 9 Uhr bis in die Dämmerung für Besucher offen, schildert Pfarrer Bersch. In der Vergangenheit habe man über eine Videoüberwachung diskutiert, nachdem der Opferstock gestohlen worden war, berichtet Rita Sackmann, geschäftsführende Vorsitzende des Kirchenvorstandes. Die Verantwortlichen entschieden sich dagegen, um die Besucher in ihrer Andacht nicht zu stören.

Nach einer ersten Sichtung gehen die Orgelbauer davon aus, dass rund ein Drittel der Orgelpfeifen vom Brand zerstört oder schwerbeschädigt wurde, zudem müsse die gesamte Elektrik erneuert werden. Orgelbaumeister Müller sagt: „Die Pfeifen stammen aus dem Jahr 1928 – hier wurde Kulturgut zerstört. Diesen Klang wird es nicht mehr geben.“ Gut ein halbes Jahr könne es dauern, um das Instrument wiederherzustellen.

Flammen hätten sich in ganzer Kirche ausbreiten können

Den Schaden schätzen die Experten auf eine Summe im sechsstelligen Bereich. Bersch hofft, dass die Versicherung den Schaden begleichen wird. Müllers Kollege Georg Horstkemper lobt das besonnene Vorgehen der Feuerwehr: Weil die Einsatzkräfte die Flammen mit einem Kohlendioxid-Löscher und dann nur wenig Wasser gelöscht haben, wurde die Orgel nicht noch schwerer beschädigt.

Zum Glück, so sagt Orgelbauer Müller, sei das Feuer so rasch entdeckt worden: „Denn die Orgelpfeifen bestehen aus einer Legierung aus Zinn und Blei und haben einen niedrigen Schmelzpunkt. Zudem steckt die Orgel in einer Holzverkleidung. Hätten sich die Flammen ausbreiten können, wären sie durch die Decke gegangen.“

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