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Hans-Joachim Lehmann: Verleumder war selbst bei der Stasi

Berliner Zeitung-Logo Berliner Zeitung 14.09.2018 Mike Wilms
Buchautor Hans-Joachim Lehmann ließ sich von der Stasi anwerben. © dpa/Uli Deck Buchautor Hans-Joachim Lehmann ließ sich von der Stasi anwerben.

Er liefert sich seit Wochen einen öffentlichen Streit mit Senatssprecherin Claudia Sünder und wirft ihr in einem 79-seitigen Dossier vor, ihren Lebenslauf gefälscht zu haben. Nun muss der Verfasser des Pamphlets, der Schriftsteller Hans-Joachim Lehmann, selbst dunkle Flecken in der eigenen Biografie einräumen: Er hat für die Stasi gearbeitet.

Nach Angaben des RBB-Inforadios wollte der gebürtige Berliner im Jahr 1975 in die DDR übersiedeln und wurde damals vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) angeworben. Seine Tätigkeit für die Stasi habe Lehmann bei der Aufzeichnung einer Sendung selbst preisgegeben, teilte ein RBB-Sprecher am Freitagnachmittag mit.

Demnach sei das MfS zunächst mit einer Aufforderung zur Kooperation an den Buchautoren und Mediziner herangetreten. Lehmann habe den MfS-Führungsoffizier als „hochgebildeten Mann“ erlebt und daraus den Schluss gezogen, dass die Stasi nicht nur aus schlechten Menschen bestehe. Die Radioreportage soll an diesem Sonntag gesendet werden.

Strafanzeige gegen Lehmann

Das Stasi-Geständnis wirft ein neues Licht auf den Mann, der seit Wochen öffentliche und größtenteils falsche Vorwürfe gegen Senatssprecherin Claudia Sünder erhebt. Das Berliner Landgericht hat ihm bereits bei Androhung eines Ordnungsgeldes von 250.000 Euro verboten, wahrheitswidrige Aussagen über die DDR-Vergangenheit der Sprecherin zu wiederholen. Lehmann hatte in seinem verbreiteten Pamphlet behauptet, dass Sünders Eltern in der SED gewesen seien, und dass sie selbst von der Stasi kontaktiert worden sei.

Dass Claudia Sünder im Jahr 1988 bereits als 19-Jährige für den „Pressedienst Berlin“ tätig war, vermochte sich Lehmann nur mit besonderer Staatstreue zu erklären. Er verspottete die Sozialdemokratin als „Flunker-Queen“ und behauptete, sie habe einige Stationen in ihrem Lebenslauf frei erfunden. Die Senatskanzlei, Sünders Arbeitgeberin, erstattete daraufhin Strafanzeige gegen Lehmann. Die Staatsanwaltschaft durchsuchte dessen Haus und Büro und beschlagnahmte Computer, Handys und Speichermedien.

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