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Heftige Regenfälle: Mehrere Tote bei Unwettern auf Mallorca - zwei Deutsche vermisst

Tagesspiegel-Logo Tagesspiegel 11.10.2018 Ralph Schulze
Autos stehen auf einer überfluteten Straße im Wasser. © Foto: Policía Nacional/Europa Press/dpa Autos stehen auf einer überfluteten Straße im Wasser.

Der Mittwochmorgen offenbarte das ganze Ausmaß der Regen- und Schlammkatastrophe der vorhergehenden Nacht: In Sant Llorenç des Cardassar, rund 60 Kilometer östlich von Mallorcas Hauptstadt Palma, sieht man in den Straßen umgestürzte Autowracks. Einige sind ineinander verkeilt. Andere liegen zerbeult auf dem Dach oder auf der Seite. Schlamm bedeckt Straßen und Hausfassaden.

Alles begann am Dienstagabend, als heftige Unwetter den Dorfbach in Sant Llorenç in kurzer Zeit in einen reißenden Strom verwandelte. Die Wassermassen wälzten sich durch die Straßen des Ortes, in dem rund 8000 Menschen leben. Dutzende Autos wurden von den Fluten mitgerissen. Einige Fahrzeuge wurden von Sant Llorenç bis in den rund zehn Kilometer östlich liegenden Küstenort S’Illot geschwemmt.

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Viele Bewohner flüchteten auf Dächer

Ein Bewohner in Sant Llorenç berichtete, wie er sein Leben rettete, als auch sein Auto von der Flutwelle erfasst wurde: „Ich konnte durch ein Fenster herausklettern.“ Sein Auto sei dann flussabwärts getrieben, er selbst habe sich schließlich bis zum Ufer kämpfen können. Binnen weniger Stunden seien rund 220 Liter Regen pro Quadratmeter über dem Inselosten niedergeprasselt, erklärte das staatliche Wetteramt nach der Katastrophe. Zu viel für den Bach Ses Planes.

Das Wasser drang in Sant Llorenç durch Türen und Fenster ein. Viele Bewohner mussten sich in die oberen Stockwerke oder sogar auf die Dächer ihrer Behausungen flüchten. Auch auf Bäumen hatten Menschen Zuflucht gesucht. Alles sei so schnell gegangen, sagte Bürgermeister Mateu Puiggrós, dass es nicht möglich gewesen sei, die Bevölkerung zu warnen.

Nach der vorläufigen Bilanz der Behörden wurden mindestens zehn Menschen in Sant Llorenç sowie in den Nachbarorten S’Illot und Artá getötet. Auch zwei britische Urlauber befinden sich unter den Toten. Zudem gab es zahlreiche Verletzte. Wie der Rettungsdienst am Donnerstag mitteilte, werden auch zwei Deutsche vermisst.

Zahl der Opfer könnte noch steigen

Die Zahl der Opfer könnte noch steigen. Die Behörden schlossen nicht aus, dass sich in mehreren Autos, die ins Meer gespült wurden, weitere Opfer befinden.

Einige starben in ihren Häusern, wo sie offenbar von der schnell ansteigenden Flut überrascht worden waren. Andere wurden in ihren Fahrzeugen gefunden, wie etwa zwei britische Urlauber, die im Wrack eines Taxis entdeckt wurden. Der Fahrer wird noch vermisst.

Es ist die schlimmste Unwetterkatastrophe, an die sich die Menschen auf Mallorca erinnern können. 2001 waren bei einem Unwetter mit orkanartigem Wind fünf Menschen gestorben und 80.000 Bäume entwurzelt worden. 1989 kamen bei Überschwemmungen fünf Menschen auf Mallorca und Ibiza um.

Mehr als 400 Rettungskräfte arbeiteten am Mittwoch in der Region der Ferieninsel. Sogar Taucher waren im Einsatz. Zudem rückte eine Militäreinheit mit Spürhunden, Hubschraubern und Räumgerät an, um bei der Suche nach Vermissten zu helfen. Hunderte mussten die Nacht zum Mittwoch in provisorischen Unterkünften verbringen.

Es entstand Schaden in Millionenhöhe

Einige Hotels boten an, obdachlos gewordene Menschen aufzunehmen. In Sant Llorenç und in mehreren Nachbarorten fielen vorübergehend der Strom und das Telefonnetz aus. Es entstand Schaden in Millionenhöhe. Über der Inselhauptstadt entluden sich ebenfalls starke Gewitter, auf dem Internationalen Flughafen kam es deswegen zu Verzögerungen.

Am Tag nach der Katastrophe wuchs die Kritik an den Inselpolitikern, weil diese das Risiko in Sant Llorenç unterschätzt hätten. Der Chef des geografischen Instituts an der Uni in Palma sagte: „Man hat fast den Eindruck, als ob das durch den Ort führende Bachbett von einem Massenmörder gestaltet worden wäre.“ In der Umgebung des Bachbettes seien planlos Häuser gebaut worden, obwohl das Überflutungsrisiko bekannt gewesen sei. Spaniens Regierungschef Pedro Sanchez, der am Mittwochnachmittag den Katastrophenort besuchte, äußerte sich entsetzt über das Ausmaß der Überschwemmungen und versprach Hilfe.

Außenminister Heiko Maas (SPD) zeigt sich über die Nachrichten aus Mallorca erschüttert. „Diese Naturkatastrophe hat viele Menschen völlig überrascht“, erklärte Maas. „Unsere Gedanken sind bei all denen, die Freunde oder Familienangehörige verloren haben oder noch vermissen. Wir wünschen den Betroffenen in diesen schweren Stunden Kraft und Zuversicht.“ (mit AFP)

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