Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Hermes in Haldensleben: Zwei Tote und ein Schwerverletzter in Paketzentrum

Tagesspiegel-Logo Tagesspiegel 16.10.2019

Nach einer Unglücksserie in Haldensleben wurde befürchtet, dass ein vergiftetes Paket der Auslöser war. Nach einem Großeinsatz gab die Feuerwehr Entwarnung.

Feuerwehrleute in Schutzanzügen in Haldensleben © Foto: Matthias Strauß/dpa Feuerwehrleute in Schutzanzügen in Haldensleben

Nach dem plötzlichen Tod zweier Mitarbeiter und dem Fund eines Schwerverletzten beim Paketdienstleister Hermes in Haldensleben (Sachsen-Anhalt) geht die Polizei von einer unglücklichen Verkettung von Zufällen aus. Hinweise dafür, dass gefährliche Substanzen den Tod der beiden Männer ausgelöst haben, gab es nach ersten Erkenntnissen nicht, hieß es von den Behörden.

Die ungewöhnliche Häufung von Unglücksfällen hatte einen Großeinsatz der Feuerwehr ausgelöst, der bis in die frühen Morgenstunden dauerte. Dabei wurden auch Vorkehrungen für eine mögliche Gefährdung durch Giftstoffe getroffen, die sich bis zum frühen Morgen jedoch nicht bestätigte. Testgeräte hatten an einem der untersuchten Pakete geringste Mengen eines handelsüblichen Stoffes angezeigt, der laut Polizei in großen Mengen gefährlich sein könnte. „Die Dosis, die man braucht, um zu sterben, wurde nicht erreicht“, sagte ein Polizeisprecher am Mittwochmorgen.

Top-Themen der MSN-Leser:

Dortmund: 12-Jähriger bedroht Kinder mit Messer

Video: Schlammlawine legt Ort lahm

USA: Mann fährt Leichen Hunderte Kilometer durch die Gegend

Schon in der Nacht hatte die Polizei vermutet, dass es bei den Todesfällen keine Fremdeinwirkung gegeben hatte. „Wir gehen davon aus, dass das ein unglücklicher Zusammenhang ist, aber wir können eben halt nicht ausschließen, dass es sich um eine Gefährdungssituation handelt“, sagte ein Polizeisprecher in der Nacht.

Die Feuerwehr öffnete deshalb dem Sprecher zufolge alle Pakete in dem Transporter, in dem ein Hermes-Mitarbeiter in Haldensleben unmittelbar vor seinem Tod am Dienstag Pakete ausgeliefert hatte. „Das sind ganz normale Zustellpakete gewesen mit handelsüblichem Inhalt“, sagte der Polizeisprecher.

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Todesfälle mit der Substanz „gar nichts“ zu tun haben. Der Einsatz vor Ort sei am Mittwochmorgen beendet worden, die Ermittlungen gingen aber weiter. „Wir müssen alle Möglichkeiten ausschließen, das ist ja unser Job“, sagte der Sprecher.

Es begann mit einem Todesfall am Dienstagmorgen

Auf dem Gelände des Versandzentrums war am frühen Dienstagmorgen zunächst ein toter Mann entdeckt worden. Der 58-Jährige sei zusammengebrochen und vor Ort gestorben, sagte der Polizeisprecher. Am Nachmittag wurde dann in Haldensleben in einem Transportfahrzeug von Hermes ein weiterer Mitarbeiter tot aufgefunden. Der 45-Jährige saß leblos auf dem Fahrersitz.

Zudem wurde am Dienstag auf dem Gelände des Versandzentrums ein Mann schwer verletzt entdeckt. Wie die Polizei am frühen Morgen mitteilte, habe sich dies jedoch als „ein ganz normaler medizinischer Notfall“ herausgestellt.

Bei dem Großeinsatz der Feuerwehr waren 120 Kräfte im Einsatz. Der Betrieb im Versandzentrum Haldensleben mit 3000 Mitarbeitern wurde in der Nacht zu Mittwoch vorsichtshalber vorübergehend eingestellt. Das Gelände sei für die Ermittler abgesperrt, sagte ein Hermes-Sprecher. Dem Polizeisprecher zufolge wurde die Spätschicht früher entlassen, die Nachtschicht habe nicht begonnen. Dies sei als Vorsichtsmaßnahme geschehen, weil zwei völlig gesund wirkende Menschen innerhalb kürzester Zeit gestorben seien.

Feuerwehrleute in Schutzanzügen und mit Atemmasken suchten in der Nacht eine Wohnung auf, wo der 45 Jahre alte Hermes-Mitarbeiter vor seinem Tod ein Paket ausgeliefert hatte. Sie untersuchten es auf mögliche Giftstoffe - mit negativem Ergebnis. Dieses Päckchen war nach Angaben des Polizeisprechers das einzige in dem Fahrzeug, das zuvor nicht im Versandzentrum selbst gepackt worden war, sondern das von außen versandt wurde. An dem Standort wickelt Hermes neben der Lagerlogistik auch die Paketzustellung ab.

Die Leichen der beiden Männer sollen am Mittwoch obduziert werden, um die Todesursache zu klären. Hinweise auf Fremdeinwirkung gab es laut Polizei nicht. (dpa)

Mehr auf MSN

Video wiedergeben

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von Tagesspiegel

| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon