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Kampferprobte Banden: Die Blutspur der Tschetschenen-Mafia

Berliner Kurier-Logo Berliner Kurier 12.10.2018 Alexander Schmalz, Lutz Schnedelbach
2016: Anschlag auf den Deutsch-Türken Mesut T. (43) mitten im Berufsverkehr auf der Bismarckstraße in Charlottenburg. © dpa 2016: Anschlag auf den Deutsch-Türken Mesut T. (43) mitten im Berufsverkehr auf der Bismarckstraße in Charlottenburg.

Schutzgeld, Erpressung, Drogenhandel: Kriminelle aus der Kaukasus-Republik Tschetschenien sind auf dem Vormarsch. Mehr und mehr übernehmen sie von Arabern, Türken und Osteuropäern die Geschäfte der organisierten Kriminalität. Viele Männer sind aufgrund des Bürgerkriegs in den 90er-Jahren kampferprobt. Sie gelten als besonders brutal und unberechenbar. Junge „Soldaten“ werden bei Kampfsportvereinen rekrutiert.

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Konkurrenten werden mit Gewalt verdrängt 

Über 250 Tschetschenen werden derzeit vom Bundeskriminalamt (BKA) beobachtet, viele von ihnen leben in Berlin. Früher agierten sie noch als Handlanger für andere Clans. Seit 2015 haben sie viele kriminelle Geschäfte selbst übernommen. Ihre Konkurrenten verdrängen sie mit extrem hoher Gewaltbereitschaft. Die Razzia am Mittwoch war ein deutliches Zeichen der Polizei gegen diese Banden. Und es wird nicht bei dieser einen Aktion bleiben.

Nach einem Schusswechsel am 1. August zwischen zwei verfeindeten tschetschenischen Gangs hat die Polizei jetzt die Identitäten von zehn Verdächtige überprüft. Sie alle mussten wieder freigelassen werden. Acht weitere Bandenmitglieder konnten erst gar nicht aufgespürt werden. Die Justiz schlägt Alarm: Die Kriminellen aus dem Kaukasus haben in der Hauptstadt die Bandenkriminalität aufgemischt.

Im März 2016 starb der Deutsch-Türke Mesut T. (43) bei einem der spektakulärsten Anschläge der letzten Jahre in Berlin. Als er mit seinem VW losfuhr, explodierte mitten im Berufsverkehr auf der Bismarckstraße in Charlottenburg eine Autobombe. Auslöser des Auftragsmordes soll ein verpatzter Kokain-Deal gewesen sein – in den Tschetschenen involviert waren.

Im August 2016 erschossen Unbekannte Dirk S. (28), ein Mitglied des Rockerclubs „Guerilla Nation“, vor dem Clubhaus in Lichtenberg. Offenbar wollte eine tschetschenische Bande aus dem Kaukasus die Geschäfte der „Guerilla Nation“ übernehmen – mit Erfolg. Nur wenige Monate nach dem Mord an Dirk S. löste sich die „Guerilla Nation“ auf.

Eine Gruppe namens „Guerilla Nation Vainakh“, die vorwiegend aus Tschetschenen besteht, gründete sich. Die neue Rocker-Gruppierung besteht nach Angaben der Senatsinnenverwaltung noch immer aus mehr als 20 Männern. Hinzu kommen bis zu 100 Männer aus dem Umfeld der „Guerilla Nation Vainakh“. 2017 schoss ein Tschetschenen-Kommando 16 Mal auf ein Café in Wedding, das von Albanern geführt wird. Hinzu kommen zahlreiche weitere Delikte im Drogenmilieu.

Die Taktik der Tschetschenen-Mafia unterscheidet sich von denen aus anderen osteuropäischen Ländern, teilt das BKA mit.

diday-media-schießerei-maerkisches-viertel © Diday-Media diday-media-schießerei-maerkisches-viertel

Wenn konkurrierende Gruppen stark und in der Szene etabliert sind, erklären sich Tschetschenen bereit, zu kooperieren. Wenn die Männer aus der Kaukasus-Republik merken, ihr Einfluss steigt, verdrängen sie ihre Konkurrenten.

Drogengelder fließen auch in den islamistischen Terror

BKA-Ermittler sind sich sicher, dass Gelder aus Drogengeschäften auch in den islamistischen Terror fließen. Nirgendwo sonst hat das BKA so enge Verbindungen zu islamischen Extremisten festgestellt wie bei den Tschetschenen.

So verkehrten einige Gefährder in Berlin zum Beispiel ebenfalls in der inzwischen geschlossenen Fussilet-Moschee in Berlin-Moabit, in der auch der Breitscheidplatz-Attentäter Anis Amri mehrfach war.

BKA-Ermittler sollen sogar Verbindungen tschetschenischer Gefährder zu höchsten politischen Kreisen entdeckt haben – bis hin zum tschetschenischen Präsidenten Kadyrow.  

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