Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Kleine Kölner Spielplätze verwahrlosen: Alkohol und Drogen statt spielenden Kindern

Kölner Stadt-Anzeiger-Logo Kölner Stadt-Anzeiger 12.07.2018 ksta
Neuer Inhalt: Zugemüllte Spielplatzfläche in Pesch © KSTA Zugemüllte Spielplatzfläche in Pesch

Kleine Spielplätze in den Vierteln sind die Sorgenkinder. Das ist das Ergebnis des Leseraufrufs, den der Kölner Stadt-Anzeiger im Zuge seines Spielplatz-Tüvs gestartet hatte: Während die großen Spielplätze vom Mediapark über den Rheinpark bis zum Grüngürtel in in Sachen Wartung und Spielwert deutlich besser geworden sind, führen gerade in den weniger prominenten Stadtvierteln viele kleine Plätze ein Schattendasein. Dabei gehen die Klagen kaum in Richtung mangelnder Sicherheit. Das Thema, das die Leser umtreibt, ist eher Verwahrlosung.

Das könnte Sie auch interessieren:

BGH-Urteil: Eltern dürfen Facebook-Konto der toten Tochter einsehen

Dabei ist die Dynamik überall ähnlich: erst werden in die Jahre gekommene Geräte von der Stadt aus Sicherheitsgründen abgebaut. Wenn diese dann nicht zeitnah ersetzt werden, setzt sich eine Abwärtsspirale in Gang, der Platz verwahrlost: So berichtet etwa Martina Cömlek, Mutter von drei kleinen Kindern aus Ostheim, dass von dem dortigen Spielplatz am Buchheimer Weg nur noch „ein mit Unkraut bewachsener Sandkasten und eine riesige Wiese voller Hundekot“ übrig seien. Die Kinder ziehen sich zurück und auf den übrig gebliebenen Bänken versammeln sich nun laut ihren Angaben Jugendliche und Erwachsene, die Alkohol und Drogen konsumieren. Und regelmäßig Müll und Scherben hinterlassen.

Eine Entwicklung, die auch Leser aus anderen Vierteln rechts- wie linksrheinisch bestätigen: Etwa Yasemin Arman, die aus dem „kinderreichen Merheim“ schreibt, dass der Spielplatz am Bahnübergang Detmolderstraße „seit Jahren vor sich hinvegetiert“ und nur noch eine kleine Rutsche, eine Wippe und ein ungepflegter Sandkasten übrig seien: „Kinder spielen dort gar nicht mehr, nur noch Jugendliche, die leider zu bequem sind, ihren Müll zu entfernen.“ Geschichten, die sich alle ähnlich lesen: egal ob in Ehrenfeld (Jessestraße) oder Pesch (Heribert-Klar-Platz), wo Mike Klein konstatiert, dass die eigentliche Nutzung nicht mehr möglich sei: „Der Platz wird zugemüllt. Es werden Drogen konsumiert oder verkauft, Alkohol getrunken.“

Die Verwahrlosung zieht neben dem Müll- und dem Alkohol- oder Drogenproblem noch ein weiteres nach sich, über das viele Leser klagen: Die Fläche wird entdeckt als Ort für den Hundeauslauf beim Gassigehen – mit den entsprechenden Folgen. Genauso viele Probleme machen bisweilen die Zweibeiner, die die Büsche zum Austreten nutzen: Wie etwa auf dem kleinen Spielplatz in der Jessestraße in Ehrenfeld, wie Anwohnerin Almut Maier berichtet, die das aus ihrem Fenster beim Frühstück betrachtet: „Erst kommen die Gymnasiasten vor der Schule zum Kiffen und Urinieren nach Bedarf. Dann kommt die Kolonne der AWB, die morgens den Müll der Jugendlichen entsorgt, um sich dann nach getaner Arbeit im umliegenden Grün des Spielplatzes zu erleichtern.“ Wenn dann kurz darauf die Kollegen der Müllabfuhr beim Leeren der Tonnen den Spielplatz zum kurzen Boxenstopp als Urinal nutzen, „dann wird mir ganz schön mulmig, wenn danach eine U3-Kita-Gruppe mit ihrer Erzieherin den Platz betritt und die Kleinen durch die Büsche strolchen.“

Die Stadtverwaltung tue sehr viel, um die Spielplätze sauber zu halten und sei mit einem hohen Personalaufwand mit Ordnungsamt, Grünflächenamt und AWB unterwegs, so die zuständige Dezernentin Agnes Klein. „Leider gibt es aber Menschen, die sich nicht für das Allgemeinwohl interessieren und sich für nichts verantwortlich fühlen.“ Der beste Schutz seien aus Erfahrung Spielplatzpaten: „Sobald eine soziale Kontrolle da ist, wächst die Hemmschwelle, sich daneben zu benehmen.“ Klein ermutigt Eltern ausdrücklich, immer wieder auf Schäden und Missstände aufmerksam zu machen – unter Angabe der Spielplatznummer beim Service des Ordnungs- und Verkehrsdienstes (Tel. 221-32000). Beobachteter Drogenkonsum und -handel solle unmittelbar der Polizei unter Tel. 2290 gemeldet werden. Wenn aus Sicherheitsgründen abgebaute Geräte über längere Zeit nicht ersetzt werden, kann das nach Angaben der Stadt auch den Grund haben, dass an dieser Stelle eine neue Planung erfolgt. Die nehme dann eine gewisse Zeit in Anspruch, zumal das Ziel sei, auch Kinder, Jugendliche und Anwohner einzubinden.

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von Kölner Stadt-Anzeiger

Kölner Stadt-Anzeiger
Kölner Stadt-Anzeiger
| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon