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Kokain unter Bananen: LKA macht spektakulären Drogenfund

SZ.de-Logo SZ.de vor 5 Tagen Von Martin Bernstein
Nach dem Drogenfund hat das LKA etwa 670 Kilogramm des sichergestellten Rauschgifts zu Anschauungszwecken aufgebaut, garniert mit frischen Bananen. © Robert Haas Nach dem Drogenfund hat das LKA etwa 670 Kilogramm des sichergestellten Rauschgifts zu Anschauungszwecken aufgebaut, garniert mit frischen Bananen.

• Das Bayerische Landeskriminalamt hat den spektakulärsten Ermittlungserfolg in seiner Geschichte präsentiert.

• Die Ermittler haben Kokain mit dem illegalen Marktwert von rund 400 Millionen Euro gefunden.

• Der Weg des Rauschgifts begann in Ecuador, wo es in Bananenkisten versteckt wurde.

Den Appetit solle sich niemand verderben lassen, sagt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Mittwochmittag launig, er sei selbst ein "überzeugter Konsument - von Bananen". Wegen der je nach Reifegrad grünen bis gelben Früchte allein hätte das Bayerische Landeskriminalamt (LKA) bestimmt keine Pressekonferenz einberufen. Und schon gar keine mit Maschinenpistolen bewaffneten und vermummten Spezialkräfte im Foyer an der Maillingerstraße verteilt.

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Es geht um das, was unter den Bananen versteckt war: Kokain mit dem illegalen Marktwert von rund 400 Millionen Euro. Etwa 670 Kilogramm des sichergestellten Rauschgifts sind zu Anschauungszwecken aufgebaut, garniert mit frischen Bananen. Es ist der spektakulärste Ermittlungserfolg in der Geschichte seiner Behörde, sagt LKA-Chef Robert Heimberger.

Am Fahndungserfolg sind zeitweise 500 Polizisten und Zollbeamte in ganz Deutschland beteiligt. Doch Schaltzentrale ist die achtköpfige Ermittlungsgruppe "Paraguay" in München. Kriminaldirektor Jörg Beyser beschreibt, wie die Fahnder auf die Spur der Drogenschmuggler kamen. Es beginnt im Herbst mit zwei Ereignissen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben.

Im Foyer an der Maillingerstraße waren mit Maschinenpistolen bewaffneten und vermummten Spezialkräfte verteilt. © Robert Haas Im Foyer an der Maillingerstraße waren mit Maschinenpistolen bewaffneten und vermummten Spezialkräfte verteilt.

In eine Reifehalle in Eitting (Kreis Erding), in der Hunderttausende Bananen durch Wärme und Begasung ihre Farbe von grün zu gelb wechseln sollen, wird eingebrochen. Wenig später - es ist der 22. und 23. September - fallen den Angestellten in zehn südostbayerischen Rewe-Märkten zwischen Kiefersfelden und Passau beim Auspacken der Obstkisten fast die Augen aus dem Kopf. Unter den Bananen finden sie hoch konzentriertes, säuberlich in Kilo-Portionen verpacktes Kokain und rufen die Polizei.

Beamte der gemeinsamen Ermittlungsgruppe Rauschgift des LKA und des Münchner Zollfahndungsamts nehmen gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Landshut die Spur auf. Bald finden sie heraus: Der Einbruch und die Kokainfunde sind Teil eines die halbe Welt umspannenden kriminellen Plans. In Ecuador werden die Kokainpakete in den Obstkisten versteckt. Mit Schiffen, die hunderte Tonnen Bananen geladen haben, wird das Rauschgift in den Hamburger Hafen gebracht.

Von dort gelangen die Bananenkisten wieder per Lkw in Reifereien in ganz Deutschland. In neun dieser Hallen brechen die Gangster ein, um das Kokain wieder an sich zu bringen. Ein Überwachungsvideo zeigt, dass sie genau wissen, an welcher Stelle sie nach welchen Kisten suchen müssen. In Eitting haben sie buchstäblich daneben gelangt. Deshalb kommen die Kisten mit dem Kokain in den Handel. Doch der Film verrät den Fahndern noch etwas - die Schmuggler sind bewaffnet.

Der letzte Einbruch ereignet sich im März in München. 185 Kilogramm Kokain holen die Täter dort aus einer Reifehalle. Dann schnappt die Falle zu. In Hamburg und Hannover nehmen Spezialeinsatzkommandos insgesamt zwölf Verdächtige fest. Die aus Albanien stammenden Männer haben 180 Kilo Kokain, 30 000 Euro und zwei Revolver dabei. Doch die Arbeit der Ermittler hat damit erst begonnen. Jetzt jagen sie die Hintermänner.


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