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Kudamm-Raser fuhren Vater tot: Sohn des Opfers: „Für mich ist und bleibt es Mord“

Berliner Zeitung-Logo Berliner Zeitung 26.03.2019 Katrin Bischoff
Die Kudamm-Raser fuhren seinen Vater tot: Für Sohn Maximilian Warshitsky bleibt der Unfalltod seines Vaters Mord. © Paulus Ponizak Die Kudamm-Raser fuhren seinen Vater tot: Für Sohn Maximilian Warshitsky bleibt der Unfalltod seines Vaters Mord.

Maximilian Warshitsky trägt stets ein Lächeln im Gesicht, das etwas verlegen wirkt. So tritt er im Gericht auf. So steht er vor den Fernsehkameras. Seine Worte, hart gesprochen, passen daher so gar nicht zu seiner Freundlichkeit. „Für mich ist und bleibt es Mord“, sagt der 38-Jährige bei einem Treffen in einem Café. Es geht um den Tod seines Vaters vor mehr als drei Jahren. Um das Urteil, das diejenigen an diesem Dienstag vor dem Berliner Landgericht ereilen soll, die für den gewaltsamen Tod des 69-jährigen Vaters mutmaßlich verantwortlich sind. Es geht um die sogenannten Todesraser vom Kurfürstendamm. Warshitskys Vater, ein Arzt im Ruhestand, starb in der Nacht zum 1. Februar 2016 auf der West-Berliner Flaniermeile. Sein Jeep wurde 70 Meter weit geschleudert, als ein mit Tempo 160 bis 170 heranrasender Audi auf der Tauentzienstraße ungebremst in das Auto krachte. Der Arzt wurde Opfer eines illegalen Straßenrennens, das sich die damals 26 und 24 Jahre alten Hamdi H. und Marvin N. auf dem Kudamm und der Tauentzienstraße geliefert haben sollen.

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Der geleaste Wagen des Kudamm-Rasers am Kurfürstendamm in Berlin. Ein Rentner kam beim Unfall zu Tode. © ABIX Der geleaste Wagen des Kudamm-Rasers am Kurfürstendamm in Berlin. Ein Rentner kam beim Unfall zu Tode.

In einem ersten Prozess waren die jungen Männer wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Doch der Bundesgerichtshof hob das Urteil auf, weil ihm die Begründung nicht genügte. Er schloss aber eine erneute Verurteilung wegen Mordes nicht aus. Seitdem streitet das Land, ob Raser Mörder sein, ob sie auf einer Stufe stehen können mit Verbrechern, die hinterrücks einen Menschen erschlagen, um an dessen Geld zu gelangen. Selbst unter Juristen ist der Fall umstritten.

„Man kann“, sagt Maximilian Warshitsky überzeugt. Er sieht es wie der Staatsanwalt, der vor zwei Wochen erneut lebenslänglich für die Angeklagten beantragt hat. Es gehe ihm nicht um Rache, sagt der Sohn. Es gehe um Gerechtigkeit. Wer mit der dreifachen der erlaubten Geschwindigkeit ungebremst durch die Innenstadt „fliege“, müsse damit rechnen, einen Menschen zu töten. „Die Angeklagten haben den Tod meines Vaters billigend in Kauf genommen. Und nur, um ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.“ Maximiliam Warshitsky spricht von Vorsatz, von Mordmerkmalen. Er hatte Zeit, die Akten zu studieren. Seine Arbeit als Webdesigner ruht, weil „ich den Kopf nicht freihabe“.

Rentner von Kudamm-Rasern in Berlin getötet: Frage nach dem Warum bleibt unbeantwortet

Das Café, das Warshitsky für ein Treffen vorgeschlagen hat, liegt nicht weit von dem Ort entfernt, an dem sein Vater starb. Warshitsky ist Nebenkläger in dem Mordprozess. Anders als sein älterer Bruder, der am Prozess nicht teilnehmen kann, saß er den Angeklagten bereits im ersten Verfahren gegenüber. Jeder Prozesstag sei hart für ihn. Doch er wolle Antworten, wolle wissen, warum sein Vater sterben musste. „Mein Vater war eigentlich auf alles vorbereitet. Er hat mit allem gerechnet, was passieren konnte“, sagt Warshitsky. Mit Katastrophen, mit Krankheiten. Der Vater sei als Armeearzt nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl im Einsatz gewesen. 1987 kam die vierköpfige Familie nach Deutschland. Die Mutter starb 2002 an Krebs. Dann kam, worauf niemand vorbereitet sein kann: Der Vater hatte keine Chance, als er bei Grün abbog.

Er war sofort tot. Doch die Frage nach dem Warum ist für Maximilian Warshitsky bis heute nicht beantwortet. Warum bremsten die jungen Männer nicht, als sie die 90 Meter weit entfernte rote Ampel sahen? Sie hätten noch zum Stehen kommen, den Jeep passieren lassen können, hat Warshitsky im Prozess erfahren. Doch die Angeklagten traten wohl die Gaspedale durch, um das Rennen für sich zu entscheiden. Warshitsky erinnert sich noch sehr genau, wie ihn ein Kollege am Morgen des 1. Februar 2016 anrief. Es habe einen schweren Unfall in der Nähe des Kudamms gegeben, mit einem pinkfarbenen Jeep. Er habe daraufhin immer wieder versucht, seinen Vater telefonisch zu erreichen. Er sei zu dessen Wohnung gefahren und dort sei ihm Topa, der Yorkshire-Terrier des Vaters, entgegengesprungen. 

Der 69-jährige Rentner saß in diesem Jeep, als er vom Kudamm-Raser gerammt wurde und kurz darauf starb. © ABIX Der 69-jährige Rentner saß in diesem Jeep, als er vom Kudamm-Raser gerammt wurde und kurz darauf starb.

Vor der Tür standen schon die Journalisten. Warshitsky wollte damals nicht mit ihnen reden. Heute ist das anders. Er will auf das Schicksal seines Vaters, auf die Gefahren des Rasens aufmerksam machen. „Es betrifft schließlich nicht nur mich und meinen Bruder, sondern es betrifft uns alle da draußen“, sagt er und zeigt vor die Tür des Cafés. Er habe sich oft gewünscht, im Prozess so etwas wie Reue bei den Angeklagten zu spüren oder zu sehen. Doch da „kam nichts“, sagt er. Warshitsky weiß, dass die Angeklagten bei einem Schuldspruch wegen Mordes wieder Revision einlegen werden. Er ist darauf vorbereitet. Nicht aber auf ein mildes Urteil. Am Dienstagmittag wollen die Richter die Entscheidung verkünden.

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