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Lotto am Samstag: Das passiert wirklich bei einem Millionen-Gewinn

EXPRESS-Logo EXPRESS 20.08.2022 Gianluca Reucher (gr)
Auch in finanziell schwierigen Zeiten werden noch reichlich Lottoscheine ausgefüllt. Das Symbolfoto wurde am 20. Mai 2022 in Köln aufgenommen. © dpa Auch in finanziell schwierigen Zeiten werden noch reichlich Lottoscheine ausgefüllt. Das Symbolfoto wurde am 20. Mai 2022 in Köln aufgenommen.

Lotto spielen ist für viele Deutsche ein fester Bestandteil jeder Woche! Selbst in finanziell schwierigen Zeiten – mit der Gaskrise, steigenden Lebensmittelpreisen und vielem mehr – geben die Menschen Geld für ihren Tippschein aus – immer mit der Hoffnung, auf den ganz großen Gewinn. Doch die Chance auf einen „Sechser" im Lotto ist verschwindend gering (rund 1:140 Millionen). Warum also tippen dennoch bei jeder Ziehung so viele Leute?

In einem Interview mit EXPRESS.de verrät Westlotto-Unternehmenssprecher Axel Weber, wieso die Leute auch in harten Zeiten nicht an ihren Lottoscheinen sparen, was sie sich erhoffen und was tatsächlich passiert, wenn jemand einen hohen Gewinn einfährt.

„Die Lizenz zum Träumen“: Die besondere Motivation hinter Lotto

„Lotto hat eine ganz besondere Spielmotivation“, begründet Axel Weber die nach wie vor sehr hohe Spieleranzahl, die er als „krisenunabhängig“ bezeichnet. Demnach sei Lotto in finanziell schwierigen Zeiten nicht das allererste, woran die Leute sparen. Es sei ein sehr stark ritualisiertes Glücksspiel: „In dem Augenblick, wo ich mir den Schein kaufe, habe ich ein gutes Gefühl bis am Samstag die Zahlen gezogen werden.“

Daher würde das Geld eher für einen solchen Tipp genutzt werden, anstatt sich beispielsweise eine Tafel Schokolade zu gönnen, die nur kurzzeitig glücklich macht. Ein Lottoschein ist laut Weber „die Lizenz zum Träumen“. Die Leute wüssten natürlich, wie gering die Chance ist, aber: „Wenn ich nicht spiele, kann ich auch nicht gewinnen.“

Und schließlich hatte jeder schon einmal den Traum, Millionär zu werden! So verweist der Westlotto-Unternehmenssprecher auf die typischen Gedankenspiele: „Was würde ich machen, wenn ich im Lotto gewinnen würde?“ Aufgrund solcher Träumereien haben die Leute ihren einen fixen Betrag, den sie jede Woche einsetzen, „daran sparen die Leute nicht zuerst“. Denn neben den ganzen finanziellen Herausforderungen des Lebens will jeder ein bisschen träumen dürfen.

Zumal Weber zufolge alle zwei Tage in Deutschland jemand Lotto-Millionär wird: „Lotto ist nach wie vor die größte Millionärs-Maschine, die es gibt in Deutschland.“

Aber was passiert eigentlich, wenn wirklich einer oder eine das Glück hat und richtig absahnt? In den USA lassen sich ständig Gewinner und Gewinnerinnen mit monströsen Checks ablichten – das ist in Deutschland nicht der Fall. Wie läuft das Ganze nach einem hohen Gewinn also ab?

Im Lotto gewonnen – und dann? „Da knallt jetzt kein Schampus oder so“

Dass die Gewinner und Gewinnerinnen in Deutschland nicht so sehr in der Öffentlichkeit stehen, hat einen guten Grund. Denn die erste „goldene Regel“ lautet: „Sprich erst einmal mit niemanden!“ So sei in England und den USA alles sehr öffentlich, „das will man in Deutschland nicht und hält die Gewinner anonym“, erzählt Weber und fügt an: „Auf das Spielgeheimnis können sich die Tipper verlassen.“

Ohnehin sei es nicht klug, direkt große Investitionen zu tätigen und den Gewinn an die große Glocke zu hängen. „Man hat jetzt viel mehr Geld und das macht was mit einem, aber man ist kein anderer Mensch“, sagt Weber und meint, dass es wichtig sei, „dass man sich in den ersten Wochen klar darüber wird, was man will“. Große Lebensveränderungen und sofort den Job hinschmeißen? Was sich viele vorstellen, wollen in der Realität tatsächlich die wenigsten. Wichtig sei es gerade am Anfang, erst einmal mit dem Schock, gewonnen zu haben, klarzukommen.

Denn die Freude über den enormen Erfolg ist natürlich groß, aber eines überwiegt: „Man ist perplex.“ Obwohl von einem solchen Gewinn immer geträumt wurde, herrscht zu Beginn vor allem eine gewisse Unsicherheit. „Wann gehen derartige Träume schon einfach so in Erfüllung?“, fragt Weber und berichtet, dass sich die meisten zunächst alle möglichen Zeitungen kaufen, um die Zahlen zu vergleichen: „Aus Angst, dass es einen Druckfehler gibt oder so.“

Kurz darauf wird Kontakt aufgenommen. „Wir laden die Leute zu uns ein und dann läuft das eigentlich ganz nüchtern ab. Da knallt jetzt kein Schampus oder so“, lacht Weber. Stattdessen gäbe es wichtige Beratungen – auch zu Dingen, über die vielleicht nicht sofort nachgedacht werden, wie steuerliche Fragen oder seriöse Banken, denen solche hohen Summen anvertraut werden können. Konkrete Investitions-Tipps gäbe es hingegen nicht: „Man sollte keine unüberlegten Schnellschüsse machen, aber die Entscheidungen muss dann natürlich immer der Gewinner selbst treffen.“

Lotto spielen: „Das ist nicht wie bei einer Wette auf den 1. FC Köln“

Dabei geben viele Spieler und Spielerinnen der Gesellschaft auch etwas zurück. „Sie denken: Ich habe dafür ja nichts getan, also kann ich mit dem Geld auch etwas Gutes tun“, erklärt Weber – schließlich handelt es sich um ein reines Glücksspiel. „Das ist nicht wie bei einer Wette, bei der man glaubt, man weiß mehr als ein anderer. Zum Beispiel: Ich wette auf den 1. FC Köln, weil ich glaube, dass der gewinnt“, meint er weiter und ergänzt: „Beim Lotto sind alle gleich. Da gibt es kein hilfreiches Vorwissen oder so. Das einzige, was einem von anderen Spielern unterscheidet, ist die Zahl.“

Übrigens gäbe es durchaus bestimmte Zahlen, die am häufigsten getippt werden. „Die meisten haben ihre persönliche Glückszahl“, verrät Weber, bei der es sich meistens um eine Zahl zwischen eins und 31 handelt. Aus einem logischen Grund: Die Glückszahl basiere nämlich zumeist auf einem Datum, wie der Geburtstag oder Jahrestag, also wählen die meisten Leute als ihre Zahl einen Tag in einem Monat, der bekanntlich maximal 31 Tage haben kann. Dass hingegen vermeintliche „Pechzahlen“, wie die 13, weniger getippt werden, würde nicht stimmen.

Weber mache es „ehrlich gesagt schon ein bisschen stolz“, dass so viele Gewinner und Gewinnerinnen das Geld nutzen, um Gutes zu tun. Einer habe beispielsweise den Gewinn in seiner kleinen Stadt über die Zeit verteilt immer wieder an mehrere soziale Institutionen gespendet. Ein besonders kurioser Vorfall ist dem Westlotto-Mitarbeiter aber auch in Erinnerung geblieben: So habe es schon einmal einen Gewinner gegeben, der das Geld einfach abgelehnt hat. „Er hat gesagt: Ich brauche das nicht.“ Kaum zu glauben, aber wahr.

Und nicht nur diejenigen, die beim Glücksspiel abräumen, tun etwas für die Gesellschaft. Denn das sogenannte „Lotto-Prinzip“ besagt, dass rund 40 Prozent der Spieleinsätze an das Land NRW gehen, das daraus gemeinnützige Institutionen aus Wohlfahrt, Sport, Kunst und Kultur sowie Umwelt- und Denkmalschutz fördert. „Jeder profitiert von Lotto“, meint Weber dazu und fügt an: „Selbst wenn man nicht Lotto spielt, aber man hat Kinder im Kindergarten oder geht in eine Kirche oder ist in einem Sportverein. Bei allem steckt Lotto irgendwie drin.“ (gr)

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