Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Münster: Geiselnehmer aus JVA bedrohte offenbar bereits zuvor Beamte

DER SPIEGEL-Logo DER SPIEGEL 19.10.2020 Felix Keßler

Ein Häftling hatte in Münster eine Angestellte als Geisel genommen - und wurde erschossen. Einem Bericht zufolge wurde der Mann besonders gesichert, weil von ihm eine erhöhte Gefahr ausging.

© Bernd Thissen / dpa

Der bei einer Geiselnahme in der JVA Münster von der Polizei erschossene Häftling hatte bereits in der Vergangenheit Beamte in dem Gefängnis bedroht. Der 40-Jährige unterlag daher besonderen Sicherungsmaßnahmen. Das geht aus einem Bericht des nordrhein-westfälischen Justizministers an den Rechtsausschuss des Landtags hervor, aus dem die Nachrichtenagentur dpa zitiert.

Demnach war der Geiselnehmer extra in einem Haftraum mit einer Doppeltür untergebracht. Das Öffnen und Betreten seines Haftraums soll nur in Anwesenheit von mindestens zwei Bediensteten erlaubt gewesen sein. Dennoch war es dem Mann am vergangenen Freitag gelungen, eine 29 Jahre alte Auszubildende in seine Gewalt zu bringen.

Die Frau hatte dem Häftling laut dem Bericht mit zwei Kollegen um 6.05 Uhr das Frühstück gebracht. Der Mann habe dann gesagt, er wolle seinen Wäschebeutel übergeben. Als die beiden Zellentüren offen waren, sei er "blitzartig mit einem großen Schritt" herausgekommen, habe die 29-Jährige in den Schwitzkasten genommen und sie mit einem selbst gebauten "Schnitt- oder Stichwerkzeug" am Hals bedroht.

Als die Kollegen versuchten, den Mann zu überwältigen, verlor die JVA-Bedienstete ihren Schlüssel - und landete mit dem Geiselnehmer auf dem Boden. Sie standen den Angaben nach wieder auf, der 40-Jährige wollte durch eine Tür. Schließlich lief er zurück, holte den Schlüssel und wollte Richtung Hof. "Diese Tür wurde durch die Bediensteten gesichert, indem von außen ein Schlüssel zur Zuhaltung der Tür verwendet wurde", hieß es.

Entlassung stand bevor

Anschließend soll der Mann dem Bericht zufolge mit seiner Geisel weiter durch den Zellentrakt geirrt sein, bis um 6.50 Uhr die Polizei den Einsatz übernahm. Um 9.10 Uhr wurde der Geiselnehmer laut Ministerium erschossen. Die Frau blieb nahezu unverletzt.

Der Gefangene verbüßte eine Freiheitsstrafe von vier Monaten wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte, er wäre am 10. November entlassen worden. Nach einem versuchten Totschlag im Jahr 2007 war er schon einmal zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten und Unterbringung in einer Entziehungsanstalt verurteilt worden.

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von DER SPIEGEL

DER SPIEGEL
DER SPIEGEL
| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon