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Mariahilf Klinik: Mutter stirbt bei Geburt

ZEIT ONLINE-Logo ZEIT ONLINE 10.02.2019 Hanna Grabbe

Seit Wochen ist eine Hamburger Klinik in den Schlagzeilen. Nun gab es einen Todesfall und es werden Unterschriften gegen eine Chefärztin gesammelt. Was ist da los?

Das Symbolbild zeigt die geschlossene Tür zu einem Kreißsaal. © Rolf Vennenbernd/dpa Das Symbolbild zeigt die geschlossene Tür zu einem Kreißsaal.

Das Aufsehen um die Geburtenstation in der Helios Mariahilf Klinik hat einen traurigen Höhepunkt erreicht: Am 1. Februar ist dort eine Gebärende in der Klinik gestorben, das wurde nun durch das Hamburger Abendblatt bekannt. Das Baby hat überlebt. Unterdessen spitzen sich die internen Konflikte in der Klinik zu: Seit vergangenem Montag kursiert in der Klinik nach ZEIT-Informationen eine Unterschriftenliste gegen die dortige Chefärztin. Sie hatte die Zustände auf der Geburtenstation kritisiert und gekündigt. Von sieben Oberärzten bleiben nur zwei in der Abteilung.

Die Mariahilf Klinik war nicht nur durch die Kündigungswelle in die Schlagzeilen geraten, sondern auch, weil sie am ersten Februarwochenende aus Personalmangel den Kreißsaal schließen musste. Es passiert in allen Kliniken ab und an, dass Schwangere in ein anderes Haus müssen, weil alle Kreißsäle besetzt sind, derart lange Sperrungen sind allerdings außergewöhnlich. Brisant ist das vor dem Hintergrund, dass das Mariahilf Krankenhaus inzwischen die einzige Geburtsklinik im Hamburger Süden ist. Die benachbarte Asklepios Klinik in Harburg hatte ihren Kreißsaal Ende 2016 komplett geschlossen.

Der nun bekannt gewordene Todesfall ereignete sich ausgerechnet an dem Wochenende, an dem die Harburger Klinik Schwangere über lange Zeiträume hatte abweisen müssen. Die Klinik schreibt in einem Statement, dass der Tod der Frau sich außerhalb der Sperrzeit ereignet habe und in "keinem Zusammenhang" damit stehe. Die ärztliche Besetzung sei "vollumfänglich" gewesen. Medienberichten zufolge hinterlässt die Frau sieben Kinder.

Dass eine Mutter bei der Geburt stirbt, passiert äußerst selten. Laut den jüngsten Zahlen des Hamburger Krankenhausspiegels gab es in der Stadt im Jahr 2016 bei rund 25.000 Geburten keinen einzigen solchen Todesfall, 2015 einen in Hamburg, 20 in ganz Deutschland.

Die Ereignisse treffen den privaten Klinikkonzern Helios in einer äußerst angespannten Situation: Ende des vergangenen Jahres hatten in der Geburtenstation vier von sieben Oberärzten und die zuständige Chefärztin Maike Manz gekündigt, obwohl diese erst 2017 ihren Dienst angetreten hatte.

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Nach ZEIT-Informationen hat inzwischen eine weitere Oberärztin der Geburtshilfe gekündigt

In einer Art internen Abschiedsbriefs, der der ZEIT vorliegt, hatte das Team den anderen Mitarbeitern ihre Gründe dargelegt: "Unter den derzeit existierenden Rahmenbedingungen können wir unseren Ansprüchen an die medizinische Versorgung, die patientenfreundliche Organisationsstruktur und den Umgang mit Mitarbeitern nicht mehr gerecht werden." Unterschrieben hatten nicht nur die Chefärztin und die Oberärzte, die gekündigt hatten, sondern das gesamte Oberarztteam. Man wünsche den verbleibenden Hebammen und Ärzten "Arbeitsbedingungen, unter denen eine gute und zeitgemäße Geburtshilfe auch in Zukunft möglich ist."

Nach ZEIT-Informationen hat inzwischen eine weitere Oberärztin der Geburtshilfe gekündigt, was die Klinik bestätigt. Von den sieben Oberärzten bleiben damit nur noch zwei in der Abteilung.

Woran das System der Geburtshilfe in Deutschland grundsätzlich krankt, hatte die Chefärztin Maike Manz vor Kurzem in einem Interview mit der ZEIT erklärt. Derzeit werden in der Mariahilf Klinik Unterschriften gegen die Ärztin gesammelt. In dem Haus kursiert ein entsprechendes Schreiben, das der ZEIT ebenfalls vorliegt. Unter der Überschrift "Wir sehen das anders!" schreiben dort Mitarbeiter der Klinik, dass man die Sichtweise der Chefärztin Frau Manz nicht nachvollziehen könne: "Wir erleben den Umgang mit unserer Klinikgeschäftsführung und das Gespräch über diese Rahmenbedingungen als fair, kompromissbereit und konstruktiv." Man stehe weiterhin geschlossen hinter der Helios Mariahilf Klinik Hamburg.

Unklar ist, wer die Unterschriftenaktion initiiert hat. Manche Flugblätter sind mit Post-its versehen. Auf einem steht: "Es wäre gut, wenn viele unterschreiben würden. Hr. Fröschle will es der Ärztekammer vorlegen!!" Gemeint ist Phillip Fröschle, der Geschäftsführer von Helios Mariahilf. Die kleine Notiz nährt die Vermutung einiger Mitarbeiter: Die Geschäftsführung habe das Schreiben selbst in Auftrag gegeben, um sich gegen den steigenden öffentlichen Druck zu wehren. Zu dieser These passt eine weitere Notiz auf den Unterschriftenlisten, die die Mitarbeiter dazu aufforderte, bis zum 10.02. zu unterschreiben. Am 12.02. beschäftigt sich die Bürgerschaft mit dem Thema. Geschäftsführer Fröschle soll sich dann im Gesundheitsausschuss den Fragen der Politiker stellen. Rückendeckung könnte er da gut gebrauchen.

Auch der neue Präsident der Hamburger Ärztekammer und erster Vorsitzender des Marburger Bundes in Hamburg Pedram Emami war bereits auf die Kündigungswelle im Mariahilf Krankenhaus aufmerksam geworden und hatte auf Facebook kommentiert: "Ist das ein Wunder, dass das Thema Privatisierung im Gesundheitswesen für viele ein rotes Tuch ist?" Man höre im Marburger Bund derzeit nichts Gutes über den aktuellen Führungsstil.

Nach der Unterschriftenliste gefragt, teilte der Geschäftsführer schriftlich mit: "Die Idee hierfür kommt aus der Pflege und wurde durch den Betriebsrat unterstützt ... Potentielle Empfänger und Zielstellung des Schreibens sind der Klinikleitung bisher nicht bekannt."

Dies ist ein Artikel aus dem Hamburg-Ressort der ZEIT. Hier finden Sie weitere News aus und über Hamburg.

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