Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Mordfall Keira: Wie hält ihre Mutter diesen Prozess aus?

Berliner Kurier-Logo Berliner Kurier 25.09.2018 berliner-kurier

Die Mutter von Keira G. und ihr Anwalt Roland Weber betreten am Dienstag das Gericht. © Pressefoto Wagner Die Mutter von Keira G. und ihr Anwalt Roland Weber betreten am Dienstag das Gericht.

Die Mutter saß dem mutmaßlichen Mörder ihrer einzigen Tochter erstmals gegenüber: Im Fall Keira steht ein Mitschüler des Mädchens vor Gericht. Ist Edgar H. (15) ein eiskalter Killer, der Keira aus Mordlust niederstach? Sie wurde nur 14 Jahre alt.

Ein Prozess, der eigentlich komplett hinter verschlossener Tür läuft. Weil H. erst 15 ist. Für zwei Minuten aber war es anders. Eine Schöffin musste vereidigt werden. Edgar H. stand hinter Panzerglas. Die Kapuze des grauen Marken-Shirts über den Kopf gezogen, das Gesicht hinter einem Blatt Papier verborgen.

Nur drei Meter vom Angeklagten entfernt die Mutter von Keira. Karin G. (41) trägt einen schwarzen Pullover und einen weißen Schal. Sie zeigt bewundernswerte Stärke, hat Edgar H. fest im Blick.

Das könnte Sie auch interessieren:

Gutachterin in Bonner Prozess: Siegauen-Vergewaltiger ist voll schuldfähig!

Wa_27_Prozess_Mord_Keira © Pressefoto Wagner Wa_27_Prozess_Mord_Keira

Was hat diesen harmlos wirkenden Schüler aus geordneten Verhältnissen getrieben, Keira zu töten? Mordlust würde bedeuten, dass er aus Freude daran, ein anderes Leben zu vernichten, getötet hat. Äußerst selten wird das Mordmerkmal Mordlust in Anklagen aufgeführt.

Doch keine Regung von ihm. Anwalt Roland Weber, der Nebenklägerin Karin G. vertritt: „Wir haben nichts von dem Angeklagten gehört.“ Er hüllt sich in Schweigen. Von Reue nach außen hin war nichts zu spüren. Anwalt Weber: „Er saß eben da.“

Edgar H. soll sich am 7. März mit Keira verabredet haben – um ihr bei Hausaufgaben zu helfen. Er wollte zu ihr in die Wohnung in Alt-Hohenschönhausen kommen, wo sie mit ihrer Mutter lebte.

Das ist ebenfalls lesenswert:

Volleyballerin spricht über ihr Leid nach der Amokfahrt

Der Täter hatte alles genau geplant

Keira, die talentierte Eisschnellläuferin. Sie war beliebt bei Mitschülern und in ihrer Trainingsgruppe beim Berliner TSC. Berliner Meisterin ihrer Altersklasse über 1000 und 1500 Meter wurde sie. Sie kannte Edgar H. von der Schule im Grünen Campus Malchow. Sie war in der Klasse 8, er in der neunten Klasse. Sie waren kein Paar, aber wohl gut befreundet. In Keiras Zimmer hing ein Foto von ihm.

Er soll das Grauen genau geplant haben. Mit einer Plastik-Kopfhaube und Gummihandschuhen im Rucksack sei er zu ihr gegangen. Um keine Spuren zu hinterlassen, hieß es. Und mit einem Küchenmesser sei er bewaffnet gewesen.

24 Messerstiche. In den Rücken, den Oberkörper, den Hals. Wuchtig und tief. Ein Stich traf ins Herz. Als Karin G. von der Arbeit nach Hause kam, fand sie ihre geliebte Tochter im Wohnzimmer. Blutüberströmt, sterbend. Ärzte kämpften eine Stunde lang um ihr Leben. Sie konnten das Mädchen nicht zurückholen.

Edgar H. soll auch an ein Alibi gedacht haben. Es klappte nicht. Die Festnahme in seinem Elternhaus am nächsten Tag. Er gab damals Stiche zu, so Ermittler. Der Schüler soll versucht haben, sich rauszureden: „Sie hat es so gewollt.“

Mutter des mutmaßlichen Mörders war die erste Zeugin

Eine Tötung auf Verlangen? Anwalt Weber: „Dafür gibt es keinerlei Anhaltspunkte.“ Könnten Killerspiele einen Einfluss gehabt haben? „Ist mir nicht bekannt“, so Weber. H. sei auch nicht als einer bekannt, der nächtelang vor dem Computer hockte.

Die Mutter des mutmaßlichen Mörders war nun die erste Zeugin. Stundenlang ihre Befragung. Karin G. saß mit im Saal B 218. Ihr Anwalt: „Ein sehr schwerer Gang.“ Sie will dennoch keinen Prozesstag versäumen. Auch wenn es unendlich viel Kraft kostet. Sie will es für Keira tun. Ihr Anwalt: „Sie will wissen, was genau passierte und warum.“

Im Leben der Mutter ist nichts mehr, wie es einmal war. Jeden Tag besucht sie das Grab ihrer Tochter. Edgar H. drohen maximal zehn Jahre Haft. Mit einem Urteil wird ab Mitte November gerechnet. KE.

Mehr auf MSN:

Video wiedergeben

Der mutmaßliche Straßburger Attentäter Chérif Chekatt ist zwei Tage nach dem Terroranschlag getötet worden. Nächste Geschichte

Angreifer von Straßburg ist tot

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von Berliner Kurier

Berliner Kurier
Berliner Kurier
| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon