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Nur sein Instinkt rettete den Zugführer

WELT-Logo WELT vor 6 Tagen
In Nordrhein-Westfalen hängten die Täter einen kiloschweren Gullydeckel an eine Brücke. Ein Regionalzug fuhr unter dieser Brücke hindurch, dabei durchschlug der Deckel die Fahrerkabine. Jetzt ermittelt die Polizei wegen Mordversuchs. Quelle: WELT/ Kevin Knauer © WELT/ Kevin Knauer In Nordrhein-Westfalen hängten die Täter einen kiloschweren Gullydeckel an eine Brücke. Ein Regionalzug fuhr unter dieser Brücke hindurch, dabei durchschlug der Deckel die Fahrerkabine. Jetzt ermittelt die Polizei wegen Mordversuchs. Quelle: WELT/ Kevin Knauer

Ein riesiges Loch klaffte in der Frontscheibe, das Steuerpult war mit Glassplittern übersät – der Zugführer blieb nur durch seine Geistesgegenwart fast unverletzt: Im Fall der Gullydeckelattacke auf einen Regionalzug in Nordrhein-Westfalen haben die Ermittler keine Hinweise auf einen Terroranschlag.

„Wir ermitteln weiter in alle Richtungen, haben derzeit keinerlei Hinweise, dass es eine politisch motivierte Tat wäre“, sagte Staatsanwalt Philipp Scharfenbaum am Montag. Die Ermittler suchen Zeugen. „Jeder Hinweis kann uns weiterbringen.“

Unbekannte hatten in der Nacht zum Samstag mehrere Gullydeckel von einer Brücke herab an Seilen über den Schienen aufgehängt, wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten. Mindestens ein Gullydeckel durchschlug die Frontscheibe eines Zuges der Hessischen Landesbahn, der zwischen Bad Berleburg und Erndtebrück fuhr.

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Mehrere Gullydeckel waren auf Höhe der Fahrerkabine an Seilen von der Brücke festgebunden © dpa/Markus Klümper Mehrere Gullydeckel waren auf Höhe der Fahrerkabine an Seilen von der Brücke festgebunden

Ermittlungen wegen versuchten Mordes

Der 49-jährige Zugführer habe in dem Moment „instinktiv richtig“ gehandelt und sei deshalb nur leicht verletzt worden. Die Behörden sprechen von einem Mordversuch. Wegen einer geplanten Leerfahrt waren keine Fahrgäste an Bord der Bahn.

„Wenn jemand massive Gullydeckel auf Höhe des Fahrerstandes hängt, dann geht es nicht mehr darum, den Zug am Dach oder an der Seite zu beschädigen. Dann nimmt man den Tod des Fahrers billigend in Kauf“, erläuterte der Staatsanwalt. Deshalb werde wegen versuchten Mordes ermittelt.

Der oder die Täter hätten eine aus Ketten und Seilen gebastelte Konstruktion mit mehreren Gullydeckeln gebaut. Einen der Gullydeckel beschrieb der Staatsanwalt als einen massiven quadratischen Rost, wie man ihn als Abdeckung von Wasserabflüssen am Straßenrand verwendet.

Die Ermittler gehen weiterhin davon aus, dass die am Tatort gefundenen Gullydeckel in der Nacht von Donnerstag auf Freitag von der Kreisstraße 31 in Hilchenbach gestohlen worden waren. Laut Polizei sollten am Montag Beamte noch einmal am Tatort nach Spuren suchen.

Zugführer unter Schock

Nach Auskunft des Bahnunternehmens Hessischen Landesbahn hat der Zugführer einen Schock erlitten und wird von einem Notfallteam betreut. Der „Bild“-Zeitung sagte eine Sprecherin zum Hergang des Anschlags und der schnellen Reaktion des Mitarbeiters: „Er hat eine Notbremsung durchgeführt und sich nach hinten weggeduckt, sodass ihn weder Glassplitter noch Gullydeckel getroffen haben. Sonst wäre er jetzt tot.“

Die eingleisige Strecke könne seit Samstagnachmittag wieder befahren werden. Die Hessische Landesbahn betreibt hier die Linie RB 93, die zwischen Bad Berleburg und dem rheinland-pfälzischen Altenkirchen verkehrt und dabei auch über Siegen in NRW führt.

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