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Polizei löst auch Großkundgebung gegen Corona-Maßnahmen auf

WELT-Logo WELT vor 2 Tagen
Tausende haben in Berlin gegen die Maskenpflicht zum Schutz vor Corona-Ansteckungen protestiert - größtenteils ohne Mundschutz und Abstand. Nach einer Strafanzeige beendete der Veranstalter die Demonstration. Quelle: WELT/ Thomas Vedder © AFP/JOHN MACDOUGALL Tausende haben in Berlin gegen die Maskenpflicht zum Schutz vor Corona-Ansteckungen protestiert - größtenteils ohne Mundschutz und Abstand. Nach einer Strafanzeige beendete der Veranstalter die Demonstration. Quelle: WELT/ Thomas Vedder

Die Polizei löst die Kundgebung von Gegnern staatlicher Corona-Auflagen in Berlin auf. Die Veranstalter seien nicht in der Lage, die Hygienemaßnahmen einzuhalten, sagte ein Polizeisprecher. Entsprechende Maßnahmen würden vorbereitet. Bei der Kundgebung hatten sich am Samstag nach Polizeiangaben etwa 20.000 Menschen auf der Straße des 17. Juni nahe des Brandenburger Tores versammelt.

Zuvor protestierten trotz steigender Infektionszahlen Tausende Menschen mit einem Demonstrationszug durch Berlin gegen die Corona-Maßnahmen. Die Polizei ging von bis zu 17.000 Teilnehmern bei der Demo aus. Die Demonstranten forderten ein Ende aller Auflagen.

Nachdem sie gegen den Veranstalter wegen Nichteinhaltung der Hygieneregeln eine Strafanzeige gefertigt hatte, beendete dieser den Protestmarsch in Richtung Brandenburger Tor vorzeitig. Das teilte die Polizei am Nachmittag via Twitter mit.

Die Teilnehmer der Demonstration propagierten das Ende der Pandemie, während die Zahlen weltweit weiter ansteigen: Innerhalb eines Tages hätten sich weltweit 292.000 Menschen infiziert, teilte die WHO am Freitagabend mit – ein neuer Rekord. Und auch die Neuinfektionen in Deutschland sind zuletzt wieder angestiegen. Laut Robert-Koch-Institut wurden 955 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages gemeldet.

Protest gegen Corona-Maßnahmen in Berlin © AP Protest gegen Corona-Maßnahmen in Berlin

Nach Polizeiangaben wurden die Hygienevorgaben wie Abstand und Mund-Nasen-Schutz nicht eingehalten. Die Polizei ging dagegen vor der Anzeige gegen den Veranstalter mit kommunikativen Maßnahmen wie Lautsprecherdurchsagen oder Einzelansprachen vor.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat das Demonstrationsrecht unterstrichen, zugleich aber harsche Kritik am Berliner Protestzug gegen staatliche Corona-Beschränkungen geäußert. „Ja, Demonstrationen müssen auch in Corona-Zeiten möglich sein. Aber nicht so“, schrieb der CDU-Politiker am späten Samstagnachmittag auf Twitter.

Abstand, Hygieneregeln und Alltagsmasken dienten dem Schutz aller. Die Pandemie sei nur „mit Vernunft, Ausdauer und Teamgeist“ zu meistern. „Je verantwortlicher wir alle im Alltag miteinander umgehen, desto mehr Normalität ist trotz Corona möglich“, betonte Spahn.

„Die größte Verschwörungstheorie ist die Corona-Pandemie“

Zu sehen waren bei der Demonstration Ortsschilder und Fahnen verschiedener Bundesländer. Ihrem Unmut über die Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus machten die Menschen mit Trillerpfeifen und Rufen nach „Freiheit“ oder „Widerstand“ Luft. Auch Parolen wie „Die größte Verschwörungstheorie ist die Corona-Pandemie“ waren zu hören.

Für den ersten Demonstrationszug hatten die Veranstalter lediglich 1000 Teilnehmer angemeldet. Die zweite Kundgebung mit angemeldeten 10.000 Teilnehmern startete gegen 15.30 Uhr am Nachmittag. Laut „Tagesspiegel“ hat die Beendigung des Protestzuges keine Auswirkung auf die Kundgebung, die nun auch aufgelöst wurde.

Zur Demonstration aufgerufen hatte unter anderem die Initiative„Querdenken 711", die bereits seit Wochen in Stuttgart demonstriert. Nach Angaben von Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) riefen auch verschiedene Neonazi-Organisationen zur Teilnahme auf.

Eine junge Frau winkt der Menschenmenge zu, die bei der Demonstration über die Friedrichstraße zieht Quelle: dpa/Christoph Soeder © dpa/Christoph Soeder Eine junge Frau winkt der Menschenmenge zu, die bei der Demonstration über die Friedrichstraße zieht Quelle: dpa/Christoph Soeder Abstandsregeln und Mundschutz? Fehlanzeige Quelle: AP/Markus Schreiber © AP/Markus Schreiber Abstandsregeln und Mundschutz? Fehlanzeige Quelle: AP/Markus Schreiber Ein Schild mit der Aufschrift „AHA Regel der Freiheit: Aufwachen, Hinterfragen, Absetzen der Maske & der Regierung" ragt aus der Menschenmenge vor dem Brandenburger Tor Quelle: dpa/Paul Zinken © dpa/Paul Zinken Ein Schild mit der Aufschrift „AHA Regel der Freiheit: Aufwachen, Hinterfragen, Absetzen der Maske & der Regierung" ragt aus der Menschenmenge vor dem Brandenburger Tor Quelle: dpa/Paul Zinken Zu der Demonstration hat die Initiative „Querdenken 711" aufgerufen Quelle: dpa/Christoph Soeder © dpa/Christoph Soeder Zu der Demonstration hat die Initiative „Querdenken 711" aufgerufen Quelle: dpa/Christoph Soeder

Das Motto der Kundgebung lautet „Das Ende der Pandemie – Tag der Freiheit“. Den Titel „Tag der Freiheit“ trägt auch ein Propagandafilm der Nazi-Ikone Leni Riefenstahl über den Parteitag der NSDAP 1935. In Stuttgart hat die Initiative bereits wiederholt demonstriert.

„Ziemlich voll geworden“

Auf Twitter schrieb die Polizei bereits am Mittag, es sei bei der Versammlung auf der Straße Unter den Linden „ziemlich voll geworden“. Die Teilnehmer seien auf ausreichende Abstände und das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung hingewiesen worden.

Laut Polizei wurde es „ziemlich voll", 1100 Beamte sind im Einsatz Quelle: REUTERS © REUTERS Laut Polizei wurde es „ziemlich voll", 1100 Beamte sind im Einsatz Quelle: REUTERS

Menschen mit Mund-Nasen-Schutz wurde aus dem Protestzug „Masken weg“ entgegengerufen. Zu größeren Zwischenfällen kam es zunächst nicht. An mehreren Stellen wurden Protestzug und Gegendemonstranten von Polizeieinheiten abgeschirmt. Gegendemonstranten unter dem Motto „Omas gegen rechts“ riefen dem Zug „Nazis raus“ entgegen, der Spruch schallte als Echo zurück.

Auch Gegendemonstrationen wie „Omas gegen rechts“ sind angekündigt Quelle: AFP/JOHN MACDOUGALL © AFP/JOHN MACDOUGALL Auch Gegendemonstrationen wie „Omas gegen rechts“ sind angekündigt Quelle: AFP/JOHN MACDOUGALL Teilnehmer einer Gegendemonstration stehen an der Torstraße Ecke Tucholskystraße – sie tragen Mundschutz Quelle: dpa/Christoph Soeder © dpa/Christoph Soeder Teilnehmer einer Gegendemonstration stehen an der Torstraße Ecke Tucholskystraße – sie tragen Mundschutz Quelle: dpa/Christoph Soeder

Unverständnis für die Demo gab es von politischer Seite. Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken schrieb auf Twitter: „Tausende #Covidioten feiern sich in #Berlin als ,die zweite Welle‘, ohne Abstand, ohne Maske. Sie gefährden damit nicht nur unsere Gesundheit, sie gefährden unsere Erfolge gegen die Pandemie und für die Belebung von Wirtschaft, Bildung und Gesellschaft. Unverantwortlich!“ Brandenburgs CDU-Landtagsfraktionschef Jan Redmann schrieb auf Twitter: „Wieder 1000 Neuinfektionen/Tag, und in Berlin wird gegen Corona-Auflagen demonstriert? Diesen gefährlichen Blödsinn können wir uns nicht mehr leisten.“

Eine ebenfalls für Samstag angemeldete Veranstaltung des Verschwörungstheoretikers Attila Hildmann war im Vorfeld unter anderem wegen des Vorwurfs der Volksverhetzung untersagt worden. Es war das zweite Verbot einer Hildmann-Kundgebung in Folge.

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