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Prozessauftakt zu Spandauer Lkw-Unfall: Nach Tod zweier Kinder – Noch keine Verbesserung der Verkehrssicherheit

Tagesspiegel-Logo Tagesspiegel vor 2 Tagen Stefan Jacobs
Spuren des Gedenkens. Kuscheltiere, Blumen und ein kleines, weiß getünchtes Geisterrad erinnern an den Unfall, der sich im Juni 2018 in Spandau ereignete. Tags zuvor starb eine 13-Jährige, nachdem sie von einer Tram erfasst wurde. © Foto: Stefan Jacobs Spuren des Gedenkens. Kuscheltiere, Blumen und ein kleines, weiß getünchtes Geisterrad erinnern an den Unfall, der sich im Juni 2018 in Spandau ereignete. Tags zuvor starb eine 13-Jährige, nachdem sie von einer Tram erfasst wurde.

Nach dem Tod eines Siebenjährigen wird die Unfallstelle umgebaut. Auch die BVG versprach nach einem Unfall mehr Sicherheit - und tut nun doch nichts.

Die frischen Blumen leuchten gelb und orange im Novembergrau. Die Kuscheltiere und die Grablichter sind trotz des vorbeidonnernden Schwerverkehrs sauber, die Fotos von Constantin kleben ordentlich am Ampelmast, an dem auch das kleine weiße Geisterrad lehnt. Es sieht aus, als wäre der Unfall erst vor ein paar Tagen passiert.

Dabei war es im Juni 2018, dass der Siebenjährige auf dem Weg zur Schule in Spandau von einem rechts abbiegenden Lastwagen überfahren wurde – an der grünen Ampel an der Einmündung der Nauener Straße in den Brunsbütteler Damm in Spandau, vor den Augen seiner Mutter.

Am Mittwoch muss sich der Fahrer vor Gericht verantworten

Während für die Familie des Jungen von einem Moment auf den anderen die Welt zusammenbrach, mahlten die Mühlen der Bürokratie in gemächlichem Tempo. Diesen Mittwoch muss sich der Fahrer des Lastwagens wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten. Meist enden solche Fälle mit Geldstrafen und wegen des großen zeitlichen Abstandes zur Tat auch ohne Fahrverbot.

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Constantins Eltern, die nach der Tragödie monatelang nicht arbeiten konnten, sind regelmäßig am Ort des Unglücks, um die kleine Gedenkstätte zu pflegen. Die ist seit Kurzem von rot-weißen Absperrbaken und gelben Markierungen umgeben: Knapp eineinhalb Jahre nach dem Unfall hat der angekündigte Umbau der Einmündung begonnen. Ursprünglich sollte es bereits im Sommer losgehen; eine Gedenkveranstaltung zum Jahrestag des Unfalls geriet zugleich zur Demo für den sofortigen Umbau.

Nach Auskunft der Verkehrsverwaltung hat sich der Termin weiter verschoben, weil die Verkehrslenkung bei der Prüfung der geplanten Baustelleneinrichtung Gefahrenpunkte sah, die erst behoben werden mussten – im Wesentlichen durch Installation und Programmierung einer provisorischen Ampelanlage.

Tod des Siebenjährigen ist kein Einzelfall

Ursprünglich sollte nach dem Unfall nur die Haltelinie des Radwegs – der mit einem Metallgitter von der aus einer Unterführung kommenden Fahrbahn der Nauener Straße abgetrennt ist – weiter nach vorn verlegt und die Ampel versetzt sowie mit einem Blinklicht für Abbieger versehen werden. Später entschloss sich die Verwaltung, auch die Grünphasen für Geradeausverkehr und Abbieger zu trennen. „Nach derzeitigem Stand ist bis Weihnachten mit einer Inbetriebnahme zu rechnen“, heißt es auf Nachfrage.

Nur einen Tag vor Constantins Tod war in Rummelsburg die 13-jährige Ronja tödlich verunglückt: Sie hatte als Radfahrerin in Begleitung einer Freundin an einer ungesicherten Stelle die Straßenbahngleise am Blockdammweg überquert und wurde von einer Tram erfasst. Der Rettungsversuch mit schwerem Gerät missglückte, das Mädchen wurde erdrückt.

Nach diesem Unglück war eine Diskussion über die Sicherung von Gleisquerungen aufgekommen: Anderswo sind beispielsweise Blinklichter oder ein Warnton üblich, wenn eine Tram naht. In Berlin dagegen gibt es Übergänge, an denen noch nicht einmal eine weiße Linie oder eine Schraffur auf die Schienen hinweist - von Andreaskreuzen oder „Z-Gittern“ wie an innerstädtischen Fußgängerpassagen gar nicht zu reden. Das betrifft beispielsweise ein halbes Dutzend Querungen der „Uferbahn“ 68, die zwischen Grünau und Schmöckwitz durch den von Joggern und Radfahrern frequentierten Wald braust.

Bisher hat sich am Unfallort nichts getan

„Auffällige Markierungslinien und Schraffuren“ hatte die BVG damals in Aussicht gestellt. Nichts davon ist umgesetzt worden, und auf Nachfrage erklärt das Landesunternehmen jetzt: „Überwege über Gleisanlagen der Straßenbahn sind als solche gekennzeichnet“ – was im konkreten Fall nicht stimmt.

Die bauliche Gestaltung sei mit Betriebsleitung und Technischer Aufsichtsbehörde abgestimmt und genehmigt. „Das gilt auch für die Übergänge der Linie 68. Hier gibt es aktuell keine weiteren Planungen.“ Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) hatte nach dem Tod der beiden Kinder via Twitter erklärt: „Wir werden die Unfälle genau untersuchen und alles unternehmen, dass unsere Straßen sicherer werden.“

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