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Psychiater-Aussage: Assange hört nach eigenen Angaben Stimmen in seiner Zelle

Kölner Stadt-Anzeiger-Logo Kölner Stadt-Anzeiger 22.09.2020 ksta
Julian Assange im März 2020 © dpa Julian Assange im März 2020

Der in Großbritannien inhaftierte Wikileaks-Gründer Julian Assange ist nach Aussagen eines Psychiaters suizidgefährdet und könnte sich das Leben nehmen, wenn er an die USA ausgeliefert würde. Assange sei hochgradig depressiv und zeige „psychotische Symptome“ wie Halluzinationen, sagte Michael Kopelman am Dienstag im Auslieferungsverfahren vor dem Zentralen Strafgerichtshof in London.

Assange habe ihm im Hochsicherheitsgefängnis erzählt, er habe Musik sowie „Stimmen“ gehört, die zu ihm gesagt hätten: „Du bist Staub, du bist tot, wir kommen, um dich zu holen“, berichtete Kopelman, der den Australier rund 20 Mal in der Haft gesprochen hatte.

Hinter Assanges Suizidgedanken stünden zwar „klinische Faktoren“, doch könnte ihn eine bevorstehende Auslieferung zur Tat schreiten lassen. In jedem Fall aber werde sich sein Zustand bei einer Auslieferung „deutlich verschlechtern“, sagte der Psychiater.

Richter entscheiden über Auslieferung an USA

Die Richter in London müssen derzeit entscheiden, ob Assange an die USA ausgeliefert wird. Dort ist der 49-jährige Wikileaks-Gründer wegen der Veröffentlichung geheimer Dokumente und Verstößen gegen das Anti-Spionage-Gesetz angeklagt. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 175 Jahre Haft. Derzeit ist er in einem britischen Hochsicherheitsgefängnis inhaftiert.

Die Enthüllungsplattform Wikileaks hatte 2010 und 2011 hunderttausende geheime Papiere vor allem zum Irak-Krieg ins Internet gestellt, die ihr von der früheren US-Soldatin Chelsea Manning zugespielt worden waren. Die Dokumente enthielten brisante Informationen über die US-Einsätze in dem Land, unter anderem über die Tötung von Zivilisten und die Misshandlung von Gefangenen.

Assange war im April 2019 in Großbritannien verhaftet worden, nachdem er sieben Jahre in der ecuadorianischen Botschaft in London verbracht hatte. Dort hatte er aus Furcht vor einer Auslieferung in die USA Zuflucht gesucht. Assanges Unterstützer und auch seine Lebensgefährtin fürchten um die Gesundheit des 49-Jährigen, der durch seinen jahrelangen Aufenthalt auf beengtem Raum in Ecuadors Botschaft und anschließend im Gefängnis gesundheitlich schwer angeschlagen ist. (afp)

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