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Rassismusvorwürfe in Berlin-Steglitz: Siebenjähriger von Mitschülern drangsaliert?

Tagesspiegel-Logo Tagesspiegel 19.02.2019 Susanne Vieth-Entus

Mobbing- und Gewaltvorwürfe erschütterten am Dienstag die Grundschule an der Bäke. Die Bildungsbehörde nimmt den Vorgang "sehr ernst".

Ob der Siebenjährige verprügelt wurde, konnte die Schulleitung bisher nicht bestätigen. © Foto: Oliver Berg/dpa Ob der Siebenjährige verprügelt wurde, konnte die Schulleitung bisher nicht bestätigen.

An der Steglitzer Grundschule an der Bäke soll ein siebenjähriger schwarzer Schüler bereits seit Monaten das Opfer von rassistischen Übergriffen durch ältere Mitschüler sein. In der vergangenen Wochen sei die Situation eskaliert. Aus dem Umfeld des Jungen wurde am Dienstag berichtet, er sei "von mehreren Schülern der sechsten Klasse angegriffen und bewusstlos geschlagen worden". Die Schulleiterin bestätigte diese Darstellung allerdings nicht.

"Uns liegen Berichte von Umstehenden vor, dass er ohne Fremdeinwirkung gestolpert ist", heißt es in einer Mitteilung, die die Schule am Dienstagnachmittag verschickte. Er sei auf sein Gesicht gefallen und habe sich Abschürfungen zugezogen. Ein Rettungswagen habe ihn in ein Krankenhaus gebracht. Weiter sagte die Schulleiterin in einem Elternbrief zu, den im Zusammenhang mit diesem Unfall geäußerten "Vorwürfen von rassistischen Äußerungen und Handlungen gegenüber diesem Kind mit allen zur Verfügung stehenden Institutionen nachzugehen".

Die Antidiskriminierungsbeauftragte informierte sich am Morgen

Schulaufsicht, Schulpsychologie, Schulstation und die Antidiskriminierungsstelle seien eingeschaltet. Zudem verwies die Schulleiterin darauf, dass es bereits am Nachmittag mit den Elternvertretungen und Eltern ein Treffen gab: "Wir bleiben im engen Kontakt und informieren engmaschig über aktuelle Entwicklungen. Sollten unsere Bemühungen dennoch nicht ausreichend gegriffen haben, bedauern wir das zutiefst und entschuldigen uns bei den Betroffenen", heißt es in dem Schreiben.

Auch die Sprecherin der Bildungsverwaltung, Beate Stoffers, bezog am Dienstag Stellung: "Wir nehmen den Vorfall sehr ernst", sagte sie und teilte mit, dass die Antidiskriminierungsbeauftragte bereits am Morgen in die Schule gegangen sei, um sich über den Vorfall zu informieren.

Nach Stoffers Informationen hatte sich der Junge nicht im vergangenen Jahr, sondern erst am Montag vergangener Woche gegenüber seiner Lehrerin über Übergriffe beklagt. "Die Klassenlehrerin war mit dem Jungen für letzten Donnerstag verabredet, dass er ihr bei einem gemeinsam Hofgang zeigt, welche Jungs ihn ärgern", berichtet Stoffers. Dazu kam es dann aber nicht, weil der Junge am Mittwoch gestürzt sei. Den Widerspruch zwischen der Darstellung aus dem Umfeld des Jungen und den Berichten aus der Schule konnte Stoffers nicht auflösen.

In dem Schreiben, das offenbar von einem Bekannten der Familie verschickt wurde, heißt es, der Junge sei über ein Jahr in der Schule als „Neger“ beschimpft worden. Auch sei ihm seine Hose runtergezogen worden, "weil er eine andere Hautfarbe hat". Zudem sei er angespuckt und "ins Gesicht geschlagen worden". Letztlich habe die Mutter des Jungen zwei Lehrer über "diese täglichen Zwischenfälle" informiert, die dann auch in einer Schulkonferenz thematisiert worden seien. Auch der Schulpsychologische Dienst sei informiert gewesen. Leider habe sich nichts geändert. "Ganz im Gegenteil".

Stoffers hatte von diesen länger zurückliegenden Vorwürfen keine Kenntnis und auch die Antidiskrimininierungsbeauftragte habe davon nicht berichtet, sagte sie dem Tagesspiegel. Es habe zwar eine Schulhilfekonferenz gegeben, aber zu einem anderen Thema.

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Auf allen Ebenen geht es um Respekt, heißt es

"Wenn es Meldungen von Vorfällen gibt, werden diese nach den Notfallplänen von uns systematisch mit der Schulpsychologie und dem Krisenteam bearbeitet. Wöchentliche Fallbesprechungen im Leitungsteam gehören seit Jahren zum Schulalltag", heißt es in der aktuellen Mitteilung der Schulleiterin. Sie habe ein Krisenteam mit Begleitung des Schulpsychologischen Dienst gebildet und schon im Jahr 2018 einen Studientag zum Thema Mobbing organisiert, "um Lehrkräfte und Erzieher zu sensibilisieren".

Zudem gebe es ein Anti-Mobbing-Konzept im Hort und ab der erste Klassen werde soziales Lernen mit der Schulstation trainiert. Zudem gebe es einen Klassenrat und das Schülerparlament sowie von der Schulstation ausgebildete Streitschlichter. Die Eltern hätten zudem die Initiative „Respektvoller Umgang“ ins Leben gerufen. Hierbei geht es um die Verbesserung der Kommunikation der Kinder untereinander.

Die aktuellen Vorwürfe sollen nun zum Anlass genommen werden, "weitere Maßnahmen zu ergreifen und blinde Flecken zu erkennen, um allen Kindern einen fröhlichen Schulbesuch ermöglichen zu können", sagt die Rektorin zu.

Die Schulinspektion lobte die Schule

Der aktuelle Bericht der Schulinspektion belegt die vielfältigen Bemühungen der Schule für einen gewaltfreien Alltag: "Das Konfliktmanagement der Schule ist effektiv in der Prävention bzw. dem Umgang mit Gewaltvorfällen: In der wöchentlichen Leitungsrunde werden die aktuellen Fälle beraten, es gibt klare Verabredungen zu einer einheitlichen Vorgehensweise bei Konflikten", lobten die Inspekteure im Februar 2018.

Für Kinder und Eltern sei in Problemsituationen die Schulstation eine effektive Anlaufstelle, die auch fortlaufend Schülerinnen und Schüler zu Streitschlichterinnen und -schlichtern ausbilde. Die Entwicklung von "effektiven Strukturen und Maßnahmen für das soziale Lernen" wird im Inspektionsbericht sogar explizit als Stärke der Schule benannt, und auch der Verein "Tandem", der den Hort der Schule betreut, benennt als vorrangiges Ziel, "Kinder in ihrer Unterschiedlichkeit wahrzunehmen, zu respektieren und zu fördern".

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