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Rudi Assauer wird Opfer einer würdelosen Politposse

DIE WELT-Logo DIE WELT 12.10.2017

Die demenzkranke Fußball-Legende Rudi Assauer sollte auf Antrag des Bürgermeisters Ehrenbürger seiner Heimatstadt Herten werden. Doch in der geheimen Abstimmung wurde auf Assauers Kosten Politik gemacht.

Seit seiner Demenzerkrankung hat sich der ehemalige Schalke-Manager Rudi Assauer, 73, größtenteils aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. In seiner Heimatstadt Herten sollte ihm nun die Ehrenbürgerwürde verliehen werden. Es endete in einer großen Demütigung für die Fußball-Legende.

Assauer wuchs in der Stadt im Ruhrgebiet (60.000 Einwohner) auf. Am Mittwoch stimmte der Rat der Stadt über einen Antrag des Bürgermeisters Fred Toplak ab, Assauer die Ehrenbürgerwürde zu verleihen. In geheimer Abstimmung. Das Ergebnis: 21 Lokalpolitiker stimmten gegen die Verleihung, nur 17 dafür. Für ein positives Quorum hätte es einer Zwei-Drittel-Mehrheit bedurft.

Während der Abstimmung saßen Assauers Tochter Bettina Michel und seine Zwillingsschwester Karin auf der Zuschauertribüne. Michel war anschließend schwer enttäuscht: "Rudi hat diese Ehrung verdient", sagte sie den "Ruhrnachrichten". Das Herz ihres Vaters habe stets für ihre Heimatstadt geschlagen.

Hertener Schmierentheater auf Kosten von Assauer

Die gescheiterte Abstimmung war wohl weniger eine Absage an Assauer als ein willkommener Affront der Lokalpolitiker gegen ihren parteilosen Bürgermeister Fred Toplak. Der wurde vor einem Jahr ins Amt gewählt, für viele eine Überraschung.

Es war seine Idee, Rudi Assauer die Ehrenbürgerwürde zu verleihen. Mitte September hatte er eine E-Mail an die Ratsfraktionen geschrieben und das Thema für die Ratssitzung im Oktober auf die Tagesordnung gesetzt. Das war vielen Politikern zu schnell, sie hätten den Vorschlag erst im Ältestenrat der Stadt zur Diskussion stellen wollen.

Zudem würde die Ehrenbürgerwürde der Stadt Herten nur sehr selten vergeben. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde diese nur an Herta-Gründer Karl Schweisfurth und Altbürgermeister Willi Wessel verliehen.

SPD-Fraktionschef fordert geheime Abstimmung

SPD-Fraktionschef Christian Bugzel beantragte bei der entscheidenden Ratssitzung schließlich eine geheime Abstimmung. Dies war bereits ein Zeichen, dass es kein positives Ergebnis geben würde. Sein CDU-Kollege Stefan Grave machte noch den Vorschlag, die Abstimmung ganz von der Tagesordnung zu nehmen. Er wolle "Schaden von Rudi Assauer abwenden".

Rudi Assauer beim Jubiläums- und Abschiedsspiel für Trainer Huub Stevens 20 Jahre nach dem UEFA-Pokalsieg des FC Schalke 04 am 21.05.2017 in Gelsenkirchen. Nur selten zeigt sich Assauer noch öffentlich: Rudi Assauer wird Opfer einer würdelosen Politposse © picture alliance / Guido Kirchne Rudi Assauer wird Opfer einer würdelosen Politposse

In Herten tobt bereits seit Toplaks Wahl zum Bürgermeister ein Meinungskampf. Auf seiner Facebook-Seite kommentiert Toplak regelmäßig in langen Einträgen die neuesten Entwicklungen, vor allem mit der SPD-Fraktion scheint er im Clinch zu liegen. Nach der Abstimmung schien er gefrustet: "Sehen Sie mir nach, dass ich die Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt nicht kommentiere."

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