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Seniorin ermordet? – Anklage nennt grausame Details

DIE WELT-Logo DIE WELT 11.01.2017

Als Jugendlicher soll ein Mann 1982 eine Rentnerin erstickt und sich an ihr vergangen haben. Nun steht er vor Gericht. Warum kamen die Ermittler dem Familienvater erst jetzt auf die Spur?

Knapp 35 Jahre nach dem Tod einer Rentnerin hat vor dem Flensburger Landgericht der Mordprozess gegen einen heute 52-Jährigen begonnen. Staatsanwalt Axel Schmidt warf dem damals 17-Jährigen vor, im Juni 1982 eine Rentnerin in Schleswig in ihrer Wohnung ermordet zu haben.

"Er verschaffte sich Zugang unter dem Vorwand, telefonieren zu wollen", sagte der Staatsanwalt. Tatsächlich habe sich der damals drogenabhängige Jugendliche nach Bargeld und Wertgegenständen umgesehen. Als es zum Streit kam, habe er die Frau mit einem Sofakissen erstickt. Anschließend soll er ihre Kleidung mit einem Messer aufgeschnitten und sich an ihr vergangen haben. Mit rund 20 erbeuteten Münzen, die er später verkaufte, sei er geflohen.

Der vor dem Jugendgericht angeklagte Familienvater aus Ostholstein nahm die Vorwürfe regungslos auf. Eine Spermaspur hatte ihn laut Staatsanwaltschaft im Sommer 2016 überführt, Polizisten stellten ihn auf der Flucht in einem Saarbrücker Hotel. Seit 2012 hatten die Ermittler wieder intensiver an dem ungeklärten Fall gearbeitet. Es gelang ihnen, die am Tatort sichergestellte DNA zu entschlüsseln.

Die Bänke für Zuhörer bleiben am 11.01.2017 im Landgericht Flensburg (Schleswig-Holstein) beim Einzug des Gerichtes leer. Der Prozess gegen einen 52-Jährigen, der 1982 eine damals 73-jährige Schleswigerin bestohlen und getötet haben soll, wird vor dem Jugendgericht behandelt. Die Öffentlichkeit bleibt ausgeschlossen. Foto: Carsten Rehder/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ © dpa Die Bänke für Zuhörer bleiben am 11.01.2017 im Landgericht Flensburg (Schleswig-Holstein) beim Einzug des Gerichtes leer. Der Prozess gegen einen 52-Jährigen, der 1982 eine damals 73-jährige Schleswigerin bestohlen und getötet haben soll, wird vor dem Jugendgericht behandelt. Die Öffentlichkeit bleibt ausgeschlossen. Foto: Carsten Rehder/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Beim Durchwühlen der Schränke erwischt

Der Angeklagte soll die 73-Jährige getötet haben, als sie ihn beim Durchwühlen der Schränke erwischte. Dabei sei es "irgendwie aus dem Ruder gelaufen", sagte der Angeklagte bei seiner Vernehmung. Er habe ausgesagt, es sei darum gegangen, "sie zum Schweigen zu bringen, damit sie nicht schreit, nicht die Polizei ruft". Vor Gericht wollte der Angeklagte, der in den 80er-Jahren in Lübeck wegen eines anderen Tötungsdelikts zu einer Jugendstrafe verurteilt worden war, erst später aussagen. Ob mit der Tat auch ein Sexualdelikt einherging, blieb am ersten Verhandlungstag zunächst offen.

"Er bereut, dass da was vorgefallen ist", sagte der Anwalt des Mannes. Was genau passiert sei, müsse der Prozess zeigen. So lange nach der Tat die Wahrheit herauszufinden, sei "für alle Seiten schwierig". Sein Mandant sei nach Jahrzehnten aus seiner Familie und seinem Alltag herausgerissen worden.

Da der Angeklagte bei der Tat erst 17 Jahre alt war, findet die Verhandlung vor dem Jugendgericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Wegen des großen öffentlichen Interesses und des hohen Alters des Mannes ließ die Kammer einzelne namentlich benannte Pressevertreter zu. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm maximal zehn Jahre Gefängnis.

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