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Staatsanwaltschaft schließt technischen Defekt bei SUV-Unfall aus

WELT-Logo WELT 17.09.2019
Eine Woche nach dem Unfall mit vier Toten in Berlin wurde die Wohnung des SUV-Fahrers durchsucht. Die Ermittler versuchen zu klären, ob Michael M. am Steuer einen epileptischen Anfall erlitt. Quelle: WELT © WELT Eine Woche nach dem Unfall mit vier Toten in Berlin wurde die Wohnung des SUV-Fahrers durchsucht. Die Ermittler versuchen zu klären, ob Michael M. am Steuer einen epileptischen Anfall erlitt. Quelle: WELT

Nach dem SUV-Unfall mit vier Toten in Berlin hat der Anwalt des Fahrers der Berliner Staatsanwaltschaft einem Bericht zufolge eine erste Stellungnahme vorgelegt. „Die Hinweise und Spekulationen, wie sie von Anfang an bestanden, haben sich derzeit weiter konkretisiert“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft am Montagabend der RBB-Abendschau. Der Anwalt habe in dem Schreiben „in der Tat bestätigt, dass eine akute gesundheitliche Problematik Ursache des Unfall gewesen sein könnte“.

Blumen und Kerzen liegen an der Unfallstelle: Der schwere Verkehrsunfall in Berlin-Mitte hat eine Diskussion über Verkehrssicherheit losgetreten © dpa/Paul Zinken Blumen und Kerzen liegen an der Unfallstelle: Der schwere Verkehrsunfall in Berlin-Mitte hat eine Diskussion über Verkehrssicherheit losgetreten

Zugleich schließt die Staatsanwaltschaft technische Probleme an dem Wagen aus. „Es gibt keine Hinweise auf einen technischen Defekt“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Dienstag.

Die Beifahrerin hatte der Polizei nach dem Unfall einen Hinweis auf einen möglichen epileptischen Anfall des Fahrers gegeben. Die Polizei durchsuchte am Freitag in dem Zusammenhang die Wohnung des Fahrers und stellte Beweismittel sicher. Ob die Staatsanwaltschaft Medikamente oder auch Computer und Handys beschlagnahmte, wurde nicht gesagt. Gegen den Fahrer wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt.

Steltner sagte weiter, die Frage sei, ob gesundheitliche Probleme oder eine Grunderkrankung vorhersehbar gewesen seien. Dann wäre der Unfall von strafrechtlicher Relevanz. „Wenn vorhersehbar ist, dass jemand beispielsweise Krampfanfälle bekommt, sollte er nicht Auto fahren.“ Zugleich betonte er aber: „Das kann jedem passieren.“ 

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An die Patientenakte des Mannes kommt die Polizei nicht heran, weil für die Akte wegen der ärztlichen Schweigepflicht ein sogenanntes Beschlagnahmeverbot gilt. Der Fahrer könnte die Akte freigeben – was er aber bisher aber nicht getan hat. Die Frage ist, ob der Mann aus gesundheitlichen Gründen überhaupt hätte Auto fahren dürfen.

Ob die Staatsanwaltschaft Medikamente oder auch Computer oder Handys beschlagnahmte, wurde nicht gesagt. Die Wohnung des Fahrers liegt nicht sehr weit von Unfallstelle in Berlin-Mitte entfernt, wie der Sender RTL berichtete. Eine Ermittlungsgruppe der Polizei soll im Auftrag der Staatsanwaltschaft die Umstände des Unfalls an der Kreuzung Invalidenstraße und Ackerstraße aufklären.

Am 6. September war das Auto an einer Kreuzung in Berlin über die Gegenfahrbahn hinweg von der Straße abgekommen. Der SUV rammte eine Ampel, überfuhr vier Menschen auf dem Gehweg und durchbrach einen Bauzaun. Unter den vier Todesopfern war auch ein dreijähriger Junge.

Fast 10.000 Menschen unterschreiben Petition

Einen Aufruf im Internet, in dem die Einrichtung einer Tempo-30-Zone, Zebrastreifen und Ampeln zur Verkehrsberuhigung für die Umgebung des Unfallortes gefordert wird, unterzeichneten bis Montagmittag fast 10.000 Menschen. Der Verkehr in der Invalidenstraße habe in den vergangenen Jahren stark zugenommen, schrieb der Initiator, ein mehrfacher Vater und Anwohner. Sichere Wege für Schul- und Kita-Kinder seien dringend nötig.

Am Sonntag hatte die Polizei in der Invalidenstraße in der Nähe der Unfallstelle eine der neuen mobilen Radarfallen aufgestellt. Die Blitzgeräte, die in große Anhänger eingebaut sind, können über viele Stunden autonom den Autoverkehr überwachen und zu schnell fahrende Autos fotografieren, ohne dass Polizisten dafür eingesetzt werden müssen.

An der Unfallstelle lagen auch am Wochenende weiterhin Blumen und standen Kerzen. Trauernde hatten ein Foto der beiden jungen Männer aufgehängt, die getötet wurden. Darunter stand auf katalanisch „Per sempre més enamorats“ (deutsch: Für immer verliebt).

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